Europas Versicherer bestehen Stresstest

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Die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) hat am Dienstag die Ergebnisse ihres diesjährigen Stresstests für Versicherungsunternehmen veröffentlicht. Demnach hat sich die europäische Versicherungsbranche und die sieben deutschen Versicherungsgruppen in dem betrachteten Stressszenario als grundsätzlich robust erwiesen. Das von EIOPA unterstellte Szenario umfasst den gleichzeitigen Eintritt von überdurchschnittlich hoher Inflation, sehr niedrigem Wirtschaftswachstum und geopolitischen Spannungen.

„Die Ergebnisse unterstreichen, dass Versicherer auch in Extremsituationen ein verlässlicher Partner für ihre Kundinnen und Kunden bleiben“, so der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg Asmussen.

Solvenz bleibt auch im Stressfall stabil

Der Stresstest simuliert umfassende Auswirkungen auf private Haushalte, Unternehmen und den Finanzsektor. Hohe Zinsen, sinkende Immobilienwerte und erhöhte Volatilität führen demnach zu Vermögensverlusten, während steigende Kreditkosten die Refinanzierung erschweren. „Dieses außergewöhnliche Szenario ist mit einer extrem niedrigen Eintrittswahrscheinlichkeit von weniger als 0,03 Prozent verbunden. Ein Ereignis, das also theoretisch nicht mal alle 3.000 Jahre eintritt“, erklärt Asmussen.

Aus Deutschland haben Allianz, Münchener Rück, HDI, R+V, Debeka, Versicherungskammer Bayern und Viridium verpflichtend am EIOPA-Test teilgenommen. In den Stresstest einbezogen waren insgesamt vier Einzelunternehmen und 44 große europäische Versicherungsgruppen. Die europaweiten Ergebnisse zeigen: Trotz einer Reduktion der durchschnittlichen Solvenzquote von 222 auf 140 Prozent bleibt die Kapitalausstattung deutlich über der kritischen Marke von 100 Prozent. Unter Berücksichtigung reaktiver Maßnahmen haben alle 48 europäischen Versicherungsgruppen, die sich dem Test unterzogen, die Solvenzanforderungen erfüllt.

EIOPA-Stresstest ist kein Einzelfall

Asmussen betont, dass im Rahmen von Solvency II, dem europäischen Aufsichtsrahmen für Versicherungsunternehmen, bereits regelmäßig umfassende Stresstests durchgeführt werden: „Wir simulieren routinemäßig Extremsituationen und prüfen die Kapitalanforderungen sogar quartalsweise.“

Die beiden Ansätze unterscheiden sich in der Prognose, mit der das Stressszenario angenommen wird. Solvency II geht von einem Ereignis aus, das alle 200 Jahre eintritt. Die Wahrscheinlichkeit der Stressszenarien unter Solvency II ist damit deutlich höher als die von EIOPA. Der nächste EIOPA-Stresstest ist im Jahr 2027 geplant.

Goran Culjak ist Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- & Investmentnachrichten. Davor arbeitete er bei PLATOW als Fachredakteur für Versicherung und Altersvorsorge und etablierte die Risikomanagementkonferenz. Der Diplom-Betriebswirt (FH) startete 2004 als Pressereferent bei Union Investment seine berufliche Laufbahn.

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