Cat Bonds: Wetten auf Naturkatastrophen werden stärker nachgefragt

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Das verheerende Hochwasser, das im Juni dieses Jahres über Süddeutschland geschwappt ist, hat drei Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal die Diskussion um Pflichtversicherungen für Elementarschäden neu aufkommen lassen. Denn die immense Zerstörungskraft des Wassers führt zu der Frage, wie sich die Schäden durch Naturkatastrophen heute und in Zukunft eigentlich bezahlen lassen.

Vor dieser Frage standen im Jahr 1992 auch US-amerikanische Versicherer, als der Hurrikan Andrew über den US-Bundesstaat Florida hinwegfegte und für eine Schadensumme von 17 Milliarden US-Dollar sorgte. Die Versicherungswirtschaft hatte die Risiken einer solchen Naturkatastrophe zuvor massiv unterschätzt und war

Zusätzliche Attraktivität erhalten Katastrophenanleihen dadurch, dass sie als Diversifikator in institutionellen Portfolios ihre Wirkung entfalten können. Ihre Korrelationen zu traditionellen Asset-Klassen wie globalen Aktien, Zinsen, Rohstoffen, High Yield, Hedge Funds oder auch Gold gehen gegen null. Ihren stabilisierenden Effekt zeigten Cat Bonds zum Beispiel beim Platzen der Dotcom-Blase 2001, während der Finanzkrise 2008/2009 oder der Coronapandemie des Jahres 2020, auf deren Höhepunkten sie jeweils von Marktturbulenzen verschont blieben. „Diese außerordentliche Stabilität der Performance der Asset-Klasse liegt in der fehlenden Kausalität zwischen Kapitalmarkt- und Naturkatastrophenereignissen begründet“, erläutert Dirk Schmelzer, Partner und Senior Portfoliomanager beim Schweizer Cat-Bond-Spezialisten Plenum Invest.

Dagegen ist der Cat-Bond-Markt selbst kaum diversifiziert. Er weist eine hohe Konzentration auf Sturmrisiken in den USA auf. Deutsche Versicherer, die bisher Cat Bonds aufgelegt haben, sind in der Regel international ausgerichtet. Doch zu Jahresbeginn 2024 hat der Konzern Versicherungskammer als erster öffentlich-rechtlicher Versicherer einen Cat Bond emittiert und damit gezeigt, dass diese Asset-Klasse auch für mehrheitlich in Deutschland tätige Unternehmen umsetzbar und werthaltig sein kann. Die Anleihe der Münchner hat ein Gesamtvolumen von 175 Millionen Euro und schützt die Kompositversicherer des Konzerns über einen Rückversicherungsvertrag mit einer Laufzeit von drei Jahren. Abgedeckt werden die vier wesentlichen Naturgefahren Sturm, Hagel, Überschwemmung und Erdbeben auf eine Schadenhöhe im Falle eines Kumulereignisses, die für den Bestand des Erstversicherers individuell festzulegen ist. „Schadenereignisse wie die Flutkatastrophe im Ahrtal und Modellierungsergebnisse für Naturgefahren zeigen einen höheren Absicherungsbedarf“, so Frank Walthes, Vorstandsvorsitzender des Konzerns Versicherungskammer. „Als größter öffentlicher Versicherer und einer der führenden Gebäudeversicherer sehen wir uns in der Verantwortung, das Risiko für unsere Kunden und Stakeholder zu reduzieren.“

Stichwort Risiko: Risikolos sind Cat Bonds natürlich nicht, denn sie sind letztlich eine Wette gegen eine Katastrophe. Die Zahlungsverpflichtungen oder Tilgungsansprüche dieser verbrieften Schuldverschreibungen hängen an exakt definierten Naturereignissen, sogenannten Triggern. Bleibt die Naturkatastrophe während der Laufzeit aus, erhält der Gläubiger jährlich Kuponzahlungen und die komplette Rückzahlung des Nennwerts der Anleihe. Kommt es aber zu einem Trigger-Ereignis, verfällt der Tilgungsanspruch, und das eingesammelte Kapital kommt den Betroffenen der Katastrophe zugute. Im Worst Case erleidet der Cat-Bond-Investor also Totalverlust.

Für das Risiko, das ein Investor eingeht, winken ihm attraktive Renditen, die mit jährlich 5 bis 7 Prozent über denen von Investment-Grade-Anleihen liegen. Der Global-Cat-Bond-Index des Rückversicherers Swiss Re lieferte zwischen 2002 und 2018 sogar durchschnittlich 7,2 Prozent pro Jahr. Wer das Ausfallrisiko begrenzen möchte, kann auf Cat-Bond-Fonds oder -ETFs zurückgreifen. Sie investieren in verschiedene Konstruktionen von Katastrophenanleihen und liefern jährliche Erträge von 3 bis 8 Prozent. Vor empfindlichen Verlusten sind aber auch sie nicht geschützt. Zum Tragen kommt der Cat-Bond-Markt erst dann, wenn die versicherten Schäden außerordentlich hoch sind. „In den letzten 23 Jahren gab es wenige Einzelereignisse, die letztendlich zu hohen Abschreibungen im Cat-Bond-Markt geführt haben“, weiß Plenum-Experte Schmelzer. „Dies bedeutet, dass die Mehrheit der Schäden in den Bilanzen der Erst- und Rückversicherer steckengeblieben ist.“ Daher seien die sogenannten Sekundärrisiken – Waldbrände, Hagel oder Starkregen – viel häufiger für Gesamtschäden verantwortlich als die Tail Risks. So seien nur in drei der vergangenen 23 Jahren Hurrikans oder Erdbeben die primäre Ursache für hohe Schadensummen gewesen.

Da Cat Bonds gut auf ESG-Grundsätze abgestimmt sind, eignen sie sich auch für Investoren mit einem nachhaltigen Investment-Ansatz. Als wichtige Finanzierungsquelle für Katastrophenhilfe können sie dazu beitragen, ökologische und soziale Auswirkungen von Naturkatastrophen zu mildern. Und indem sie Versicherern die Offenlegung detaillierter Risikoinformationen abverlangen, fördern Katastrophenanleihen zudem Transparenz und Risikomanagement in der Versicherungsbranche. Denn diese Informationen können Investoren helfen, fundiertere Anlageentscheidungen zu treffen, während gleichzeitig Versicherer dazu ermutigt werden, ihr Risikomanagement nachhaltig und ESG-konform umzustellen. Gleichzeitig werden viele Cat Bonds von NGOs und anderen gemeinnützigen Organisationen wie der Weltbank gesponsert, die erkannt haben, dass die Verringerung der Versicherungsschutzlücke in Entwicklungsländern eine Voraussetzung für die Beseitigung von Armut ist.

Dessen ungeachtet steht der globale Markt für Cat Bonds weiterhin im Fokus von Nischen-Hedgefonds-Investoren. Nach Angaben von Bloomberg zählen Tangency Capital, Tenax Capital und Fermat Capital Management zu den Hedgefonds, die im Jahr 2023 Rekordrenditen mit Cat Bonds und anderen versicherungsgebundenen Wertpapieren erzielen konnten. Das lässt auch andere Investoren und Asset Manager aufhorchen. So stieg das Angebot an Cat Bonds im vergangenen Jahr deutlich an. Laut Bloomberg hoben die Versicherer ihre Emission um 50 Prozent an.

Patrick Daum ist Chef vom Dienst bei dpn-online. Er berichtet über alle Themen rund um das institutionelle Asset Management.

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