Die Übernahme der Credit Suisse durch die UBS hat den Kapitalmarkt kräftig aufgerüttelt und auf dem Aktienmarkt für Unruhe gesorgt. Freilich hat der Schritt, der in enger Abstimmung mit der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA), der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sowie der Schweizer Eidgenossenschaft erfolgte, dennoch auch Auswirkungen für die Anleger. Gedanken über die „generellen Implikationen für Anleger“ hat sich PPCmetrics gemacht, ein führendes Schweizer Beratungsunternehmen im Bereich Investment Consulting.
So habe die Transaktion sowie die Unterstützung durch die Schweizer Behörden kurzfristig das Gegenparteirisiko beziehungsweise das Ausfallrisiko der Credit Suisse gemindert. Für diversifizierte Anleger drängen sich entsprechend zunächst keine unmittelbaren Maßnahmen wie etwa der Transfer von liquiden Mitteln auf. Die genauen Implikationen der Transaktion auf die beiden Institute sind zum aktuellen Zeitpunkt noch schwer abschätzbar. Ebenfalls bestehen rechtliche Risiken bei der Abwicklung der Transaktion. „Wir gehen davon aus, dass die Eidgenossenschaft, die SNB sowie die beteiligten Banken ein großes Interesse an einer erfolgreichen Übernahme haben. Mittel- und langfristig bestehen für Kunden der beiden Banken jedoch bedeutende operationelle und rechtliche Risiken“, heißt es in der gemeinsamen Einschätzung der PPCmetrics-Experten Stephan Skaanes (CFA,Partner), Luzius Neubert (CFA, Partner) und Romano Gruber (CFA, Managing Consultant).
Je nach Beziehung zur Credit Suisse (Investition in Direktanlagen, Depotbank / Global Custodian sowie Investition in Finanzprodukte) drängen sich aktuell für Anleger unterschiedliche Überwachungsinhalte auf. Aktien, Obligationen und Wandelanleihen sowie Derivate sind unterschiedlich durch die Übernahme betroffen. Für Anleger mit Direktanlagen der Credit Suisse empfiehlt PPCmetrics folgende Maßnahmen:
– Investition in betroffene Anlagen quantifizieren und Ausfallrisiko überwachen. Es gilt zu beachten, dass gewisse Finanzinstrumente der Credit Suisse abgeschrieben werden müssen.
– Mittelfristig kumuliert sich das Gegenparteirisiko der UBS und der Credit Suisse durch die Übernahme. Es empfiehlt sich zu analysieren, ob das neue Gegenparteirisiko mit der Risikobereitschaft und den Reglementen (zum Beispiel Anlagereglement) vereinbar ist.
Bekanntermaßen fungiert die Credit Suisse auch als eine der wichtigsten Depotbanken beziehungsweise Global Custodians in der Schweiz. Deshalb empfehlen die Experten für Anleger mit Depotbank folgende Maßnahmen:
– Das Hauptrisiko der Übernahme sind operationelle Aspekte. Das Depotbankgeschäft erfordert signifikante Investitionen in Software und Systeme. Für Anleger gilt es langfristig zu überwachen, wie die zukünftige Systemlandschaft der neuen Bank aussehen wird und welche Systeme weiterentwickelt und welche nicht weitergeführt werden.
– Durch den Zusammenschluss sind Personalabgänge nicht auszuschließen. Es empfiehlt sich, die Stabilität der Teams inklusive Schlüsselpersonen sowie die Zufriedenheit / Motivation der Mitarbeiter eng zu verfolgen.
– Bei Anlegern mit Depotbank UBS und Credit Suisse kumuliert sich das Gegenparteirisiko sowie das operationelle Risiko.
Credit Suisse ist zudem einer der bedeutendsten Vermögensverwalter für institutionelle und private Investoren in der Schweiz. Für Anleger mit Investitionen in Finanzprodukte beziehungsweise mit Mandaten bei der Credit Suisse empfiehlt PPCmetrics folgende Maßnahmen:
– Ein Hauptrisiko im Bereich Asset Management besteht in der Mitarbeiterfluktuation. Es empfiehlt sich, die Stabilität der Teams inklusive Schlüsselpersonen zu überwachen.
– Bei Anlegern, welche über Mandate bei der Credit Suisse und der UBS verfügen, reduziert sich die Diversifikation über verschiedene Asset Manager. Gleichzeitig kumuliert sich das operationelle Risiko.
– Der Zusammenschluss führt langfristig zu weniger Wettbewerb und einer Reduktion der Produktvielfalt im Bereich der Vermögensverwaltung. Es empfiehlt sich, langfristig die Marktkonformität der Konditionen sicherzustellen.
– Es ist zu erwarten, dass mittelfristig die rechtlichen Bedingungen wie etwa Vermögensverwaltungsverträge angepasst werden. Es ist sicherzustellen, dass durch die Vertragsanpassung keine Schlechterstellung im Vergleich zum Status quo erfolgt.
Goran Culjak ist Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- & Investmentnachrichten. Davor arbeitete er bei PLATOW als Fachredakteur für Versicherung und Altersvorsorge und etablierte die Risikomanagementkonferenz. Der Diplom-Betriebswirt (FH) startete 2004 als Pressereferent bei Union Investment seine berufliche Laufbahn.

