Heißer Herbst am Aktienmarkt

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Beim Wetter hat sich der November von der Seite gezeigt, die man von ihm erwartet: trüb, grau, nass, trist. Am Ende gab es sogar einen Wintereinbruch in Deutschland. Eitel Sonnenschein herrschte dagegen am novemberlichen Aktienmarkt: Der DAX schob sich um 9,5 Prozent nach oben, der Euro Stoxx 50 um knapp 8 Prozent, der S&P 500 um 9,1 Prozent und der Nasdaq 100 schoss mit fast 11 Prozent den Vogel ab. Nach mehreren Monaten der Kurskorrekturen gab die Aussicht auf baldige Zinssenkungen den Börsianern neue Hoffnung.

Geht die Rally weiter?

Bleibt die Frage: War das schon die Jahresend-Rally oder kommt die erst noch? Und wie geht es nach dem Jahrsende wohl weiter? Gerade institutionelle Investoren, die ihre Asset Allocation jetzt auf den Prüfstand stellen, wollen nicht nur ein paar Wochen investieren, sondern – wenn überhaupt – langfristig einsteigen. Neben der Erwartung auf Zinssenkungen im kommenden Jahr haben auch die Aussicht auf niedrigere Anleiherenditen, ein über dem Konsens liegendes Wirtschaftswachstum in den USA sowie ein Ende der dortigen Gewinnrezession die jüngste Rally befeuert. Der Rückgang der Ölpreise und des Volatilitätsindex VIX auf den niedrigsten Wert seit Januar 2020 haben das Umfeld für Aktien zusätzlich attraktiv gemacht.

Die Gier nimmt zu

Sollte die Fed mit der Zinspause tatsächlich den Zinserhöhungszyklus beendet haben, wäre das ebenfalls gut für die US-Aktienmärkte, weiß Boyan Giriginov, Analyst beim ETP-Anbieter Leverage Shares, denn in dieser Phase hätten sie historisch eine starke Performance gezeigt: „Der S&P 500 und der Nasdaq rentierten zwölf Monate nach der letzten Zinserhöhung im Durchschnitt um 14,5 Prozent bzw. 13,4 Prozent.“ Das würde für weiteres Aufwärtspotenzial sprechen. Doch Giriginov warnt zugleich: „Aktuell gehen eine erhöhte Gier und ein hohes Marktengagement den Wendepunkten an den Märkten voraus.“ Der NAAIM-Exposure-Index, der Stimmung und Positionierung aktiver Investmentmanager am US-Aktienmarkt misst, weise erneut einen hohen Wert auf „Zudem hat sich der ‚Angst- und Gier-Index‘ des Fernsehsenders CNN innerhalb eines Monats mehr als verdreifacht und von ‚Angst‘ zu ‚Gier‘ übergegangen.“

Diese Entwicklung spreche eher dafür, dass die jüngste Rally eine Korrektur erfahren könnte. Ein Pullback-Szenario ist aus Sicht des Analysten aber sogar gesund und bedeute nicht, „dass der Markt nicht die Beine hat, um höher zu steigen.“ Für den S&P 500 sei eine leichte Korrektur und möglicherweise eine Weihnachtsrally eine plausible Fortsetzung.

Tech-Aktien als selbsterfüllende Prophezeiung

Und nach Weihnachten? Dazu macht Giriginov keine Angaben. Aber bei der Durchsicht der zahlreichen Marktausblicke, die in diesen Tagen die E-Mail-Postfächer füllen, fällt schnell auf, dass die Asset-Manager sehr bullish für die Aktienmärkte 2024 sind. Das gilt auch für die Deutsche Bank, die zu Wochenbeginn zu ihrem Marktausblick eingeladen hatte. Chefanlagestratege Ulrich Stephan hält Renditen im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich für realistisch. Weiter will er sich nicht aus dem Fenster lehnen. Auch mit dem DAX-Kursziel von 16.600 Punkten liegt er am unteren Rand der Prognosen. „Wir halten die Gewinnschätzungen für zu hoch“, begründet er seine Vorsicht. „Analysten erwarten etwa 7 Prozent für 2024 du 11 Prozent für 2025. Das sehen wir nicht.“

Für chancenreich erachtet er vor allem europäische Value-Titel, besonders Financials, deren Bewertungen niedriger seien als in den USA. Wer mehr Risiko im Portfolio tragen könne, sollte auf Banken setzen, risikoaversere Investoren investieren in Versicherungen, rät der CIO. Sollte der Welthandel wieder Fahrt aufnehmen, dann könnten auch deutsche Industrietitel performen. Zudem zeigte sich Stephan zuversichtlich für den japanischen Aktienmarkt und nicht zuletzt für die Tech-Werte aus den USA. Aus Tech-Aktien sollten Investoren trotz der jüngsten Rally nicht aussteigen: „Sie sind nicht verschuldet, wachsen und nahezu jeder ist investiert“, begründet er. „Dass sie steigen, ist eine selbsterfüllende Prophezeiung.“

Patrick Daum ist Chef vom Dienst bei dpn-online. Er berichtet über alle Themen rund um das institutionelle Asset Management.

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