Während sich europäische Alternative Assets auf Rekordkurs befinden, blieben sie in der Schweiz 2020 zurück. Dabei wähnen manche Institutionelle die «Real Assets» wegen Inflationsschutz und Aussicht auf höhere Renditen als Hauptgewinner der Post-Covid-Welt.

Die in der Schweiz verwalteten alternativen Anlagen legten 2020 verglichen mit dem europäischen Markt nur geringfügig zu. Die verwalteten Vermögen im Bereich Private Debt etwa stiegen um 3,6 Prozent. In ganz Europa nahmen sie dagegen um 22,5 Prozent zu. Ein ähnlicher Trend zeichnet sich an den Immobilienmärkten ab. Während das Immobilienvermögen in der Schweiz bis Ende Dezember 2020 um 4,0 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro anstieg, wuchs die Anlageklasse in ganz Europa um 8,7 Prozent. Das Gesamtvolumen der in der Schweiz verwalteten alternativen Assets belief sich 2020 auf 71,6 Milliarden Euro. Private Equity/Venture Capital war mit 25,7 Milliarden Euro die grösste einzelne Anlageklasse auf dem Markt. Ihr folgten Hedgefonds, mit einem Volumen von 19,9 Milliarden Euro. Das geht aus dem Bericht «Alternative Assets in Europa 2021» von Preqin hervor, einem weltweiten Anbieter von Daten, Analysen und Marktinformationen zu Alternativen Assets. Er wurde im Auftrag des französischen Vermögensverwalters Amundi Asset Management erstellt.

Alternative Anlagen legen in Europa kräftig zu

Die in Europa ansässigen Fondsmanager für alternative Anlagen verwalteten per Dezember 2020 ein Vermögen von 2,06 Billionen Euro (gegenüber 1,81 Billionen Euro im Vorjahr). Das entspricht einem Anstieg von mehr als 13 Prozent. Laut Amundi AM sind sie auf dem besten Weg, 2021 zu einem Rekordjahr für die Mittelbeschaffung zu machen. Das verwaltete Vermögen ist in den fünf Jahren von Dezember 2016 bis Dezember 2020 um 58 Prozent gestiegen. Europa macht nun 24 Prozent der globalen Investments für alternative Anlagen aus.

Fundraising, Investitionen und Performance haben sich auch im ersten Halbjahr 2021 beschleunigt. In diesem Zeitraum konnten General Partners in Europa 59 Prozent des gesamten Fundraising-Volumens 2020 einsammeln. Trotz der Herausforderungen aufgrund von Reisebeschränkungen und weniger persönlichen Meetings war dies der zweithöchste Wert aller Zeiten. Die Investmentteams waren stark ausgelastet, so dass die im ersten Halbjahr 2021 abgeschlossenen Private-Capital Transaktionen bereits 83 Prozent des Gesamtwerts 2020 ausmachen. Risikokapital, Infrastruktur und Private Equity waren hier die aktivsten Sektoren.

Gute Performanceaussichten dürften noch mehr Kapital anlocken

Die sich im zweiten Quartal 2020 erholenden Aktien- und Fremdkapitalmärkte haben zu lebhaften Verkaufsaktivitäten geführt. Dazu zählten nicht nur Börsengänge, sondern auch Tradings und Refinanzierungen. Dabei sind die Renditedaten von Limited-Partnership-Fonds in den ersten Jahren nur ein Indikator für die künftige Performance. «Der Mittelwert der Netto-IRR1 für Private-Equity- und Venture Capital-Fonds des Jahres 2018 lag bereits bei 22,0 Prozent, während er in den Jahren 2011-2017 von 14,0 auf 19,4 Prozent stieg. Diese ansprechenden Performanceaussichten dürften in Zukunft noch mehr Kapital in europäische alternative Anlagen anziehen», frohlockt der Asset Manager.

Alternative Assets versprechen höhere Renditen

Mark O’Hare, Gründer und CEO von Preqin, hofft, dass Anleger, die auf Europa fokussiert sind, an ihren Plänen für Allokationen in alternative Anlagen festhalten. «Angesichts der Unsicherheit und der gesunkenen Renditen in allen Anlageklassen sind alternative Assets, einschliesslich innovativer grüner Investments, nach wie vor attraktiv», bekräftigt er. Er zeigt sich optimistisch, dass sich alternative Anlagen nach der Pandemie weiter erholen werden.

Inflationsschutz und Kapital für die Energiewende locken Investoren

Für Dominique Carrel-Billiard, Global Head of Real Assets bei Amundi, zeichnen sich «Real Assets» als Hauptgewinner der Post-Covid-Welt ab: «Vor allem könnte ein neuer Post-Covid-Zyklus ein Wiederaufleben der Inflation mit sich bringen, und dazu führen, dass weiterhin Kapital in die Anlageklassen fliesst, die Inflationsschutz und Aussicht auf höhere Renditen bieten.» Er ist überzeugt, dass Real Assets dazu beitragen werden, die wirtschaftlichen Herausforderungen nach der Coronakrise zu bewältigen. Auch könnten sie die Erwartungen der Anleger erfüllen, indem sie Kapital für die Energiewende zur Verfügung stellten.

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