Asset Manager, Milliarden under Management, sucht:

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
LinkedIn
URL kopieren
E-Mail
Drucken

Bis vor nicht allzu langer Zeit lief es für die internationalen Asset Manager blendend. Die Märkte jagten von Rekord zu Rekord, die Gehälter stiegen, und auch die Anzahl der Beschäftigten nahm zu. „Doch das vergangene Jahr hat dem ganzen Markt dann einen Dämpfer verpasst“, sagt Karin Schambach, Mitgründerin und Managing Director bei der Personalvermittlung Indigo Headhunters.

Schambach vermittelt seit über 20 Jahren Executives und Fachkräfte an Asset Manager. Mit Blick auf deren Personalpolitik sieht sie diese derzeit in einer herausfordernden Situation. Zum einen sind Nachbesetzungen in zentralen Führungsfunktionen zwingend, zum anderen müssen sie auf neue Anforderungen des Marktes personalseitig reagieren. Nicht zuletzt der Bedarf im Vertrieb ist so hoch wie eh und je. Folglich sind die Asset Manager zu Neueinstellungen bei steigenden Gehältern gezwungen und auf der anderen Seite lastet auf ihnen der steigende Kostendruck.

Ein strengerer Blick auf die Gehälter

„Was wir sehen, ist, dass sich die internationalen Asset Manager verstärkt mit sich selbst beschäftigen“, meint Schambach. Es wird genauer hingeschaut, wer sich auf der Payroll lohnt. Gerade im Bereich der Regulatorik und des operativen Geschäfts seien viele bei der Besetzung „über das Ziel hinausgeschossen“. Einstellungsstopps oder gar Entlassungen insbesondere im Middle- und Backoffice-Funktionen sind die Konsequenz.

Dadurch, dass in Deutschland gerade die internationalen Asset Manager häufig nur mit Distributionseinheiten vor Ort sind, ist davon aber hierzulande nur wenig zu spüren. Zwar schauten auch deutsche Anbieter verstärkt auf die Kosten, aber der Stellenabbau geschehe sozialverträglich und damit „nahezu geräuschlos“, meint Schambach. „Fälle wie der von Fidelity, über die Anfang März bekannt wurde, dass sie planen, rund 1.000 Mitarbeiter zu entlassen, nehmen wir auch hier zur Kenntnis, aber haben gleichzeitig den Neuaufbau des Asset Managements bei der Commerzbank vor Augen, die zahlreiche Führungspersönlichkeiten und Spezialisten von Wettbewerbern abwirbt“, schildert sie weiter. So ergibt sich ein insgesamt heterogenes Bild im Rekrutierungsmarkt, das allerdings nicht davon ablenken sollte, dass das Klima im Asset Management insgesamt rauer wird.

Nach wie vor ist Deutschland für internationale Akteure ein interessanter Markt. Das Institut für Vermögensverwaltung der Technischen Hochschule Aschaffenburg geht heute bereits von 400 deutschlandweiten unabhängigen Vermögensverwaltungen aus. Doch der Markt wächst weiter. Immer mehr expandieren hierzulande, wollen von der starken Volkswirtschaft profitieren und gründen Vertriebseinheiten. Vertriebseinheiten, die fähiges Personal benötigen – doch das ist immer schwerer zu finden. „Den allgemeinen Fachkräftemangel bemerken wir auch im Asset- und Wealth Management“, stellt Headhunterin Schambach fest.

Mitarbeiter zu verprellen, wird zum kostspieligen Fehler

In der Personalpolitik ergeben sich damit derzeit zwei zentrale Aufgaben im Asset Management: erstens, gute Führungspersönlichkeiten zu halten und zweitens, neue Talente für sich zu gewinnen. „Niemand möchte seine Leistungsträger verprellen“, erklärt Schambach. Gerade im heiß umkämpften Vertriebsgeschäft stünden ausreichend lukrative Angebote zur Verfügung. Eine wichtige Führungsfigur zu verlieren, heißt im Umkehrschluss, diese noch teurer nachbesetzen zu müssen. Je nach Position und Anforderungsprofil dauert die Suche nach einem Nachfolger im Vertrieb zwischen drei und sechs Monaten.

Da kommt es nicht sonderlich gelegen, dass Indigo Headhunters branchenweit rückläufige Boni wahrnimmt. Die Expertin macht hierfür das schlechte Geschäftsjahr 2023 verantwortlich, welches die Margen der Asset Manager beschnitt. Die Sparprogramme treffen jedoch nicht jeden. Leistungsträger blieben davon verschont, um sie nicht zu verärgern. Doch wen Einbußen treffen, der könne dies durchaus als Botschaft verstehen. Soll jemand möglichst gehalten werden, wird unterdessen vermehrt versucht, Perspektiven aufzuzeigen. Neben finanziellen Anreizen geschieht dies vor allem über attraktive Positionen im Unternehmen, die Bereitstellung von Mitarbeitern oder reizvolle Jobtitel.

Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

LinkedIn
URL kopieren
E-Mail
Drucken