Lower Mid-Market: Der Einsatz lohnt sich

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David Schäfer beginnt seine Präsentation beim dpn Alternatives Campus in Düsseldorf mit einer Anekdote seiner zwölfjährigen Tochter. Sie habe ChatGPT darum gebeten, ihr Private Equity zu erklären. Die Antwort lautete: „Private Equity bedeutet: Uns gehören Firmen, die wir nicht selbst managen. Wir kaufen sie mit Geld, das uns nicht gehört und verkaufen sie später an Leute, die wir jetzt noch nicht kennen.“ Schäfer, Managing Director bei Munich Private Equity Partners (MPEP), lässt den Satz kurz wirken – und nutzt die KI-Antwort dann als Kontrastpunkt für seinen Einstieg ins Thema – denn mit der Realität im Lower Mid-Market habe dieses Bild wenig zu tun.

Gemeinsam mit Bellal Haidari, Director Investor Relations, gibt Schäfer einen Einblick in das Segment sowie in die Strategie der Private-Equity-Boutique. MPEP betreut ein Vermögen von 2,9 Milliarden Euro und hat sich seit 2011 konsequent auf den Lower Mid-Market spezialisiert. Der Ansatz ist bewusst als Pure-Play-Strategie angelegt: Ein Produkt in einer Anlageklasse, ausschließlicher Fokus auf Primary-Buy-out-Fonds in Europa und Nordamerika, keine Secondaries, keine Co-Investments. „Alle Ressourcen sind auf ein Produkt fokussiert“, erklärt Haidari.

Kleinere Unternehmen mit entscheidenden Vorteilen

Im Vortrag erläutert Schäfer zunächst, wie sich die Beimischung von Private Equity generell auf das Rendite-Risiko-Profil in den Portfolios institutioneller Investoren auswirkt. Anschließend richtet er den Blick auf die strukturellen Vorteile des Lower Mid-Market. An erster Stelle steht für ihn das operativer Wachstumspotenzial kleiner und mittlerer Unternehmen: Diese verfügen in der Regel bereits über etablierte und profitable Geschäftsmodelle, können ihre Marktposition aber noch deutlich ausbauen – etwa durch Professionalisierung, Internationalisierung und gezielte Zukäufe.

Hinzu kommt ein günstiges Verhältnis von Kapitalanlagebot und Investitionsmöglichkeiten. So ist die Anzahl an Zielunternehmen im Lower Mid-Market um ein Vielfaches größer als bei Large Caps. Gleichzeitig konzentriert sich ein erheblicher Teil des verfügbaren Investitionskapitals (Dry Powder) auf größere Fonds, denen ein vergleichsweise begrenztes Anlageuniversum gegenübersteht.

Überzeugende Bewertungen

Ein weiterer Vorteil liegt in den Einstiegsbewertungen, die oft weit unter denen von Large Caps liegen, sowie geringeren Leverage-Quoten und flexibleren Exit-Kanälen. Bei Letzteren gilt: Je größer die Firma, desto kleiner wird typischerweise der Kreis potentieller Käufer. Bei den ganz großen Transaktionen bleibt oft nur der Börsengang.

Das Wertschöpfungsmuster im Lower Mid-Market veranschaulicht Schäfer anhand der historischen Exits jener Fondsmanager, in die MPEP über das fünfte Dachfondsprogramm investiert ist. Vor dem Commitment durch MPEP hatten diese Manager bereits 198 Exits realisiert. Diese Unternehmen wurden im Schnitt bei 6,5 Millionen US-Dollar EBITDA gekauft. Beim Exit vier bis fünf Jahre später lag das EBITDA dann bereits bei durchschnittlich 15,6 Millionen. Beim Verkauf betrug das Multiple im Durchschnitt 11,9x EBITDA – deutlich mehr als die 8,1x zum Zeitpunkt des Einstiegs.

Enormes Potential

Für Schäfer geht es dabei allerdings weniger um die Zahlen an sich als um die Frage, wie diese Entwicklung zustande gekommen ist. „Die Art der Wertsteigerung während der Haltedauer ist eigentliche A und O“, sagt Schäfer. Gerade bei mittelständischen, oft eigentümergeführten Firmen lasse sich durch operative und strategische Maßnahmen noch erhebliches Potential heben. Viele dieser Unternehmen seien über Jahre erfolgreich gewachsen, ohne dass Prozesse und Management-Strukturen im gleichen Maße mitgewachsen seien. Entsprechend stark hänge das Geschäft häufig an einzelnen Personen: „Hier ist der CEO oft noch alles in einem – von Head of HR bis Kundenverantwortlicher.“

