Deutsche institutionelle Investoren legen im Ausland an

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
LinkedIn
URL kopieren
E-Mail
Drucken

Der deutsche Fondsstandort verliert bei institutionellen Investoren zunehmend an Relevanz. Anders lassen sich die Zahlen nicht deuten, die Sebastian Oys, Leiter Steuerpolitik beim deutschen Fondsverband BVI, kürzlich auf LinkedIn veröffentlichte: Knapp 600 Milliarden Euro hätten deutsche institutionelle Anleger in ausländische Fonds angelegt. Ihr dort verwaltetes Vermögen sei in den vergangenen zehn Jahren um 3,35-Fache gestiegen, während das verwaltete institutionelle Vermögen in deutschen Fonds in diesem Zeitraum lediglich um das 1,98-Fache gestiegen sei. Im Bereich der Infrastrukturfinanzierungen schätzt der BVI, dass für jeden Euro, der in Deutschland in Projekte investiert wird, bis zu 99 Euro im Ausland angelegt werden.

Politik und Finanzbranche ziehen an einem Strang

„Wir brauchen mehr Investitionen und Asset Manager in Deutschland“, fordert Oys daher. „Unser Fondsstandort muss wettbewerbsfähiger und attraktiver werden.“ Hier habe Deutschland einen Trend verschlafen, andere europäische Staaten wie Luxemburg oder Irland seien viel weiter. Auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung komme in seiner Analyse des Anlageverhaltens von Versicherungen zu diesem Ergebnis und bestätige, dass fehlende deutsche Asset Manager einer der Hauptgründe für die fehlende Investitionstätigkeit im Inland seien.

Die Politik – in Form von Bundesfinanzminister Christian Lindner – ist gewillt, das Problem anzugehen. Lindner möchte mehr Großinvestoren für Wachstumsinvestitionen in Deutschland gewinnen. Das bei gleicher europäischer Regulatorik die Kapitalsammelstellen in Frankreich ungleich mehr in Asset-Klassen wie Private Equity oder Venture Capital investierten, sei den spezifisch deutschen Rahmenbedingungen geschuldet, so der Minister. Vorschläge für bessere Rahmenbedingungen soll nun eine von der KfW zusammengestellte Expertengruppe aus der Finanzbranche machen. Im Fokus der „WIN – Initiative für Wagnis- und Wachstumskapital“ stehen Investitionen in den Tech- und Green-Tech-Bereich. Wenn die Initiative Stellschrauben benennen kann, damit mehr privates Kapital im Interesse der deutschen Kapitalanlegerinnen und Kapitalanleger in Deutschland investiert wird, dann werde die Bundesregierungen dies umsetzen, verspricht Lindner.

ETF-Anleger investieren bevorzugt in den USA

Aus Sicht des Fondsstandortes Deutschland mag es wichtig sein, den Heimatmarkt zu stärken. Für institutionelle Investoren ist solcher Patriotismus – besonders in einem geeinten Europa – zweitranging. Sie achten darauf, dass sie die nötige Rendite erhalten, um ihren Verpflichtungen nachkommen zu können. Ob das in Deutschland, Frankreich, den USA oder anderswo ist, spielt eine untergeordnete Rolle. Unabhängig davon, wo das jeweilige Anlageprodukt beheimatet ist, sind zumindest bei globalen ETF-Anlegern die Vereinigten Staaten das beliebteste Investitionsziel. Laut aktueller Daten von Amundi Asset Management, sammelten US-amerikanische ETF im Januar 48,6 Milliarden Euro ein. Damit machen die dortigen Zuflüsse weit mehr als die Hälfte der weltweiten ETF-Zuflüsse von 75,3 Milliarden Euro aus.

Der europäische Markt für UCITS-ETFs legte über alle Anlageklassen hinweg um 20,2 Milliarden Euro zu. Hier dominierten Aktienstrategien mit einem Nettozuwachs von 12,7 Milliarden Euro. Solche mit einem ESG-Kontext sammelten 1,2 Milliarden Euro ein. In europäische Anleihe-ETFs investierten Anleger im Januar 7,6 Milliarden Euro, in passive ESG-Anleihe-Lösungen 1,3 Milliarden Euro.

Patrick Daum ist Chef vom Dienst bei dpn-online. Er berichtet über alle Themen rund um das institutionelle Asset Management.

LinkedIn
URL kopieren
E-Mail
Drucken