03.07.2019 | Von Bernhard Raos

Versicherer forcieren Betongold

Die durchschnittliche Immobilienquote der Assekuranz liegt auf einem historischen Höchststand.

In Zeiten von risikolosen Zinsen nahe null fahren auch die Versicherungen ihre Immobilien-Investments hoch. Die entsprechende Quote ist mit 10,3 Prozent erstmals zweistellig, wie das aktuelle Trendbarometer Assekuranz 2019 von EY Real Estate zeigt. Für die nunmehr zwölfte Auflage der Studie wurden im Mai und Juni 24 führende Unternehmen befragt.

Laut EY geht es für die Assekuranz nicht um Wertsteigerung, sondern um die Cashflow-Rendite: Die Versicherer müssen ihre Garantiezinsversprechen auch im anhaltenden Niedrigzinsumfeld halten können. 70 Prozent der Befragten wollen denn auch ihre Immobilienbestände weiter erhöhen. Entsprechend sehen 80 Prozent die Unternehmen der eigenen Branche als stärkste Konkurrenz – gleich nach privaten Investoren und Family Offices (84 Prozent).

Mehr Risiko 

Der Anlagenot gehorchend wird mehr Risiko bei Immobilieninvestments genommen. Über zwei Drittel der Befragten halten diesen Trend für unumkehrbar. Risikoärmere Immobilieninvestments im „Core“-Bereich sind heiß umkämpft. So ist mittlerweile die mit höherem Risiko behaftete Klasse „Core+“ die be­vorzugte Risikokategorie. Investitionen in der ris­kantesten Kategorie „Opportunistic“ lehnen indes mehr als 60 Prozent der Befragten ab.

Knapp zwei Drittel des Immobilienbestandes werden direkt gehalten. Die Renditeerwartung für indirekte Bestände liegt allerdings mit rund 5,0 Prozent höher als die für direkte Bestände (rund 4,5 Prozent). Zum ersten Mal sind offene Immobilienspezialfonds die beliebteste Anlageform; sie werden von mehr als 70 Prozent der Befragten präferiert – noch vor fremdgenutztem Direktbestand (70 Prozent). Auch geschlossene Immobilienfonds (60 Prozent) und alternative Immobilieninvestments (52 Prozent) gewinnen an Bedeutung.

Traditionell fokussieren Versicherer auf Büroimmobilien. Das ist auch in diesem Jahr ausnahmslos der Fall. Für drei Viertel der Befragten bleiben auch Wohnimmobilien attraktiv – trotz bereits stolzer Preise. Tiefer in der Gunst liegen Infrastrukturinvestments (58 Prozent) und Ein­zelhandelsobjekte (48 Prozent).

Steuerliche Gestaltung mitentscheidend

Steuerliche Aspekte beeinflussen bei rund 60 Prozent der Unternehmen die Investmententscheidungen. 86 Prozent erwarten bei ihren Investments, dass künftige Anforderungen an eine intelligente Infrastruktur erfüllt werden. Die Digitalisierung erfordert für 86 Prozent der Versicherer ein Umdenken, etwa durch aktuelle Trends wie Co-Working im Bürosegment. Auch Nachhaltigkeit ist ein Thema.

Der Investmentfokus der befragten Versicherungsunternehmen liegt klar auf Europa (59 Prozent), gefolgt von Asien und Ozeanien (31 Prozent) und Nordamerika (30 Prozent). Afrika wie auch Zentral- und Südamerika spielen für die Assekuranz hingegen keine Rolle. Innerhalb Europas werden West- (74 Prozent) und Nordeuropa (65 Prozent) bevorzugt. Deutschland bleibt der favorisierte Markt (96 Prozent), wobei die Bewertung von “sehr attraktiv” auf “attraktiv” sinkt. Dies ist dem hohen Preisniveau geschuldet. Das einst beliebte Groß­britannien leidet unter dem anstehenden Brexit: Nur noch 19 Prozent schätzen den britischen Immobilienmarkt als attraktiv ein.

 

 

Artikel teilen