Fixed Income erlebt eines seiner schwierigsten Jahre. Wie es AXA Investment Managers dennoch gelingt, Outperformance zu liefern, und welche Rolle Größe dabei spielt, erläutert Marion Le Morhedec, Global Head of Fixed Income.

dpn: Frau Le Morhedec, Sie verantworten bei AXA IM den Bereich Fixed Income. Die Arbeit hat Ihnen sicherlich schon mal mehr Spaß gemacht als in diesem Jahr.

Marion Le Morhedec: 2022 war bisher klar eines der schwierigsten Jahre aller Zeiten für den Fixed-Income-Markt. Schon die vergangenen zwei Jahre waren schwierig, aber in diesem Jahr hat der Krieg in der Ukraine zusätzlichen negativen Einfluss genommen, da die Inflation und die damit verbundenen Maßnahmen der Zentralbanken die Märkte für festverzinsliche Wertpapiere mit einer deutlichen Neubewertung der Zinssätze angetrieben haben. Aber es gibt immer Anlagemöglichkeiten. Dieses Jahr haben beispielsweise kurzlaufende inflationsindexierte Anleihen im Bereich Fixed Income positive Renditen erzielen können.

In Europa und den USA steigen die Zinsen wieder. Nimmt die Nachfrage von institutionellen Anlegern nach Fixed-Income-Lösungen wieder zu?

Definitiv. Wir haben bereits ein großes Interesse an inflationsgebundenen Strategien verzeichnet, und institutionelle Anleger interessieren sich zusehends für Kreditstrategien, wie wir aus vielen Gesprächen mit ihnen entnehmen können. Es sind unsere anspruchsvollsten Kunden, und sie ziehen festverzinsliche Anlagen wieder in Betracht, da die langfristigen Bewertungen sehr attraktiv geworden sind. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir zum Jahresende sehr attraktive Einstiegsmöglichkeiten für Investoren sehen werden. Welche Lösungen erhalten Kunden von AXA IM? Wir sind einer der größten Fixed-Income-Manager. In diesem Segment managen wir 520 Milliarden Euro, davon allein 230 Milliarden Euro mit Kreditstrategien. Aufgrund unserer Größe können wir unseren Kunden jede Art von Lösung anbieten. Im Moment erkennen wir das größte Interesse in den Bereichen Global und European Credit sowie bei inflationsgesicherten Lösungen. Für Strategien für Schwellenländer oder High Yield, wo wir ebenfalls eine starke Expertise haben, ist es noch ein bisschen zu früh. Solange das Inflationsrisiko hoch bleibt, sind Investoren bei solch riskanteren Segmenten zurückhaltender.

Welchen Mehrwert bietet AXA IM gegenüber anderen Anbietern von Fixed Income?

Eine unserer größten Stärken ist unsere Größe. Wir sind ein globaler Anbieter mit globalen Experten. Das ist besonders bei Fixed Income ein nicht zu unterschätzender Faktor. Mit Assets under Management von mehr als 520 Milliarden Euro in Fixed Income erhalten unsere Portfoliomanager besten Zugang zu Markt- und Emittenteninformationen. Ich denke nicht, dass kleinere Wettbewerber da mithalten können. Dadurch erhalten wir auch die besten Informationen zu Marktentwicklungen. Und durch unsere Größe haben wir auch keine Probleme, Aufträge auszuführen. Dank unseres Fixed Income Trading Desks bieten wir Zugang zu Liquidität.

Am Ende interessiert den Anleger aber, was an Rendite bleibt.

Klar. Und das Ziel unserer Portfoliomanager, die eine Benchmark-Strategie haben, ist es, Outperformance zu liefern. Insgesamt funktioniert das im Rentenbereich in steigenden Märkten besser. Doch in diesem Jahr mit den äußerst schwierigen Märkten haben dennoch 70 Prozent unserer Fonds und Mandate ihre Benchmark schlagen können. Das liegt natürlich auch an der langjährigen Erfahrung unserer Manager und ihren umfassenden Kenntnissen der Marktgegebenheiten.

Entscheidend ist die Outperformance nach Kosten. Sonst wären passive Strategien attraktiver. Mit welchen Gebühren müssen Investoren bei Ihnen kalkulieren?

Uns ist klar, dass wir Performance liefern müssen, sonst nutzen die Investoren passive Strategien. Wir müssen kreativ sein und den Kunden auf sie zugeschnittene Lösungen anbieten. Beim Thema ESG gelingt uns das zum Beispiel. Viele institutionelle Kunden haben eigene ESG-Vorgaben, und sie kommen zu uns, damit wir sie dabei unterstützen, ihre Portfolios zu dekarbonisieren. Mit der ESGIntegration können wir uns von passiven Strategien unterscheiden. Und natürlich ist es wichtig, die Märkte im Blick zu haben. Unsere Kunden wollen verstehen, was die Märkte bewegt. Hier können wir Beratung bieten, was passive Anbieter nicht können. Wir wollen stets sicherstellen, dass unsere Strategien eine solide und eindeutige Grundlage haben, damit unsere Kunden die Performance ihrer Strategien verstehen.

Wie implementieren Sie denn ESG-Kriterien?