Für Private-Equity-Teams eröffnen solche Konstellationen gezielte Ansatzpunkte, um Strukturen zu schaffen, Prozesse zu professionalisieren und das Unternehmen damit auf die nächste Wachstumsphase vorzubereiten. „Für die allermeisten dieser Mittelständler sind unsere Fondsmanager dann auch tatsächlich die ersten institutionellen Investoren, die sie als Sparringspartner mit an Bord holen.“

Zugang als größte Hürde

Ein zentrales Thema für Investoren ist im aktuellen Marktumfeld die Frage nach Liquidität. „Die vergangenen zwei, drei Jahre wurde ich quasi von allen Investoren auf die DPI-Entwicklung angesichts des Exit-Staus angesprochen“, sagt Schäfer. Hier zeigt sich die Stabilität des Segments besonders stark, wie eine von Haidari zitierte PGIM-Studie belegt. Top-Quartil-Fonds im Lower Mid-Market schütteten demnach über den Zeitraum 2003 bis 2021 durchschnittlich das 1,9-Fache des eingezahlten Kapitals aus, Large Caps nur das 1,5x-Fache. Bei Median-Fonds wird dieser Abstand deutlicher – hier stehen 1,3x versus 0,8x. Selbst die jüngsten Vintages der Top-Quartil-Fonds aus den Jahren 2018 bis 2021 haben im Lower Mid-Market bereits 0,5x zurückgezahlt. Diese Jahrgänge investierten direkt in den Krisenjahren zwischen Corona, Ukraine-Krieg und der Zinswende. Large Caps aus derselben Periode schafften nur 0,2x.

Die eigentliche Hürde für Investoren liegt jedoch im Zugang zu den Top-Fonds des Lower Mid-Market. Hier setzt MPEP an: Bei den Fondsmanagern, die schließlich Teil des fünften Dachfondsprogramms wurden, vergingen zwischen erstem Kontakt und Commitment im Durchschnitt fünf bis sechs Jahre.

Stetiger Austausch ist wichtig

Schäfer illustriert diesen Prozess am Beispiel eines US-amerikanischen Lower-Mid-Market-Managers. Der erste Kontakt entstand bereits im Juli 2016. In den folgenden Jahren beobachtete MPEP die Entwicklung des Managers weiter und stand regelmäßig mit Telefonaten und persönlichen Meetings im Austausch. 2021 kam der Manager mit seinem dritten Fonds den Markt. MPEP prüfte diesen im Rahmen der Due Diligence, entschied sich am Ende jedoch gegen ein Investment. „Zum damaligen Zeitpunkt hatte Covid-19 das Portfolio belastet.

Gleichzeitig blieb die Exit-Aktivität damals noch hinter unseren Erwartungen zurück“, erklärt Schäfer. Der Manager ist auf verbrauchernahe Sektoren spezialisiert, insbesondere im Bereich Food Manufacturing, entsprechen hoch sei damals die Unsicherheit über die Entwicklung gewesen.

Die Beziehung wurde dennoch aufrechterhalten, weitere Videokonferenzen und persönliche Treffen folgten. Von August bis Dezember 2025 unterzog MPEP schließlich den vierten Fonds des Managers einer finalen Detailprüfung – diesmal mit positivem Ergebnis. Das Fundraising verlief rasant. Gerade einmal vier Monate vergingen bis zum First & Final Closing im Januar 2026 am Hard Cap von 450 Millionen Dollar. Von dieser Summe waren nur 100 Millionen für neue Investoren reserviert, der Rest ging an Bestandsinvestoren. Die Nachfrage lag indes bei über 1 Milliarde Dollar – typisch für stark performende Manager.

Auch für MPEP war der Zugang kein Selbstläufer. Trotz der über Jahre aufgebauten Beziehung fiel die zunächst vorgesehene Allokation niedriger aus als erwartet. In weiteren Gesprächen gelang es der Investment-Boutique jedoch, das Commitment auf 23 Millionen Dollar zu erhöhen. „Wir hätten davon gerne 25 Millionen gehabt, aber damit können wir leben“, sagt Schäfer

Erfahrungsberichte aus dem LP-Panel

Stefan Hentschel von Evonik kennt die Problematik des Exit-Staus aus eigener Erfahrung. Die niedrigeren Rückflüsse der letzten Jahre hätten bei Evonik die Cashflow-Planung erschwert. Man habe umplanen müssen, auch weil der Denominator-Effekt zwischendurch zu einer bilanziellen Überallokation führte. Im Lower Mid-Market seien die Rückflüsse unterdessen ganz gut gewesen, was zeige, dass dort noch das klassische PE-Handwerk funktioniere.

