Wachsende Pensionsverpflichtungen fordern aktives Pensionsmanagement

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Die demografische Entwicklung stellt Unternehmen vor wachsende Pensionsverpflichtungen. Mit dem Ausscheiden der Babyboomer zwischen 2025 und 2035 und der steigenden Zahl an Rentenempfängern müssen Unternehmen ihre betriebliche Altersvorsorge (bAV) strategisch managen. Eine Studie der LBBW zeigt, dass dies insbesondere durch die Niedrigzinsphase und die zu erwartenden steigenden Rentenzahlungen erschwert wird. Unternehmen sind daher gefordert, das Pensionsmanagement aktiv zu gestalten, um Risiken wie Liquiditätsengpässe und steigende Rückstellungen zu minimieren.

Steigende Pensionsverpflichtungen

Die Pensionsverpflichtungen in Deutschland wachsen seit Jahren kontinuierlich. Zwischen 1990 und 2022 stiegen die Deckungsmittel der betrieblichen Altersvorsorge um mehr als 262 Prozent und erreichen mittlerweile ein Volumen von 704,6 Milliarden Euro. Diese Verpflichtungen betreffen sowohl Großunternehmen als auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Letztere sehen sich häufig stärker mit den Auswirkungen von steigenden Rückstellungen konfrontiert, da sie weniger Möglichkeiten haben, diese über externe Anlagen wie Pensionsfonds abzusichern.

Während der Niedrigzinsphase mussten Unternehmen, die Direktzusagen in ihrer Pensionsplanung berücksichtigt haben, erhebliche Rückstellungen bilden. Diese Rückstellungen belasten die Finanzkraft vieler Unternehmen und beeinträchtigen deren Liquidität, da künftige Rentenzahlungen aus dem operativen Cashflow gedeckt werden müssen. Besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, wie der aktuellen Phase der konjunkturellen Schwäche, kann dies zu einem akuten Liquiditätsproblem führen.

Möglichkeiten der Pensionsvorsorge

In Deutschland gibt es verschiedene Modelle der betrieblichen Altersvorsorge, die sich unterschiedlich auf die Bilanz und die künftige Liquidität von Unternehmen auswirken. Unternehmen wählen zwischen beitragsorientierten (Defined Contribution) und leistungsorientierten (Defined Benefit) Zusagen. Bei beitragsorientierten Modellen zahlt das Unternehmen einen festen Beitrag zur Altersvorsorge des Arbeitnehmers, während die Höhe der späteren Rentenzahlungen von der Performance der eingezahlten Gelder abhängt. Das Unternehmen trägt also kein langfristiges Risiko bezüglich der Rentenhöhe. Bei leistungsorientierten Modellen hingegen verspricht das Unternehmen dem Arbeitnehmer eine bestimmte Rentenhöhe, unabhängig von der Marktentwicklung, und trägt somit das Risiko, dass die Renten auch bei unvorhergesehenen Entwicklungen in der Zukunft gezahlt werden können.

In den letzten Jahren haben viele Unternehmen deshalb zu risikoärmeren Modellen gewechselt, um ihre bilanzielle Belastung und das Risiko von Rentenzahlungen zu reduzieren. Im Jahr 2022 entfiel der größte Anteil weiterhin auf Direktzusagen, jedoch sank ihr Anteil von 59,2 Prozent im Jahr 1990 auf 46,4 Prozent. Der Anteil der Pensionskassen stieg im gleichen Zeitraum von 21,1 Prozent auf 29 Prozent. Auch Direktversicherungen verzeichneten einen leichten Anstieg, indem sie ihren Anteil an den Deckungsmitteln von 10,5 Prozent auf 11,1 Prozent steigerten. Der Anteil der Unterstützungskassen hingegen sank von 9,2 Prozent auf 5,6 Prozent. Besonders auffällig ist der Anstieg der Pensionsfonds, deren Deckungsmittel 2005 bei 1,2 Milliarden EUR lagen, aber im Jahr 2022 auf 55,1 Milliarden EUR anstiegen – mehr als 45-mal so viel. Der Anteil der Pensionsfonds an den gesamten Deckungsmitteln betrug 2022 5,6 Prozent. Insgesamt zeigt sich damit, dass Unternehmen immer mehr zu beitragsorientierten Modellen tendieren, um ihre finanzielle Belastung zu verringern und ihre langfristigen Verpflichtungen besser abzusichern.

Ausblick auf die Zinswende

Die jüngste Zinswende, die die Zinsen für langfristige Anleihen steigen ließ, hat den Unternehmen eine gewisse Entlastung verschafft. Der Anstieg des Rechnungszinssatzes hat dazu geführt, dass die Pensionsrückstellungen in den Jahresabschlüssen von 2023 nur moderat gestiegen sind. Die höhere Abzinsung wirkt sich positiv auf die Höhe der Rückstellungen aus, was vor allem den Unternehmen zugutekommt, die ihre Pensionsverpflichtungen noch direkt in der Bilanz abbilden.

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