Risiken: Handelskriege im Schatten der Klimakrise 

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Die größten globalen Risiken der kommenden zehn Jahre sind ökologisch. Das geht aus dem Global Risks Report 2026 des Weltwirtschaftsforums hervor, auf den sich KfW Research in einer aktuellen Analyse bezieht. Gleichzeitig zeigt die Studie, wie geopolitische Konfrontationen die aktuelle Wirtschaftspolitik prägen und dabei die Bedrohungen der Zukunft überlagern. 

Extremwettereignisse wie Hitzewellen, Dürren, Starkregen und Überschwemmungen führen die Risikoliste für die kommende Dekade an. Sie haben 2025 Schäden von rund 200 Milliarden US-Dollar verursacht. Auf Platz zwei folgt der Verlust von Biodiversität und Ökosystemen. Nur biologisch vielfältige Ökosysteme können unverzichtbare Leistungen von Trinkwasser und Atemluft über fruchtbare Böden bis zur Klimaregulierung und zum Schutz vor Extremwetter dauerhaft bereitstellen. 

Mit unmittelbarem Blick auf die kommenden zwei Jahre verschieben sich die Prioritäten jedoch: Hier dominieren technologische und politische Risiken wie Desinformation, gesellschaftliche Polarisierung und – nach einem sprunghaften Anstieg – die geoökonomische Konfrontation in Form von Handelskriegen. 

Trump setzt sich durch, Europa gibt nach 

Besonders deutlich zeigt sich diese Verschiebung an der Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump. Nach der Aussetzung der Vergeltungszölle am 9. April 2025 schloss die US-Regierung schnell Abkommen mit zahlreichen Ländern. Die USA konnten dabei relativ widerstandslos ihre Interessen durchsetzen, analysiert KfW-Ökonom Dirk Schumacher in seiner Studie „Gewinnt Trump den Handelskrieg?“. Fehlende Koordination unter den Handelspartnern und die starke Position der USA als größter Abnehmer von Handelsüberschüssen verschafften Washington einen Vorteil in den Verhandlungen. Die EU war und ist angesichts ihrer Abhängigkeit von den USA bei digitalen Technologien und Verteidigung besonders schwächt.   

Das Nachgeben der EU sei zumindest auf kurze Sicht das kleinere Übel, bilanziert KfW Research, da ein signifikanter Teil der Zölle voraussichtlich abgewälzt werde. Die Kosten könnten jedoch deutlich steigen, insbesondere dann, wenn es zu massiven Unternehmensverlagerungen von Europa in die USA kommen sollte. 

Auf zukünftige Auseinandersetzungen, die eher früher als später kommen würden, müsse Europa vorbereitet sein, um das eigene ökonomische Gewicht besser einzusetzen, fordert die KfW-Analyse. Dies bedeute vor allem, die Abhängigkeit von den USA in der Informationstechnologie und Verteidigung signifikant zu verringern.  

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