Europäischer ETF-Markt steuert auf Rekordjahr zu

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Europäische UCITS-ETFs verzeichneten im dritten Quartal 2026 Nettozuflüsse in Höhe von 127,4 Milliarden Euro und somit eine Steigerung von 12 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal. Das gesamte verwaltete Vermögen betrug laut dem Amundi ETF Flow Report 3,2 Billionen Euro. Haupttreiber der Entwicklung waren Aktien-ETFs, die fast 100 Milliarden Euro erhielten. Besonders gefragt waren dabei weltweite Anlagekategorien, wie All-Country-Indizes mit 29 Milliarden Euro und globale Industrieländer-Indizes mit 25,5 Milliarden Euro.

Hierbei zeichnen sich jedoch regionale Verschiebungen ab: Europa-ETFs, die im zweiten Quartal noch Abflüsse hinnehmen mussten, erhielten im dritten Quartal Zuflüsse in Höhe von 9,9 Milliarden Euro. Bei Schwellenländer-ETFs waren es 6,8 Milliarden und bei Japan-ETFs 2,3 Milliarden Euro. US-Aktien blieben mit 25,5 Milliarden Euro weiterhin stark gefragt. Auf Branchenniveau war der IT-Sektor bei den Mittelzuflüssen (4,4 Mrd. Euro) erneut führend, gestützt durch die positive Gewinnentwicklung und den KI-Boom.

Abseits der Aktien: Anleihen, Gold und ESG

Auch Anleihe-ETFs stießen mit 26,4 Milliarden Euro auf großes Interesse, doch angesichts schwankender Zinsen agierten die Anleger vorsichtig. Gefragt waren hier vor allem Staatsanleihen, Bonds mit kurzen Laufzeiten insbesondere in den USA und Geldmarkt-ETFs. Riskantere Hochzinsanleihen verloren dagegen an Interesse.

Zugleich zeichnet sich bei Gold 2026 mit den Zuflüssen des dritten Quartals ein Rekordjahr ab. Mit insgesamt 10,4 Milliarden Euro seit Jahresbeginn lagen die Mittelzuflüsse in Gold-ETPs und -ETCs bereits deutlich über dem bisherigen Jahresrekord von 7,6 Milliarden Euro im Jahr 2022. Auslöser waren der Ausverkauf am Anleihemarkt, steigende US-Renditen, Sorgen um Zinsen und Staatsschulden sowie die allgemeine Unsicherheit.

Bei ESG zeigt sich ein gespaltenes Bild: Die ESG-Zuflüsse bei Aktien-ETFs stiegen um 19 Prozent auf 16,5 Milliarden Euro. Bei Anleihe-ETFs sank der ESG-Anteil an den Zuflüssen dagegen von rund 30 Prozent auf etwa ein Viertel (5,5 Milliarden Euro nach 7,4 Milliarden Euro im Vorquartal).

BVI: Deutsche Anleger setzen fast ausschließlich auf passive ETFs

Ende Juni 2026 hielten deutsche Anleger laut deutschem Fondsverband BVI ETFs im Wert von 697 Milliarden Euro, fast 200 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Dabei steckt jeder dritte von deutschen Anlegern in Publikumsfonds investierte Euro in ETFs. Gründe dafür sind steigende Kurse und hohe Neuinvestitionen, vor allem von Privatanlegern.

Dabei ist fast alles passiv investiert: 97,6 Prozent des Vermögens folgt einfach einem Index. Aktive ETFs sind mit 16,6 Milliarden Euro (2,4 Prozent) noch klein, wachsen aber schnell: So sind 4 von 10 neuen ETFs inzwischen aktiv.

Index-Dominanz bestimmt Depots und Marktentwicklung

Der Indexmarkt wird von nur wenigen Anbietern dominiert: Bei Aktien hat MSCI mehr als die Hälfte des Marktes und bei den Anleihen steht Bloomberg mit rund 56 Prozent an der Spitze. Die Marktstellung der MSCI-Indizes ist vor allem auf die Verbreitung der MSCI-World-Familie zurückzuführen. Auf diese Fonds entfallen 178 Milliarden Euro des gesamten von deutschen Anlegern gehaltenen Aktien-ETF-Vermögens. Das entspricht 30 Prozent des Gesamtvermögens. Danach folgen der S&P 500 (13 Prozent) und der MSCI Emerging Markets (8 Prozent). Aus der Indexlogik folgt auch, dass US- und Tech-Unternehmen in deutschen Depots hoch gewichtet werden, da große, hoch bewertete Firmen in marktgewichteten Indizes automatisch das größte Gewicht bekommen. Bei Aktien streuen Anleger global. Bei Anleihen setzen sie zu rund 70 Prozent auf Euro-Produkte. Fremdwährungen sichern sie oft ab.

Zusätzliche Dynamik erwartet der BVI vom geplanten Altersvorsorgedepot, da neue Anbieter in den ETF-Markt eintreten. Bei durchschnittlich nur ca. 0,2 Prozent Gebühren pro Jahr und vielen Neuauflagen halten sie eine Marktbereinigung für denkbar. Jedoch fordert der BVI einen Index, der Unternehmen aus der gesamten EU abbildet, um europäische Firmen sichtbarer zu machen.

Volontärin F.A.Z. Business Media

Tonia Schöler ist Volontärin bei F.A.Z. Business Media und hat neben dpn – Deutsche Pensions- & Investmentnachrichten bereits für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, wie die Personalwirtschaft und F.A.Z. Konferenzen. Zuvor hat sie Ihr Masterstudium in Medienwissenschaften und Unternehmensführung an der Universität Siegen absolviert.

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