Fehlende oder schlecht aufbereitete Daten machen taxonomiekonformes Investieren kaum möglich, das Reputationsrisiko für Anbieter von Finanzprodukten ist hoch.

Von europäischen Asset Managern und Asset Owner wird die EU-Taxonomie für nachhaltige Aktivitäten bislang nur wenig angewendet, um die Nachhaltigkeit ihrer Finanzprodukte zu steuern und nachzuweisen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor, für die Adelphi, ein unabhängiger Think-and-Do-Tank für Klima, Umwelt und Entwicklung, im Auftrag des Bundesumweltministeriums 21 europäische Asset Manager, Asset Owner und Verbände befragt sowie über 200 Prospekte von Fonds analysiert hat, die nach Artikel 8 und 9 aufgelegt sind.

Schlechte Vergleichbarkeit der Daten

Die durchaus erschreckende Erkenntnis: Bislang sei es kaum möglich, taxonomiekonform zu investieren. Aufgrund fehlender Daten und Erfahrungen sowie den vielen Baustellen bei der Finalisierung der Taxonomie wünschen sich Asset Manager und Asset Owner, dass Kunden und Gesetzgeber ihre Erwartungen noch niedrig halten. Und wenn die benötigten Taxonomiekennzahlen verfügbar sind, dann fehle es häufig an Erläuterungen, was die Interpretation und Vergleichbarkeit der Daten erschwere. So gab einer der Befragten an: „Wir haben unsere Ergebnisse mit denen der Wettbewerber verglichen und waren schockiert, wie schwierig es ist, sie tatsächlich zu vergleichen.”

Asset Manager und Asset Owner stecken in einem Dilemma. Zum einen sind sie auf die vorhandenen Daten angewiesen. Sind diese aber unvollständig oder nicht zuverlässig, gehen sie ein hohes Reputationsrisiko ein. Denn nichts sei gefährlicher, als zu viel zu versprechen und am Ende nicht die Anforderungen zu erfüllen.

Hoffnung auf Besserung

Immerhin ist die Zuversicht groß, dass sich die Datenqualität künftig verbessere. Dafür sollten neue Berichtsstandards für Firmen sorgen. Zudem dürften Datenanbieter und Unternehmen mit der Zeit voneinander lernen und sich an den Ergebnissen orientieren, die am Markt am stärksten nachgefragt werden.

Für eine breitere Anwendung der EU-Taxonomie sei aber mehr Unterstützung in Form von Trainings, Leitfäden oder Vorlagen nötig. Insbesondere kleinere Asset Manager beklagen sich über die Komplexität der Bewertungen und Berichte. Das dürfte auch der Grund sein, weshalb viele Asset Manager und Asset Owner die Taxonomie derzeit eher als Reporting-Tool begreifen, sich über die weitere Verwendung aber noch unschlüssig sind.

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