Wir haben bei AXA IM entschieden, ESG im gesamten Unternehmen zu verankern. Wir alle sind Teil des Teams für nachhaltiges Investieren. Wir wollten jemanden im Frontoffice haben, der alle Bemühungen in Bezug auf ESG leitet – von der Gestaltung des Rahmens bis zur Implementierung in die Portfolios. Für den Bereich Fixed Income habe ich daher einen Head of Fixed Income Sustainability ernannt. Für unsere Portfoliomanager bieten wir verschiedene Weiterbildungen an, wie den CFA ESG. Und natürlich sind Daten entscheidend. Wir wollen die ESG-Scores und KPIs für sämtliche Emittenten, in die wir investieren, in unser Frontoffice- System integrieren

Das ist gerade im Rentenbereich nicht einfach, die Datenlage dort ist recht dünn.

Wir versuchen, das Problem mit einem großen Team von 40 Kreditanalysten zu beheben. Auch das ist ein Vorteil davon, dass wir ein großes Haus sind. Mit den Analysten arbeiten wir sehr eng zusammen, und diese sind wiederum nah dran an den Unternehmen. Mit Blick auf das Klima-Engagement, das beim Thema ESG unser Hauptfokus ist, haben wir alle Emittenten, in die wir investieren, farblich sortiert. Von den schlechtesten in Rot bis zu den besten in Dunkelblau. Dieses Rahmenwerk ist sehr solide, basiert stark auf den Einschätzungen der vom Portfoliomanagement unabhängigen Analysten und erlaubt den Portfoliomanagern, ein Portfolio auf der Grundlage des Fachwissens der qualitativen Analyse aufzubauen, die die quantitativen Inputs ergänzt.

Wie sieht es mit dem S und dem G in ESG aus?

Das Thema Governance wurde schon vor vielen Jahren im Rentenbereich integriert. Im Prinzip geht es ja schon immer darum, wie Unternehmen strukturiert und aufgebaut sind. Wenn es um den sozialen Faktor geht, haben wir im Bereich Fixed Income eine Reihe an Initiativen gestartet. So haben wir zum Beispiel seit Januar 2022 einen Social-Bond-Fonds im Angebot – das ist eine Strategie, in die wir schon seit längerem für unsere Versicherungsfonds und manche nachhaltigen Strategien investieren.

Wird der Social-Bond-Fonds von institutionellen Anlegern nachgefragt?

Wir sehen die ersten Interessenten, aber noch nicht viele Zuflüsse, doch in der Strategie verwalten wir schon 3,2 Milliarden Euro. Aber als Umweltthemen erstmals aufkamen, hat es auch lange gedauert, bis Investoren eingestiegen sind. Und inzwischen ist ein Trend daraus geworden. Das liegt aber auch daran, dass Europa beim Thema ESG politisch sehr von der E-Säule dominiert ist. Der soziale Bereich ist deshalb noch nicht so stark in den Köpfen der Investoren angekommen. Aber ich merke schon, dass immer mehr darüber gesprochen wird. Da dürfte es in den kommenden Jahren interessante Entwicklungen geben – die Anlageklasse wird zunehmend diversifizierter und liquider werden.

Zurück zur Inflation. Sie sprachen inflationsgeschützte Rentenfonds an. Solche Strategien dürften im aktuellen Umfeld ein großes Thema bei Investoren sein.

Absolut. Und das schon seit fast zwei Jahren. Wir haben verschiedene Lösungen in diesem Bereich entwickelt. Als sehr erfolgreich hat sich die „Global Inflation Short Duration“-Strategie mit einem Vermögen von 5,2 Milliarden Euro entwickelt. Die Strategie investiert in globale inflationsgesicherte Staatsanleihen mit Laufzeiten unter fünf Jahren. Diesem Teil der Kurve kommt eine starke Korrelation mit der realisierten Inflation zugute, sodass der Carry maximiert wird. Fällt die Inflation höher aus, als vom Konsens erwartet, profitiert der Anleger von einer Neubepreisung der investierten Anleihen. Dadurch ist das Portfolio vor Inflation geschützt.

Und was passiert, wenn die Inflation wieder fällt?

Das ist eine Frage, mit der wir uns zunehmend beschäftigen. Dafür haben wir im Oktober 2021 die Strategie „Euro Inflation Plus“ aufgelegt. Sie verfolgt einen Total-Return-Ansatz und aktuell wird das Interesse daran von Investorenseite größer, da eine Stabilisierung der Inflation auf hohem Niveau erwartet wird. Da wir bei dieser Strategie sehr dynamisch die Duration managen können, liefert sie auch Performance, wenn die Inflationserwartungen wieder sinken. Und genau dafür haben wir diese Lösung auf den Markt gebracht. Noch ist es vielleicht ein bisschen früh, aber ich bin mir sicher, dass sie Anfang 2023 die attraktivste Inflationsstrategie sein wird.

Sie haben auch einen Sitz in Frankfurt.

Genau, dort sind wir mit vier Fixed Income Portfoliomanagern und über 100 Mitarbeitern vertreten. Es ist uns wichtig, dass wir für unsere deutschen institutionellen Kunden auch deutschsprachige Ansprechpartner haben. Denn das, was wir in den vergangenen zwei Jahren zum Beispiel im Bereich Inflationssicherung gemacht haben, müssen wir verständlich erklären können.

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