Der Markt für deutsche Immobilienspezialfonds hat zum Jahresende 2025 ein positives Signal gesendet. Mit einem Nettomittelaufkommen von 1,9 Milliarden Euro im vierten Quartal konnte ein überdurchschnittlich starkes Ergebnis erzielt werden und die Jahresbilanz stabilisiert werden. Insgesamt flossen nach Angaben des Beraters Kommalpha 2025 rund 4,8 Milliarden Euro in die Vehikel. Das entspricht einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr, jedoch weiterhin klar im positiven Bereich.
Bemerkenswert ist dabei vor allem die Stabilität auf Investorenseite. Altersvorsorgeeinrichtungen bleiben mit 1,9 Milliarden Euro die wichtigste Kapitalquelle, gefolgt von Versicherungen und weiteren institutionellen Investoren. Trotz eines herausfordernden Marktumfelds zeigen sich somit keine Anzeichen für Kapitalabflüsse im indirekten Immobiliengeschäft.
Ein Indikator für die Stimmungsaufhellung ist der erstmals gestiegene Long-Term CAIPI, der die langfristige Vertriebsdynamik misst. Der Anstieg signalisiert eine vorsichtige Rückkehr von Vertrauen und strategischer Allokationsbereitschaft institutioneller Investoren.
Parallel dazu eröffnet sich ein weiteres Themenfeld mit wachsender Relevanz für institutionelles Kapital: die Transformation kirchlicher Immobilien im Kontext von Social Impact Investing. Angesichts von rund 160.000 kirchlichen Gebäuden in Deutschland – von denen ein erheblicher Teil vor grundlegenden Neuausrichtungen steht – gewinnt die Frage nach nachhaltigen Nutzungskonzepten an Bedeutung.
Das Institut für Corporate Governance in der deutschen Immobilienwirtschaft (ICG) hat im Rahmen seiner Social Impact Investing Initiative (SII) die neue Praxishandreichung „Kirche im Prozess“ veröffentlicht. Die Publikation zeigt erstmals einen strukturierten, interdisziplinären Handlungsfahrplan für die Transformation kirchlicher Liegenschaften – und liefert damit einen konkreten Beitrag zur Stärkung des „S“ in ESG. Gerade für institutionelle Investoren eröffnen sich hier potenziell neue Investmentfelder, die neben Renditeaspekten auch gesellschaftliche Wirkung adressieren.
Die Verbindung beider Entwicklungen ist offensichtlich: Während klassische Core- und Core-Plus-Investments weiterhin Stabilität liefern, könnten Impact-orientierte Strategien – etwa im Bereich sakraler Bestände – künftig eine ergänzende Rolle in der strategischen Asset-Allokation spielen. Voraussetzung bleibt jedoch ein strukturierter, transparenter Transformationsprozess sowie die Integration sozialer und kultureller Bewertungsdimensionen.
Goran Culjak ist Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- & Investmentnachrichten. Davor arbeitete er bei PLATOW als Fachredakteur für Versicherung und Altersvorsorge und etablierte die Risikomanagementkonferenz. Der Diplom-Betriebswirt (FH) startete 2004 als Pressereferent bei Union Investment seine berufliche Laufbahn.

