Paukenschlag: Nuveen kauft Schroders

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Schroders-Aktionäre hatten es in den vergangenen Jahren nicht leicht: Seit dem Höchststand im Spätsommer 2021 hat sich der Aktienkurs bis zum Frühjahr des vergangenen Jahres mehr als halbiert. Nachdem es zuletzt wieder leicht bergauf ging, dürften sich Anteilseigner heute Morgen beim Blick ins Depot verwundert die Augen gerieben haben: Ein Plus von fast 30 Prozent stand in den Büchern.

Grund für den Kurssprung ist ein Paukenschlag in der Finanzbranche: Nuveen, der Asset Manager des US-Versicherers und Lehrerpensionsfonds TIAA (Teachers Insurance and Annuity Association), will Schroders kaufen und dafür insgesamt 9,9 Milliarden Britische Pfund bezahlen. Das Angebot an die Aktionäre kann sich sehen lassen, sie erhalten bis zu 612 Pence (GBp) je Aktie. Darin enthalten sind eine Barvergütung in Höhe von 590 GBp, was dem aktuellen Wert der Aktie nach dem Kurssprung entspricht, sowie eine Dividende von 22 GBp. Diese Barvergütung stellt eine Prämie von 29 Prozent auf den Schlusskurs vom 11. Februar dar.

Schroders soll sich bereits für die Annahme des Angebots ausgesprochen haben. Die Principal Shareholder Group Trustee Companies von Schroders – vier private Treuhandgesellschaften, die als Treuhänder verschiedener von Mitgliedern der Familie Schroder eingerichteter Trusts fungieren – haben sich unwiderruflich verpflichtet, auf der bevorstehenden Hauptversammlung für die Transaktion zu stimmen. Sie halten insgesamt rund 41 Prozent der Schroders-Aktien. Damit sollte ein Scheitern der Übernahme eher unwahrscheinlich sein. Mit Blick auf den Zeitplan für die Einholung bestimmter erforderlicher Genehmigungen dürfte die Transaktion im vierten Quartal 2026 wirksam werden.

Es ist eine Übernahme, die durchaus Sinn ergeben kann. Denn die Geschäfte von Nuveen und Schroders sind hochkomplementär, sodass beide Parteien ihre Stärken kombinieren können. Es entsteht ein Asset Manager, der vor Kraft nur so strotzen wird und an die Top-10 der weltweit größten Vermögensverwalter anklopft – mit 2,5 Billionen US-Dollar Assets under Management, ausgewogen verteilt auf institutionelle und Wealth-Kunden.

Für Schroders geht mit der Übernahme jedoch eine Ära zu Ende: Denn mehr als zwei Jahrhunderte konnte sich Großbritanniens größter Vermögensverwalter mit seiner Unabhängigkeit rühmen. Die Marke Schroders soll aber beibehalten werden und London als Nicht-US-Hauptsitz und größtes Büro der kombinierten Gruppe mit 3.100 Angestellten dienen. Es wird erwartet, dass die Schroders-Gruppe für mindestens zwölf Monate nach Vollzug der Transaktion als eigenständiges Unternehmen innerhalb der erweiterten Nuveen-Gruppe fortgeführt wird.

„Bei dieser Transaktion geht es darum, neue Wachstumschancen für institutionelle und private Investoren weltweit zu erschließen, indem wir unserer führenden, differenzierten Public-to-Private-Plattform eine breitere globale Präsenz verleihen“, kommentiert Nuveen-CEO William Huffman. „Die Transaktion wird unsere Wachstumspläne zur Entwicklung einer führenden Public-to-Private-Plattform mit größerer geografischer Reichweite und gestärkter Bilanz deutlich beschleunigen“, sagt auch Schroders-Chef Richard Oldfield, der Schroders weiterhin als CEO führen wird.

Patrick Daum ist Chef vom Dienst bei dpn-online. Er berichtet über alle Themen rund um das institutionelle Asset Management.

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