Volatilität – ein (oft) überschätztes Risiko

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Auf der Suche nach alternativen Renditequellen hat sich in den vergangenen Jahren die Volatilität als eigene Anlageklasse etabliert. Ein Anbieter von Strategien in diesem Bereich ist die FERI Gruppe. Das Multi-Asset-Investmenthaus aus Bad Homburg setzt dieses Konzept seit vielen Jahren für professionelle wie private Anleger mit drei Fonds um. Der OptoFlex (ISIN LU0834815101) und der US EquityFlex (ISIN LU1138397838) basieren auf dem US-amerikanischen Derivate-Markt, während das europäische Pendant, der EuroEquityFlex (LU2241121495), Derivate des Euro Stoxx 50 handelt. „Unsere Volatilitätsstrategien basieren auf dem systematischen Verkauf von Optionen. Dieser Verkauf lohnt sich immer dann, wenn die erwartete Volatilität höher als die tatsächliche Volatilität ausfällt. Das Ganze funktioniert ganz ähnlich wie bei einer Versicherung, die für die Übernahme eines Risikos eine Prämie erhebt“, sagt Carsten Hermann, Bereichsvorstand im Asset Management bei FERI.

Mit Netz und doppelten Boden

Die Idee dahinter sei, dass viele Optionen wertlos verfallen, wodurch der Verkäufer der Option die Prämie als Gewinn behalte. „Entscheidend für den Erfolg dieser Strategie ist ein kontinuierliches und systematisches Risikomanagement, bei dem das Verlustrisiko durch den Einsatz von Long-Puts begrenzt wird.

Horst Gerstner. Foto: Feri
Horst Gerstner. Foto: Feri

Durch den zusätzlichen Kauf von VIX Calls verringern wir in Extremphasen die Volatilität im Fonds. Ein Beispiel dafür ist die Corona-Pandemie-Phase“, erklärt Rico Höntschel, Head of Volatility Strategies and Digital Assets bei FERI. Die Prognosefreiheit und Systematik des Ansatzes erlaube es, emotionslos zu agieren.

Die Strategie solle sich automatisch an Marktgegebenheiten anpassen und habe auch eine antizyklische Komponente, die es den FERI-Managern ermögliche, Positionen in steigenden Märkten vorzeitig zu schließen. Damit ließen sich auch im Umfeld höherer Zinsen sehr attraktive Renditen erzielen.

 

Dies zeige etwa das Beispiel des US Equity Flex von FERI: Der Fonds repliziert den S&P 500 mit mindestens 51 Prozent Aktien und S&P 500 Futures – ähnlich einem passiven ETF. Als zusätzliche Ertragsquelle kommt die Optionsstrategie hinzu. Hierzu werden Put-Optionen auf den Index verkauft. Rund die Hälfte der vereinnahmten Prämie wird dauerhaft und direkt bei Eröffnung in eine Absicherung, bestehend aus Long-Puts und Long-VIX-Calls, investiert.

 

Zinswende bietet Chancen für Volatilitätsstrategien

Der Rest der vereinnahmten Versicherungsprämie verbleibt dem Investor als Ertrag. „Dieses Paket aus Short Put, Long Put und Long VIX Call handeln wir immer zusammen, in einem rollierenden Prozess, der sich primär auf die nächsten drei Monate konzentriert, um von der besseren Liquidität und den attraktiveren Zeitwertverfällen zu profitieren“, erläutert Horst Gerstner, Lead Portfolio Manager bei FERI.

Generell würden Optionsprämienstrategien besonders gut in einem Marktumfeld funktionieren, das durch hohe Volatilität und makroökonomische Veränderungen gekennzeichnet ist. „Wir kommen aus einem langen Niedrigzinsumfeld, das 2022 ein jähes Ende fand. Dieser plötzliche Wechsel hat die Marktteilnehmer überrascht, was jedoch auch Chancen für Volatilitätsstrategien eröffnete“, sagt Hermann.

Carsten Hermann. Foto: Feri
Carsten Hermann. Foto: Feri

Derzeit sieht das FERI-Team besondere gute Aussichten auf dem US-amerikanischen Aktienmarkt. „Die Erwartung eines robusten Wirtschaftswachstums in den USA und die historisch betrachtet gute Saisonalität in Wahljahren ab Mai sprechen für US-Aktien. In Verbindung mit einer Optionsprämienstrategie können Investoren dabei gegenüber einem einfachen passiven S&P 500-ETF ein besseres Ergebnis erzielen“, so Höntschel. „Größe und Liquidität sowohl des Aktien- als auch des Optionsmarktes sind in den USA unübertroffen. Dort lassen sich auch hohe Volumina effizient handeln, was unsere Strategien enorm begünstigt.“

Puts sind chronisch überbewertet

Es bleibt am Ende dennoch die Frage, warum die hocheffizienten Aktienmärkte das Volatilitätsrisiko regelmäßig überschätzen und höher einpreisen, als die empirische Betrachtung nahelegt. Schließlich ergeben sich daraus die Arbitragegewinne, die Optionsverkäufer wie FERI als Einnahmen verbuchen können. Hermann weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es eine sehr menschliche Eigenschaft sei, sich gegen Unwägbarkeiten absichern zu wollen, und dass davor auch Investoren nicht gefeit seien. „Eine relativ teure Autoversicherung wird abgeschlossen, weil sie für den Extremfall absichern soll, obwohl wir eigentlich alle wissen, dass dieser nur selten eintritt – ganz ähnlich ist das auf dem Optionsmarkt“, sagt Carsten Hermann.

Rico Höntschel Foto: Feri
Rico Höntschel Foto: Feri

Für Gerstner, der seit mehr als 20 Jahren im Derivategeschäft tätig ist, kommt ein bestimmter Marktmechanismus hinzu: „Die Nachfrage nach Put-Optionen übertrifft meist deren Angebot. Insbesondere in volatilen Marktphasen steigt die Nachfrage durch den erhöhten Absicherungsbedarf der Marktteilnehmer nochmals an. Dies führt dazu, dass die Differenz zwischen dem, was für Puts verlangt wird und dem, was sie tatsächlich wert sind, eine der konstantesten Marktprämien überhaupt darstellt.“

Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

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