Die Betriebsrente hat in Deutschland einen hohen Stellenwert bei den Arbeitnehmern. Angesichts des demografischen Wandels und der zunehmenden Bedeutung von Fachkräften zeigt die Aon bAV-Studie 2025 klare Präferenzen und Erwartungen, die Unternehmen bei der Gestaltung ihrer Versorgungsangebote berücksichtigen müssen. Die Studie, die über 1.100 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte im Alter von 18 bis 63 Jahren befragte, fördert einige überraschende Ergebnisse zutage.
Rendite oder Sicherheit?
Eine der zentralen Fragen in der Altersvorsorge ist der Balanceakt zwischen Sicherheit und Rendite. Während 68 Prozent der Befragten die Chancen des Kapitalmarkts in der bAV nutzen möchten, bevorzugen 55 Prozent trotzdem garantierte Leistungen, auch wenn diese möglicherweise niedrigere Altersbezüge zur Folge haben. Das Ergebnis zeigt, dass jüngere Arbeitnehmer und besserverdienende Beschäftigte eher bereit sind, das Risiko höherer Renditen einzugehen, während ältere und weniger gutverdienende Arbeitnehmer mehr Wert auf Sicherheit legen .
Gender Pension Gap unterschätzt
Ein weiteres auffälliges Ergebnis betrifft den sogenannten Gender Pension Gap. Die Studie zeigt, dass viele Arbeitnehmer die Altersvorsorgelücke zwischen Männern und Frauen erheblich unterschätzen. Rund 70 Prozent der Befragten erkennen nicht, dass Frauen im Durchschnitt deutlich weniger in ihre Altersvorsorge einzahlen, was vor allem auf Teilzeitbeschäftigung und Erwerbsunterbrechungen zurückzuführen ist. Rund die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Teilzeitbeschäftigten empfindet das System der bAV als benachteiligend.
Soziale Verantwortung in der bAV
Ein bemerkenswerter Aspekt der Studie ist die hohe Bereitschaft der Arbeitnehmer, auf eigene Versorgungsansprüche zu verzichten, um eine gerechtere Verteilung zu erreichen. Rund zwei Drittel der Befragten unterstützen die Idee, soziale Faktoren wie Teilzeit oder Pflegezeit in die Berechnung der Altersvorsorgeansprüche einzubeziehen, auch wenn dies zulasten der eigenen Rente geht. „Unsere Untersuchung zeigt ein überraschend hohes Bekenntnis zum sozialen Ausgleich. Die Befragten sind bereit, für sich selbst niedrigere Versorgungsansprüche in Kauf zu nehmen, um im Gegenzug für benachteiligte Gruppen den Pension Gap zu reduzieren“, erklärt Angelika Brandl, Partnerin bei Aon.
Zusätzliches Budget für bAV
Der hohe Stellenwert, den die bAV bei den Befragten hat, spiegelt sich in den Antworten auf die Frage wider, wofür die Teilnehmenden an der Studie ein zusätzliches finanzielles Budget nutzen würden, das ihnen von ihrem Arbeitgeber bereitgestellt wird. Auf dem Spitzenplatz der Antworten findet sich die bAV wieder und liegt damit noch vor der Auswahlmöglichkeit, sich das Budget auszahlen zu lassen.
Dass sich Arbeitnehmende zudem beim Thema Altersversorgung von den Unternehmen an die Hand nehmen lassen wollen, zeigen die Rückmeldungen zum Thema Auto-Enrollment. Zwei Drittel der Befragten zeigen sich offen, dass sie automatisch in eine Entgeltumwandlung – also die Herabsetzung ihres Entgelts zugunsten einer bAV – einbezogen werden, sofern die Möglichkeit gegeben ist, dieser automatischen Einbeziehung zu widersprechen.
„Die Studie bestätigt einmal mehr die hohe Wertschätzung, die die bAV bei Arbeitnehmenden genießt. Sie zeigt Präferenzen und Erwartungen auf und liefert damit Arbeitgebern zahlreiche wertvolle Anhaltspunkte für eine erfolgreiche Neueinführung oder Umgestaltung ihrer Versorgungssysteme“, fasst Stephanie Zelosko, Senior Consultant bei Aon, die Ergebnisse der jüngsten Erhebung zusammen.
Goran Culjak ist Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- & Investmentnachrichten. Davor arbeitete er bei PLATOW als Fachredakteur für Versicherung und Altersvorsorge und etablierte die Risikomanagementkonferenz. Der Diplom-Betriebswirt (FH) startete 2004 als Pressereferent bei Union Investment seine berufliche Laufbahn.

