Altersvorsorge: So (schlecht) steht Deutschland im internationalen Vergleich da

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Im aktuellen Global Pension Index von Mercer und dem CFA Institute belegt Deutschland Platz 22 von 52 untersuchten Ländern. Damit liegt die Bundesrepublik weiterhin klar hinter den europäischen Spitzenreitern Niederlande, Island und Dänemark. Trotz eines leicht verbesserten Punktewerts von 67,8 von 100 möglichen Punkten fällt Deutschland im Vergleich zum Vorjahr zudem um zwei Plätze zurück. Das Beratungshaus Mercer bewertet in seiner Analyse die Vorsorgesysteme von 52 Ländern, die zusammen rund zwei Drittel der Weltbevölkerung abdecken.

Die Untersuchung richtet sich nach drei zentralen Fragen: „Wie hoch sind die Leistungen?“, „Ist das System langfristig tragfähig?“, und „Wie vertrauenswürdig ist es?“. Bei der Angemessenheit – also der Höhe der Leistungen – liegt Deutschland weiterhin unter den besten zehn Ländern. Bei der Nachhaltigkeit und Vertrauenswürdigkeit schneidet das System jedoch deutlich schlechter ab: Mit einem D-Ranking attestieren die Studienmacher dem deutschen Modell „wesentliche Schwächen“ in der Finanzierbarkeit.

Deutsches Rentensystem: Aus drei mach zwei

In der Haushaltsplanung für 2026 entfällt fast jeder vierte Euro auf Rentenausgaben. Insgesamt summieren sich die staatlichen Zuschüsse auf knapp 128 Milliarden Euro. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft für die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung könnten im Jahr 2050 zwei Beitragszahler für einen Rentner aufkommen – 2019 waren es noch knapp drei.

„Deutschland steht vor der großen Aufgabe, sein Rentensystem widerstandsfähiger gegenüber dem demografischen Wandel zu machen“, sagt Michael Sauler, Leiter Wealth bei Mercer Deutschland. Das Beratungshaus bekräftigt daher seine Forderung, die Altersvorsorge strukturell zu stärken: „Eine höhere Mindestrente für Geringverdienende, mehr kapitalgedeckte Vorsorgebeiträge und eine breitere Einbindung der Beschäftigten in betriebliche Altersvorsorgeprogramme sind zentrale Hebel, um die Rentenversorgung in Deutschland zukunftssicher zu gestalten.“

Vorbild Niederlande

Wie ein stabiles Altersvorsorgesystem aussehen kann, zeigt der Blick nach Westen: In den Niederlanden sorgt eine Kombination aus einem soliden staatlichen System und einer nahezu verpflichtenden, tarifgebundenen betrieblichen Altersvorsorge (bAV) für Stabilität. Mercer bewertet das niederländische Modell mit 85,4 von 100 Punkten – der Spitzenwert im internationalen Vergleich. Aktuell befindet sich das niederländische System in einer Reformphase: Bis Ende 2027 müssen alle Pensionspläne auf ein Beitragszusage-System umgestellt werden.

Auch bei der Integrität, also Transparenz und regulatorischer Kontrolle, besteht für Deutschland Nachholbedarf. Länder wie Finnland und Kanada fördern durch klare Strukturen und stabile Regulierungen das Vertrauen in die private Vorsorge und stärken damit das gesamte System. Deutschland rangiert hier lediglich auf Platz 37 und bleibt damit im hinteren Mittelfeld.

Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

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