Finanzielle Absicherung ist Deutschlands Schwachstelle im Ruhestand 

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Der Vermögensverwalter Natixis Investment Managers hat mit Unterstützung von CoreData Research den Global Retirement Index 2026 erstellt. Deutschland bleibt darin das bestplatzierte Industrieland und verbessert sich im Gesamtranking um einen Platz auf Rang sieben.

Für das Ranking wurden insgesamt 44 Länder untersucht, die die fortgeschrittenen Volkswirtschaften nach Definition des Internationalen Währungsfonds (IWF), die Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OSZE) sowie die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China umfassen.

Der Global Retirement Index berücksichtigt 18 Leistungsindikatoren, die zu einem finanziell und gesellschaftlich abgesicherten Ruhestand beitragen. Neben finanziellen Kennzahlen berücksichtigt er unter anderem den Zugang zu Gesundheitsversorgung und deren Kosten, das Klima, die Qualität staatlicher Institutionen sowie den allgemeinen Wohlstand der Bevölkerung. Die Platzierungen sind relativ und beruhen auf den 18 Indikatoren, die in vier Teilindizes aufgeteilt werden: Finanzen im Ruhestand, materieller Wohlstand, Gesundheit und Lebensqualität.

Auch wenn Deutschland insgesamt mit Rang sieben sehr gut abschneidet, weist das positive Gesamtbild eine klare Schwachstelle auf: Im Teilindex „Finanzen im Ruhestand“ erreicht Deutschland lediglich Rang 23. Das Ergebnis wird insbesondere durch die alternde Bevölkerung und die Steuerbelastung gedrückt. Diese Schwäche wird durch die guten Platzierungen beim materiellen Wohlstand (Rang acht) und der Lebensqualität (Rang sieben) ausgeglichen.

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Die Top-10-Länder im Überblick:  

  1. Norwegen – 83% (stabil) 
  2. Irland – 81% (stabil) 
  3. Niederlande – 79% (um drei Plätze verbessert)
  4. Schweiz – 79% (um einen Platz verschlechtert)
  5. Dänemark – 78% (stabil) 
  6. Australien – 77% (um einen Platz verbessert)
  7. Deutschland – 75% (um einen Platz verbessert)
  8. Luxemburg – 75% (um einen Platz verbessert)
  9. Island – 75% (um fünf Plätze verschlechtert)
  10. Tschechien – 75% (neu, 2025: 11. Platz) 

Alterssicherungssysteme passen nicht mehr zu modernen Erwerbsbiografien

Heutzutage ist es nicht unüblich, dass Arbeitnehmer häufiger den Arbeitgeber wechseln oder in Teilzeit arbeiten. Es gibt auch mehr Selbstständige und die Menschen leben im Allgemeinen länger. Doch laut Natixis beruhen viele Alterssicherungssysteme weiterhin auf der Annahme einer langjährigen Vollzeitbeschäftigung bei einem einzigen Arbeitgeber. Auch tragen viele Arbeitnehmer einen wachsenden Teil der Verantwortung für ihre Altersvorsorge selbst. Hierzu hat Natixis ebenfalls eine Befragung unter Privatanlegern in 21 Ländern durchgeführt, die dies bestätigt. Insgesamt 78 Prozent stimmten dem zu. Zehn Jahre zuvor sind es noch 67 Prozent gewesen.

Weltweit konzentrieren sich Reformen deshalb vor allem auf drei Bereiche: Zugang, Automatisierung und Vermögensaufbau.

So sollen beispielsweise mehr Menschen die Möglichkeit erhalten, ergänzend für das Alter vorzusorgen, indem Vorsorgesysteme auch für Teilzeitbeschäftigte, Selbstständige und Menschen mit häufigen Arbeitgeberwechseln geöffnet, oder Modelle, wie die in Deutschland geplante Frühstartrente eingeführt werden.

Menschen sollen auch deutlich häufiger für das Alter ansparen, wenn sie nicht selbst aktiv werden müssen. Natixis führt hier das Beispiel von Großbritannien an, wo die automatische Einbeziehung in betriebliche Vorsorgepläne eingeführt wurde. Dort muss aktiv widersprochen werden, wenn man nicht daran teilnehmen möchte. Seit der Einführung des Modells soll die Teilnahmequote von 55 auf 90 Prozent gestiegen sein.

Für den Vermögensaufbau müssen Vorsorgegelder laut des Asset Managers langfristig investiert werden. Dabei lohne sich eine stärkere Ausrichtung auf langfristige Kapitalmarktanlagen, wie es Frankreich mit seinem Plan d’Épargne Retraite tut.

Diese Reformen sollen unmittelbar bei den größten Sorgen der Anleger ansetzen: Laut des Global Retirement Index fürchten 40 Prozent, im Ruhestand nicht genug Geld für den gewünschten Lebensstandard zu haben. Die Inflation bereitet 38 Prozent Sorgen und insgesamt glauben 43 Prozent der weltweit befragten Privatanleger, für einen finanziell abgesicherten Ruhestand „sei geradezu ein Wunder nötig“.

Volontärin F.A.Z. Business Media

Tonia Schöler ist Volontärin bei F.A.Z. Business Media und hat neben dpn – Deutsche Pensions- & Investmentnachrichten bereits für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, wie die Personalwirtschaft und F.A.Z. Konferenzen. Zuvor hat sie Ihr Masterstudium in Medienwissenschaften und Unternehmensführung an der Universität Siegen absolviert.

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