Viele Rentner = viel Risiko

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Rentenverpflichtungen werden zunehmend als Hypothek betrachtet. Für Riitta Arnold-Schäublin und Marco Jost vom Vorsorge-Beratungsunternehmen PPCmetrics ist dies nicht zwingend: „Rentnerkassen sind nicht a priori schlecht aufgestellt oder gar unfähig, ihre Risiken zu managen“. Sie belegen dies mit Beispielen von firmeneigenen Vorsorgeeinrichtungen aus dem eigenen Kundenportfolio:

Die Stifterfirma der Pensionskasse Awarness (Name geändert) stand vor einem radikalen Umbau, was letztlich zu einer Teilliquidation der Kasse führte. 80 Prozent der Versicherten traten aus. Die Arbeitgeberin war aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation nur noch zu einem kleinen Teil als Risikoträgerin einzustufen. Gleichzeitig beruhte der Deckungsgrad der Pensionskasse auf einer Rentenbewertung, welche eine implizite Solidarität der Risikoträger voraussetzte.

Der Stiftungsrat machte eine entsprechende Analyse und stellte sicher, dass im Rahmen der Teilliquidation keine Mittel abflossen, die eine sichere Fortführung der Kasse unter dem Aspekt der Rentnerkasse verunmöglichten. Aus der angepassten Bilanzierung resultierte eine Unterdeckung, die zu schmerzhaften Massnahmen führte. So mussten Anwartschaften der Versicherten gekürzt werden.

Trotzdem gelang es dem Stiftungsrat, die ökonomische Betrachtung bezüglich Risiko-Management den Destinatären zu vermitteln und so einen realistischen Kurs einzuschlagen – auch dank guter Kommunikation mit allen Betroffenen. Inzwischen hat die Pensionskasse auch für die offizielle Bilanzierung auf eine rein ökonomische Bewertung umgestellt: Der Rentenwert entspricht dem Marktwert eines – hypothetischen – Portfolios von Schweizer Staatsanleihen, dessen Coupons und Endzahlungen den erwarteten Rentenzahlungen entsprechen. In Wirklichkeit setzt die Kasse nicht nur auf Staatsanleihen, geht aber nur Anlagerisiken ein, die ihrer Risikofähigkeit entsprechen.

Anleihen statt Aktien

Die Pensionskasse Hedge (Name geändert) hat eine ähnliche Vorgeschichte. Auch hier kam es zu mehreren Teilliquidationen mit vielen Austritten aktiver Versicherten. Zu Beginn der Restrukturierungen der Stifterfirma war die finanzielle Lage der Kasse Hedge so gut, dass auch nach der letzten Teilliquidation noch ein ökonomischer Deckungsgrad von rund 100 Prozent resultierte. Die Pensionskasse kaufte schrittweise Anleihen, die die Cashflow-Struktur der Rentenverpflichtungen abbilden. Die Arbeitgeberin will keine Anlage-und Zinsrisiken tragen.

Über Jahre hinweg wurde deshalb von Aktien in Anleihen umgeschichtet und letztere als Replikationsportfolio strukturiert. Die Kasse fährt so für ihre Rentenverpflichtungen eine Liability-Hedge-Strategie, bei der die Vermögenswerte relativ zu den Verpflichtungen nur geringfügig schwanken. Auch die Bilanzierung wurde entsprechend angepasst, um bei den Destinatären keine falschen Erwartungen zu wecken.

Fazit der beiden Experten: Wenn nur noch wenige aktive Versicherte als Risikoträger vorhanden sind, sei ein bewusster und kontrollierter Umgang mit Risiken entscheidend. Und: „Eine ökonomische Betrachtung der Rentenverpflichtungen ist dafür – zumindest im Innenverhältnis – unerlässlich“.

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