Am Samstag begannen US‑amerikanische und israelische Streitkräfte mit Luftangriffen auf Ziele in Iran. Die kurzfristige Reaktion an den Kapitalmärkten zu Wochenbeginn war enorm. Insbesondere die Preise für Öl und Gas schossen in die Höhe. Das Barrel Brent kostete zeitweise über 84 US-Dollar, pendelte sich im Tagesverlauf jedoch unter der 80-Dollar-Marke wieder ein. Hintergrund ist, dass die iranische Führung in Reaktion auf die Angriffe die Straße von Hormuz dichtmachte. Durch diese Meerenge passieren rund 20 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs.
Die strategische Bedeutung der Straße von Hormuz
Unter anderem exportieren die OPEC‑Länder Saudi‑Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Iran selbst den Großteil ihrer Energieexporte durch das Nadelöhr. Laut Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, war eine mögliche Eskalation der Spannungen zwischen den USA und dem Iran jedoch schon länger an den Märkten eingepreist. Denn bereits im Vorfeld war der Rohölpreis von etwa 60 US-Dollar pro Barrel auf über 70 US-Dollar angestiegen. „Sollte sich eine wochenlange, effektive Sperrung der Transportwege aus dem Golf abzeichnen, wären Preissteigerungen bis über 100 US-Dollar die Folge“, fügt Kater jedoch hinzu. Seiner Einschätzung nach sieht es danach derzeit nicht aus.
Morgan Stanley hob unterdessen seine zweite Quartalsprognose für den Brent‑Ölpreis von 62,5 US-Dollar auf 80 US-Dollar pro Barrel an. Die Citigroup erwartet, dass der Preis für Brent‑Öl in den nächsten Wochen im Bereich von 80 bis 90 US-Dollar pro Barrel liegen könnte.
Erhöhte Ölpreise waren eingepreist
Auch Adam Hetts, Global Head of Multi‑Asset bei Janus Henderson Investors, sieht in den Marktreaktionen bereits vieles eingepreist. „Die aktuellen Ölpreise spiegeln einen begrenzten Konflikt von relativ kurzer Dauer wider“, so Hetts. Er erinnert dabei an die Konflikte im Juni 2025 und April 2024, als es bereits zu Angriffen zwischen Israel und dem Iran kam. „Damals konnten die globalen Märkte die Preisanstiege weitgehend abschütteln, da die Konflikte relativ schnell beigelegt wurden.“
An den Anleihemärkten reagierten die Investoren empfindlich. Laut Bloomberg fiel die Erwartung einer Zinssenkung durch die EZB für das laufende Jahr praktisch auf null. Die Commerzbank schätzt, dass die Inflation im Euroraum bei einem Krieg über mehrere Monate um einen Prozentpunkt steigen könnte. Die Renditen für kurzfristige Anleihen aus Europa, Großbritannien und den USA stiegen im Zuge der erhöhten Inflationserwartungen.
Anstatt in die „Safe Haven“-US‑Treasuries zu flüchten, verkauften sie lieber die Staatsanleihen, berichtet unter anderem der US‑Sender CNBC. Anleger flüchteten stattdessen in den sicheren Hafen Gold und währungsseitig in den US-Dollar und Schweizer Franken.
Zentralbanken droht ein Dilemma
Für Edgar Walk, Chefvolkswirt bei Metzler Asset Management, ist die langfristige Perspektive des Konfliktes entscheidend. Sollte es sich nur um einen Preisschock mit kurzer Halbwertszeit handeln, könnten die Fed und die EZB temporäre Energieeffekte eher „durchsehen“. Dieses Szenario setzt jedoch voraus, dass die militärische Eskalation regional begrenzt bliebe und die Lieferengpässe abgefedert werden könnten.
Sollte es jedoch zu einer anhaltenden Konfliktsituation kommen, bei der nicht nur der Transport, sondern auch die Ölförderung gestört wird, drohen laut Walk physische Engpässe und eine Preisspirale. Dann säßen die EZB und die Fed in einem Dilemma, in dem sie zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumsstabilisierung abwägen müssten.
Eine vollständige Blockade dieser zentralen Handelswege und eine regionale Ausweitung des Konfliktes bleiben aus Sicht der meisten Experten die größte Bedrohungssituation. Gerade für Europa, das zuletzt eigentlich wirtschaftlich wieder besser in Tritt kam, ist die Situation bedrohlich. Nicht zuletzt, weil Katar gestern bekanntgab, seine Produktion von Flüssiggas (LNG) vorerst zu stoppen, von der Europa und auch weite Teile Asiens abhängig sind.
Blockade der Handelswege als größte Bedrohung
Stephen Dover, Leiter des Franklin Templeton Institute, rät Investoren, in der aktuellen geopolitischen Unsicherheit mit Bedacht zu handeln. Kurzfristig empfiehlt er ihnen Energie-Beta-Assets, Schifffahrts- und Versicherungsunternehmen sowie Verteidigungsaktien, während er von energieimportabhängigen Schwellenländern und Fluggesellschaften abrät. Hetts rät unterdessen zu einem diversifizierten Portfolio mit vielen Safe-Haven-Assets, die kurzfristige Unsicherheiten überstehen können. „Es bedeutet auch, dass man investiert bleiben sollte, anstatt zu versuchen, den richtigen Zeitpunkt für geopolitische Veränderungen und die damit verbundenen Risiken zu erwischen“, so Hetts.
Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

