Zwei Drittel der institutionellen Investoren erachten Extremrisiken wie Ölpreisschocks, Finanzmarktblasen oder geopolitische Spannungen zwar als eine wachsende Bedrohung, aber nur eine Minderheit sieht sich dafür ausreichend gewappnet.
Institutionelle Investoren sitzen weltweit im gleichen Boot, aber nur wenige haben ihre Schwimmwesten mit dabei. So lassen sich die Resultate der aktuellen Global RiskMonitor-Umfrage von Allianz Global Investors (AllianzGI) interpretieren.
So sagen zwei Drittel von 735 befragten institutionellen Investoren, dass sie sich seit der Finanzkrise mehr Sorgen um Extremrisiken – Tail Risks oder sogenannte „Schwarze Schwäne“ – wie Ölpreisschocks, Finanzmarktblasen oder geopolitische Spannungen machen. Gleichzeitig stützt sich die Mehrheit der Befragten auf traditionelle Asset-Allokation- und Risikomanagement-Strategien, die auf Diversifikation über Anlageklassen (61 Prozent) oder internationaler Streuung (56 Prozent beruhen.
Dies führt wiederum zu einer hohen Vernetzung der Märkte, was das Risiko von Kursverlusten erhöht. Nur 36 Prozent der Befragten verfügen indes nach eigenen Angaben über geeignete Instrumente im Umgang mit Extremrisiken. Die Teilnehmer des Risk Monitors repräsentieren ein angelegtes Vermögen von mehr als 15 Billionen US-Dollar.
Ein ganzer Schwarm
Im aktuellen Marktumfeld orten die befragten Investoren eine Vielzahl möglicher Extremrisiken. Weltweit halten sie Ölpreisschocks (28 Prozent), einen Staatsbankrott, Finanzmarktblasen (je 24 Prozent) und eine Rezession in der Eurozone (21 Prozent) für die die wahrscheinlichsten Ursachen eines solchen „Schwarzen Schwans“. Institutionelle Anleger in Amerika und Asien-Pazifik fürchten vor allem Ölpreisschocks (35 Prozent bzw. 28 Prozent), während sich in der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika die möglichen Grossrisiken wie Vermögensblasen (33 Prozent), Staatsbankrott und geopolitische Spannungen (je 29 Prozent) ziemlich die Waage halten.
Mehr Aktien, weniger Anleihen
Die Einschätzung institutioneller Investoren bezüglich traditioneller Anlageklassen ist zweigeteilt. Sie sind positiv für die Aktienmärkte in Europa und den USA und pessimistisch gegenüber Anleihen – das sowohl in entwickelten Märkten wie den Schwellenländern. 40 Prozent der Befragten wollen den Anteil in alternativen Anlageklassen erhöhen. Dabei erwarten die Investoren von ihren Asset Managern, dass diese die Liquiditätsrisiken beachten.
Und da liegt laut dem Global RiskMonitor die Crux: Institutionelle Investors sind nach wie vor traditionellen Risikomanagement-Strategien verhaftet, was sie makroökonomischen und Marktschocks aussetzt. Ansätze, die gezielt gegen Abwärtsrisiken schützen, wie Hedging oder Risikobudgetierung werden nur von etwas mehr als einem Drittel der Befragten eingesetzt, verbindlichkeitskongruente (26 Prozent) oder Volatilitäts- Strategien (24 Prozent) sind noch weniger verbreitet. Dazu Arun Ratra, Head of Global Solutions bei AllianzGI: „Risikomanagement ist keine Wahlmöglichkeit. Es ist auch nichts, was man in regelmäßigen Abständen tut. Vielmehr muss es integraler Bestandteil jeder Anlagestrategie sein.“
Der Report kann heruntergeladen werden:
www.allianzgi.com/en/Risk_Monitor_June_2015/Pages/default.aspx.
