Mehrere Infrastrukturprojekte im Strassen- und Schienenverkehr werden in den nächsten Jahrzehnten die Reisezeiten verkürzen. Diese Projekte können ein Wegweiser für zukünftig attraktivere Immobilienstandorte sein.

Viele Infrastrukturprojekte, die sich aktuell in Planung befinden, werden in 10 bis 30 Jahren realisiert sein. «Diese Projekte bieten einen guten Anhaltspunkt, welche Regionen in Zukunft durch eine Verkürzung der Reisezeiten zum nächstgelegenen Wirtschaftszentrum in den Sog der Wachstumsmotoren geraten und dadurch an Standortattraktivität gewinnen dürften», erklären die UBS-Ökonomen Katharina Hofer und Matthias Holzhey in einer Studie.

Sechs Regionen sollen eine bessere Anbindung erhalten

Gut angebundene Regionen sind aufgrund tieferer Transport- und Zeitkosten im Allgemeinen produktiver und somit auch wettbewerbsfähiger als Orte mit langen Reisezeiten, fahren die Autoren fort: «Dementsprechend steigen die Immobilienpreise einer Region tendenziell mit der zunehmenden Zentralität sowie einer schnelleren Erreichbarkeit von Wirtschaftszentren mit dem öffentlichen Verkehr und privaten Individualverkehr.»

Bis 2040 sollen sechs Regionen eine bessere Anbindung durch die signifikante Verkürzung der Reisezeit auf der Strasse in ihr jeweils nächstes Grosszentrum erfahren. Dazu gehört der Nordwesten des Kantons Bern rund um die Region Biel. Grosse Teile des Kantons Schaffhausen sowie Gemeinden im benachbarten Weinland bekommen eine schnellere Verbindung nach Zürich. Deutlich kürzere Reisezeiten dürfte es auch von der Region Locarno nach Lugano geben. Weitere Regionen, aus denen ein Grosszentrum in Zukunft schneller erreichbar sein sollte, sind der Kanton Glarus, das Toggenburg sowie die Region La Chaux-de-Fonds.

Zwei Infrastrukturprojekte verkürzen die Reisezeit in ein Grosszentrum

Im öffentlichen Verkehr sollen zwei Infrastrukturprojekte die deutlichste zu erwartende Verkürzung der Reisezeit in ein Grosszentrum, das innerhalb der Pendelzeit von 90 Minuten liegt, bringen. «Dank dem Brüttener Tunnel dürften in Zukunft alle über Winterthur nach Zürich verbundenen Regionen einen schnelleren Anschluss dorthin bekommen. Der Zimmerbergtunnel macht die Fahrt grundsätzlich für alle Regionen kürzer, die über Zug nach Zürich erschlossen sind», führen die Autoren aus.

Künftige Verbesserungen im Regionalverkehr sollen zudem kürzere Reisezeiten von einigen Gemeinden nahe am Genfersee in das jeweilige Grosszentrum Genf oder Lausanne mit sich bringen.

Immobilienmärkte von Morgen entstehen

Angesichts des langen Zeithorizonts dieser Projekte dürfte sich deren zukünftige Wirkung auf die Immobiliennachfrage derzeit allerdings noch nicht in den lokalen Immobilienpreisen niederschlagen, relativieren die Autoren der Studie. Kandidaten für steigende Immobilienpreise seien vor allem entferntere Pendlerstandorte, da sie noch grösseres Potenzial für Reisezeitersparnis böten. Zentrumsnahe Standorte mit einer bereits sehr guten Verkehrsinfrastruktur könnten sich dagegen kaum noch verbessern. Zudem vermindere die Nähe zu einem blühenden regionalen Zentrum die Bedeutung eines zusätzlichen schnellen Anschlusses an eine Metropolregion.

Verkehrsinfrastrukturprojekte haben nicht immer einen Preiseffekt

Die Autoren räumen weiter ein, dass neue Verkehrsinfrastrukturen nicht immer einen Preiseffekt auslösen würden. Ein relativer Preisanstieg sei wahrscheinlicher, wenn die bediente Region über ein eigenes langfristiges wirtschaftliches Entwicklungspotenzial verfüge. Letztlich entscheide auch die von der besseren Erreichbarkeit profitierende Bevölkerungszahl sowie deren Entwicklung über den Preiseffekt. «Immobilien dürften sich in Regionen mit einer grossen Bevölkerung eher verteuern; hingegen kann bessere Infrastruktur sinkende Bevölkerungszahlen nicht in allen Fällen aufwiegen», so ihr Fazit.

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