Geopolitik hält auch die Vermögensverwalter der reichsten Familien der Welt in Atem. Das zeigt der aktuelle Global Family Office Report der J.P. Morgan Private Bank. Jedes fünfte der 333 befragten Family Offices nennt geopolitische Spannungen als größtes Anlagerisiko, doppelt so häufig wie jeden anderen Faktor. Internationale Offices sehen das Thema noch brisanter als amerikanische. 74 Prozent zählen Geopolitik zu ihren Top-5-Risiken, in den USA sind es 57 Prozent.
Private Equity dominiert die Portfolios
Die Portfolios sind dennoch auf Wachstum statt Risikoaversion getrimmt. Drei Viertel der Assets stecken in Aktien und alternativen Anlagen, wobei Private Investments mit knapp 31 Prozent den Löwenanteil ausmachen. Besonders Private Equity ist gefragt. Fast jeder zehnte Dollar liegt dort, gefolgt von Immobilien mit 7,4 Prozent. Mehr als ein Drittel plant zudem, die Private-Equity-Quote in den kommenden Monaten zu erhöhen. Bei keiner anderen Anlageklasse ist der Zuspruch größer. US-Offices gehen dabei deutlich offensiver vor als ihre internationalen Pendants. 34 Prozent Private Investments stehen knapp 26 Prozent gegenüber.

Paradox wird es beim Thema Inflation. Sechs von zehn Befragten nennen sie als Top-Risiko, doch die wenigsten schützen sich klassisch dagegen. Fast 80 Prozent halten keine Infrastruktur-Investments, 72 Prozent kein Gold, 89 Prozent keine Kryptowährungen. Nur jene Minderheit, die Inflation wirklich ernst nimmt, handelt in dieser Logik konsequent. Sie allokiert fast 60 Prozent in Alternative Investments und hält doppelt so viel in Hedgefonds und Immobilien wie der Durchschnitt. Die globale Goldquote dümpelt dennoch bei 0,9 Prozent und auch der volatile Bitcoin spielt mit 0,2 Prozent praktisch keine Rolle.
KI-Ambitionen ohne passende Allokation
Beim Megathema Künstliche Intelligenz klaffen Wunsch und Wirklichkeit noch weiter auseinander. Zwei Drittel der Family Offices wollen in KI investieren, doch mehr als die Hälfte hat null Exposure zu Growth Equity oder Venture Capital. Also jenen Segmenten, in denen die KI-Revolution stattfindet. Dabei dominiert KI die Investment-Themen klar vor Healthcare-Innovation und Infrastruktur-Assets das Interesse der Family Offices. Regionale Unterschiede zeigen sich bei Automation und Robotik. Internationale Offices setzen mit 40 Prozent deutlich stärker darauf als US-amerikanische mit 29 Prozent.
Auch die Liquiditätshaltung wirkt widersprüchlich. Fast ein Drittel parkt mehr als zehn Prozent in Cash. Gleichzeitig planen 21 Prozent, ihre Bargeldquote zu senken, mehr als bei jeder anderen Assetklasse. Auch US-Aktien sollen reduziert werden, nachdem sie jahrelang stark zugelegt haben. Das deutet auf vorsichtige Gewinnmitnahmen hin. Für europäische Aktien gilt das Gegenteil. Ein Drittel will dort aufstocken, bei internationalen Offices sogar mehr. Investoren sehen hier bessere Bewertungen und Chancen im Bereich Sicherheit, Verteidigung und Energie.
Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

