In Heiligenhaus, gelegen im nordrhein-westfälischen Städtedreieck Düsseldorf–Essen–Wuppertal, soll ein Innovationskatalysator für die ganze Region entstehen: In Kooperation mit dem Infrastrukturinvestor Palladio Partners baut Hochtief dort ab nächstem Jahr ein nachhaltiges Rechenzentrum. Das Hightech-Objekt des Types Yexio wird im sogenannten Innovationspark der Hochschulstadt errichtet.
Dabei fließt auch reichlich Geld professioneller Anleger in das Projekt, wie einer Pressemeldung zu entnehmen ist. Einen kleineren dreistelligen Millionenbetrag wollen Hochtief und Palladio in Rechenzentren in Ballungsräumen in den nächsten Jahren investieren. Zu Kunden der Investmentboutique Palladio gehören unter anderem Pensionswerke, Versorgungsunternehmen oder auch Kirchen.
„Langfristiges Kapital aus der deutschen Altersvorsorge wird hier sinnvoll in nachhaltige digitale Infrastruktur investiert – und damit in die Transformation unserer Wirtschaft“, bekräftigt Bernd Kreuter, Managing Partner bei Palladio, die Anlageentscheidung. „Private Equity und Infrastrukturfonds haben Rechenzentren als Investitionsobjekte entdeckt. Nach Erhebung von Palladio entfielen bisher neun von zehn Deals auf klassische Private-Equity-Häuser, die dann in der Regel die Infrastruktur und den Betrieb finanzieren“, schreibt Klaus Max Smolka für die F.A.Z.
Hoffen auf Synergieeffekte
Palladio Partners investiert größtenteils in Infrastrukturprojekte, insbesondere in den Ausbau lokaler Glasfasernetze. Mit dem Rechenzentrum, welches 2024 bereits fertig gestellt werden soll, will das Konsortium abseits der großen Datenknotenpunkte eine Anlaufstelle für regionale Unternehmen anbieten. Dezentrale Rechenzentren bieten für Unternehmen in der Regionen einige Vorteile, so ermöglichen sie geringere Latenzen und eine größere Datensicherheit. Man setze auf regionale Synergieeffekte, so Andreas Sauerwein, Geschäftsführer der Stadt- und Bodenentwickungsgesellschaft Heiligenhaus. „Angesichts der Herausforderungen der digitalen Transformation für den Mittelstand kommt dem Rechenzentrum als Standortfaktor eine zentrale Bedeutung zu“.
Denn die Digitalisierung der Welt und auch der Wirtschaft schreitet unaufhaltsam an. Bis 2025 wird sich das Datenvolumen verdreifachen. Das Marktforschungsinstitut IMARC sagt bis 2027 einen Anstieg der Investitionen in digitale Infrastruktur von derzeit 50 Milliarden auf 111 Milliarden Dollar pro Jahr voraus. Wenn gleich die Zeiten vom „Neuland Internet“ auch in Deutschland vorbei sind, fällt die Digitalisierung der Bundesrepublik im Internationalen Vergleich immer noch stark ab.
Rechenzentrum ist nachhaltiges Leuchtturmprojekt
„Der Bedarf für nachhaltig arbeitende EDGE-Rechenzentren ist vor allem in Deutschland sehr groß. Sie sind die Basisinfrastruktur für viele neue Technologien und Anwendungen“, sagt Dr. Heribert Bodarwé, HOCHTIEF-Geschäftsführer der Projektgesellschaft.
Gleichzeitig soll das Yexio-Rechenzentrum in Heiligenhaus mit einem breiten Nachhaltigkeitskonzept zum „Leuchtturmprojekt“ werden. Die Beteiligten sprechen von höchsten Energiestandards, einem innovativen Kühlungssystem, der Verwendung lokaler nachhaltiger Energiequellen und der Nutzung der Abwärme. Außerdem soll die Außenanlage und auch die Fassaden begrünt werden, sodass Regenwasser versickern kann.
Arrian Correns war Redakteur bei dpn. Er schrieb vor allem zu den Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

