Pensionskassen – Standortbestimmung als Selbstreflexion

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Für die Pensionskassen in Deutschland ist es ein guter Zeitpunkt für eine „Standortbestimmung in volatilen Zeiten“. Unter dieser Vorgabe stand der diesjährige Pensionskassentag von WTW. Gut zwei Drittel der knapp 30 anwesenden Pensionskassenvertreter sehen keinen Grund für einen Kurswechsel, und ein Drittel plant eine „leichte Richtungskorrektur und Investitionsbedarf“. Das hat das Voting vor Ort auf der Konferenz in Frankfurt ergeben.

Tim Voetmann und Hanne Borst

Freilich ist die Umfrage für die Branche nicht repräsentativ, dennoch sind bei der Standortbestimmung einige Koordinaten von Bedeutung, so die WTW-Gastgeber Hanne Borst, Head of Retirement Germany, und Tim Voetmann, Head of Pension Fund Consulting. Die dauernde Erfüllbarkeit der Verpflichtungen, Attraktivität des Angebots, Machbarkeit der Umsetzung bzw. Proportionalität der Regulatorik sowie der demografische Wandel sind einige wichtige Parameter. So ergab das Voting, dass sich die Pensionskassen derzeit mit Abstand am meisten mit dem Thema „Machbarkeit der Umsetzung bzw. Proportionalität der Regulatorik“ beschäftigen.

Auch Günther Weißenfels, Leiter Grundsatzfragen bei der BaFin, sieht die Lage der Pensionskassen derzeit deutlich entspannter als noch vor einigen Jahren. Auf die Kapitalmärkte werde die Leitzinssenkung der EZB zunächst „keine großen“ Auswirkungen haben. Entscheidend seien für die Pensionskassen die Maßnahmen der Zentralbanken in den Folgemonaten. Für den im nächsten Jahr geplanten Stresstest könnte die Europäische Aufsichtsbehörde EIOPA die Liquidität der EbAV unter die Lupe nehmen. Sicher ist das aber noch nicht.

Spannend wird es derweil in Berlin: Wie wir hören, soll den Fachverbänden nächste Woche der Referentenentwurf zu den Änderungsvorhaben in der bAV vorgelegt werden. „Die ganz großen Veränderungen erwarte ich nicht“, so der aba-Vorstandsvorsitzende Georg Thurnes. Mit einigen Verbesserungen und Erleichterungen in der bAV sei aber zu rechnen.

Dr. Claudia Picker

Auch Claudia Picker, Head of Local Experts HR Germany bei der Bayer AG, geht von gesetzlichen Verbesserungen in der bAV aus. Intern plant der Konzern derweil eine Anpassung des Planmodells bis 2025, wobei das Zusammenspiel von Pensionskasse und Direktzusage erhalten bleiben soll. Evolution statt Revolution in der bAV lautet die Marschroute bei Bayer. Näheres zur Umstellung des Versorgungssystems wollte Managerin Picker nicht verraten. „Wir stellen die bAV zukunftsgerecht und nachhaltig auf“, heißt es. Als mögliche Design-Elemente nennt die bAV-Expertin die Entkopplung von Grund- und Zusatzrente (Rheinische Pensionskasse und Direktzusage), Modifizierung und Flexibilisierung der Beitragsformel sowie die Durchlässigkeit zwischen Alt- und Neusystem. Das Sozialpartnermodell ist indes bei Bayer kein Thema.

Goran Culjak ist Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- & Investmentnachrichten. Davor arbeitete er bei PLATOW als Fachredakteur für Versicherung und Altersvorsorge und etablierte die Risikomanagementkonferenz. Der Diplom-Betriebswirt (FH) startete 2004 als Pressereferent bei Union Investment seine berufliche Laufbahn.

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