Männer erhalten im Bundesdurchschnitt 52 Prozent mehr gesetzliche Rente als Frauen. Dies geht aus einer aktuellen Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos hervor. Besonders auffällig ist die Lücke in Westdeutschland, wo Männer sogar 66 Prozent mehr Rente beziehen. Diese Ungleichheit ist kein Zufall, sondern spiegelt die strukturellen Unterschiede in den Erwerbsbiografien von Männern und Frauen wider. Die Differenz bezieht sich dabei auf den Rentenzahlbetrag, also die monatlich ausgezahlte gesetzliche Rente nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen.
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Ursachen der Gender Pension Gap
Die Ursachen der Rentenlücke sind vielfältig und hängen vor allem mit traditionellen Geschlechterrollen zusammen. Frauen übernehmen in vielen Familien die Care-Arbeit, arbeiten häufiger in Teilzeit und unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit öfter und länger als Männer. Hinzu kommt, dass Frauen oft in niedriger bezahlten Berufsfeldern tätig sind. Dies führt dazu, dass Frauen insgesamt weniger in die Rentenkassen einzahlen, was sich später in einer deutlich niedrigeren Altersvorsorge bemerkbar macht. Moritz Schumann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des GDV, erklärt: „Frauen stehen im Alter finanziell schlechter da als Männer. Das ist eine erhebliche Benachteiligung.“ Diese Ungleichbehandlung zeigt sich nicht nur in den aktuellen Rentenzahlungen, sondern wirkt sich langfristig auf die finanzielle Sicherheit im Alter aus.
Westdeutschland vs. Ostdeutschland
Ein weiterer Aspekt der Studie sind die regionalen Unterschiede in der Gender Pension Gap. In Ostdeutschland fällt die Rentenlücke deutlich kleiner aus als in Westdeutschland. Dort liegt der Unterschied bei nur 16 Prozent, während in den westdeutschen Bundesländern Männer 66 Prozent mehr Rente erhalten als Frauen. Dieser Unterschied erklärt sich vor allem durch die historisch höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen in den ostdeutschen Bundesländern, die noch aus der Zeit der DDR stammt. Während im Osten mehr Frauen in Vollzeit und in gut bezahlten Jobs arbeiten, sind im Westen nach wie vor mehr Frauen in Teilzeit tätig und unterbrechen häufiger ihre Erwerbstätigkeit.
Trotz dieser regionalen Unterschiede bleibt die Gender Pension Gap in ganz Deutschland ein drängendes Thema. Moritz Schumann warnt, dass das Rentensystem in den kommenden Jahren aufgrund des demografischen Wandels weiter unter Druck geraten wird. Das aktuelle Rentenniveau reicht bereits heute nicht für ein auskömmliches Leben im Alter und wird in Zukunft noch stärker sinken. Für eine finanzielle Sicherheit im Alter sei daher eine starke zusätzliche Altersvorsorge notwendig.
Betriebliche und private Altersvorsorge auch betroffen
Die finanzielle Situation von Frauen betrifft jedoch nicht nur die gesetzliche Rentenversicherung. Auch in der betrieblichen und privaten Altersvorsorge schneiden Frauen schlechter ab. Weniger Erwerbsbeteiligung und niedrigere Einkommen führen dazu, dass Frauen insgesamt geringere Beiträge in ihre Altersvorsorge einzahlen. Besonders problematisch ist dies für Frauen, die in Teilzeit oder in prekären Arbeitsverhältnissen arbeiten, da sie dadurch nicht nur geringere Rentenansprüche erwerben, sondern auch geringere Leistungen aus der betrieblichen Altersversorgung oder der privaten Vorsorge erzielen. Die Versicherungswirtschaft fordert daher eine gezielte Stärkung der kapitalgedeckten Altersvorsorge, um diese Ungleichheiten zu verringern. Schumann schlägt vor, dass die Riester-Rente, die Familien und Alleinerziehende unterstützt, durch eine vereinfachte und zielgerichtete Förderstruktur weiter verbessert werden sollte.
Reformbedarf in der Altersvorsorge
Die Studie von Prognos und dem GDV unterstreicht die dringende Notwendigkeit, das Altersvorsorgesystem grundlegend zu reformieren. Frauen müssen gezielt in die Lage versetzt werden, mehr in ihre Altersvorsorge einzuzahlen, um die Rentenlücke langfristig zu schließen. Schumann fordert eine umfassende Reform, die nicht nur die gesetzliche Rentenversicherung, sondern auch die private und betriebliche Altersvorsorge betrifft. Es bedarf eines vereinfachten Fördersystems, das insbesondere Familien, Menschen mit niedrigem Einkommen und Teilzeitbeschäftigte unterstützt. Darüber hinaus müsse die Kinderzulage der Riester-Rente weiter ausgebaut werden, um Alleinerziehende und Familien zu entlasten.
Die Versicherungswirtschaft sieht auch die Notwendigkeit, die Betriebsrente weiter zu fördern. Betriebsrenten sind ein wichtiger Baustein für die Altersvorsorge und können auch mit kleineren Eigenbeiträgen einen erheblichen Beitrag zur finanziellen Sicherheit im Alter leisten. Ein Ausbau und eine Reform der Betriebsrenten könnten dazu beitragen, dass mehr Menschen von diesen Vorteilen profitieren und ihre Altersvorsorge langfristig sichern.
