In der Niedrigzinsphase der vergangenen Jahre haben passive Anlagestrategien einen massiven Boom erlebt. Die billige Liquidität der Zentralbanken sorgte für steigende Aktienmärkte, Anleger mussten mit ETFs nur noch aufspringen. Aktive Fondsmanager mit ihren deutlich teureren Vehikeln waren kaum noch gefragt. Ihnen wird ohnehin nachgesagt, ihre Benchmark zu selten zu schlagen.
Eine aktuelle Untersuchung von Florian Ehrlinger, Kapitalmarktanalyst und Co-Portfoliomanager bei HQ Trust, zeigt nun, dass sich mit aktivem Management in den vergangenen zehn Jahren durchaus Alpha generieren ließ. Es war schlicht eine Frage des Anlagestils.
Growth schlägt Value
Ehrlinger hat die Performance (nach Kosten!) der vergangenen Dekade von rund 2.750 aktiv gemanagten Fonds analysiert und diese dabei in drei Kategorien eingeteilt: Value, Growth und Blend – also Fonds, bei denen der Manager aus beiden Bereichen Aktien auswählen darf. Die Rendite verglich Ehrlinger mit den Benchmarks MSCI ACWI Growth, MSCI ACWI Value sowie MSCI ACWI.

Die Ergebnisse dürften vor allem Investoren gefallen, die auf Wachstumsaktien setzen: „In den vergangenen zehn Jahren gelang es den Fondsmanagern im Bereich Growth immerhin sechsmal ihren Vergleichsindex zu schlagen“, so Ehrlinger. „Im Schnitt lag die Outperformance auf den MSCI ACWI Growth in diesen Jahren bei 4,2 Prozentpunkten.“ In all diesen sechs Jahren schnitten Growth-Aktien zudem besser als Value-Titel.
Die Mischung bringt keinen Erfolg
Und während 2020 das Jahr mit der höchsten Growth-Out- und der auch der höchsten Value-Underperformance war, erweis sich 2022 als das beste Value-Jahr im untersuchten Zeitraum, brachte aber auch die höchsten Verluste für Growth-Anleger.
Durchaus überraschend: Fondsmanager, die auf eine Mischung der beiden Stile setzen, konnten seit 2013 lediglich einmal ganz knapp ihre Benchmark schlagen, blieben aber deutlich hinter Growth-Fonds zurück. „Das Abschneiden der Vergleichsgruppe Blend fällt enttäuschend aus,“ kommentiert Erhlinger. Value-Manager waren immerhin in drei Jahren besser als ihr Markt.
Patrick Daum ist Chef vom Dienst bei dpn-online. Er berichtet über alle Themen rund um das institutionelle Asset Management.