Seine Frage geht dann zur Selektionstiefe. Wenn MPEP Manager über mehrere Vintage-Generationen beobachten und die Performance schwanke, müsse man doch tief ins Portfolio schauen. Wann sei ein Manager raus?

Schäfer verweist auf den Umfang der Analyse: „Unsere Investment Memoranden sind gut und gerne 100 Seiten lang.“ Das Investment Team gehe dabei runter bis die Ebene der einzelnen Portfoliounternehmen. Entscheidend sei dabei, ob MPEP die Treiber hinter der historischen Performance nachvollziehen könne – und ob diese auch für den Folgefonds replizierbar erscheinen. Dazu gehöre etwa die Frage, wer die erfolgreichen Deals konkret verantwortet habe. Er habe schon viele Fälle gesehen, in denen die Zahlen sehr gut aussahen, die erfolgreichen Deals aber im Wesentlichen auf Partner zurückgingen, die inzwischen auf die 60 zugingen und operativ kürzertreten könnten. „Am Ende treffen wir Entscheidungen, die für die nächsten zehn Jahre Bestand haben müssen“, sagt Schäfer. Deswegen müsse man verstehen, wie das Playbook funktioniert. Sind noch dieselben Menschen an Bord, die die Strategie im Tagesgeschäft vorantreiben? Und sind sie auch motiviert?“

Pragmatische Liquiditätsplanung

Rebecca Rösing von der Pensionskasse für die deutsche Wirtschaft bestätigt die Attraktivität des Lower Mid-Market aus eigener Erfahrung. Ihre Pensionskasse ist über einen GP in dem Segment investiert. Das Segment weise zwar etwas höhere Volatilität auf als Large Caps, aber dafür auch viel mehr operative Hebel. „Da hat man mit den klassischen PE-Werkzeugen schon die Quick Wins.“ Bei Large Caps sei oft schon ein GP drin gewesen, die Unternehmen seien professionalisierter. Im Lower Mid-Market könne man mehr bewegen.

Auf die Frage nach der Liquiditätsplanung bei Private Equity wird Rösing pragmatisch. Ein ehemaliger Kollege habe das als „Pudding an die Wand nageln“ bezeichnet. Das Problem verschärfe sich, weil seit der Zinswende vielerorts Fonds verlängert würden. „Wenn man am Ende der Laufzeit ist, sind da halt nicht mehr die besten Firmen drin, sondern eher die, die schon auf der Watchlist stehen.“ Die guten Portfolio-Firmen seien längst verkauft. Schwierig werde es auch bei Abschreibungen, denn die Pensionskasse bilanziere nach HGB. „Wir hätten immer lieber weniger Gewinn und weniger Ausschüttung, dafür dann aber keine Abschreibungen.“ Die Pensionskasse habe sich daher mit zwei Partnern auf Mandatsebene zusammengeschlossen, um die Komplexität teilweise outzusourcen.

Christian Becker von Investor Partners interessiert sich dafür, warum MPEP bei so guter Performance erst bei 2,9 Milliarden Euro betreutem Vermögen steht. Schäfer erklärt, man habe erst 2019 mit aktivem Fundraising begonnen und sei dafür mit der Entwicklung sehr zufrieden. Das letzte Dachfondsprogramm MPEP V schloss bei 441 Millionen Euro anstelle der anvisierten 300 Millionen – „und das in einem sehr schwierigen Marktumfeld“.

Hinzu komme, das MPEP einer Boutique-Strategie folge, die nicht beliebig skalierbar sei. Die Ticketgröße liege bei etwa 20 Millionen Euro beziehungsweise 25 Millionen Dollar pro Fonds. Größeres Wachstum würde daher bedeuten, entweder größere Tickets zu schreiben – in dem Wissen, dass viele Top-Manager nur begrenzte Allokationen zulassen – oder mehr Fonds zu zeichnen. Beides würde jedoch bedeuten, Abstriche bei der Managerqualität zu machen. Genau das will Schäfer vermeiden: „Wir wollen bewusst eine Boutique bleiben und auf Qualität setzen.“

Zur Wertschöpfungslogik wird Haidari abschließend noch einmal grundsätzlich. Leverage sei auch im Lower Mid-Market sicherlich ein Renditetreiber, allerdings nicht der entscheidende Faktor. „Viele mittelständische Unternehmen sind gründer- oder familiengeführt. Diese Eigentümer wollen nicht unbedingt zum besten Preis verkaufen, sondern suchen in erster Linie strategische und langfristige Partner für den nächsten Wachstumsschritt.“ Die operative Wertschöpfungskompetenz des Investors stehe daher an erster Stelle. Schäfer stimmt zu: „Auf Leverage allein können wir uns nicht verlassen. Die operative Performance muss im Mittelpunkt stehen.“

Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

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