Mit der Gründung der WTW-Rentnergesellschaft zum 1. Juli 2025 hat der Beratungskonzern Willis Towers Watson (WTW) eine neuartige Lösung im deutschen Pension-Buyout-Markt etabliert. Unternehmen können damit ihre Pensionsverpflichtungen vollständig und rechtssicher auslagern – entweder über ein maßgeschneidertes Kapitalanlagekonzept oder über eine Rückdeckungsversicherung in Kooperation mit Munich Re.
„Mit der Gründung der WTW-Rentnergesellschaft schaffen wir eine eigenständige Lösung für Unternehmen: Die WTW Pensions Holding GmbH agiert als unabhängiger Risikoträger für die ausgelagerten Pensionsverpflichtungen. Unsere Lösung ist zudem so ausgestaltet, dass als Gesellschafterin der Rentnergesellschaft eine rechtsfähige deutsche Stiftung gegründet wurde“, erläutert Hanne Borst, Head of Retirement bei WTW, im Gespräch. Diese Stiftungsstruktur stellt nach Angaben des Unternehmens die langfristige Stabilität der Versorgung sicher und schützt auch vor künftigen Markt- oder Unternehmensänderungen.

Zwei Modelle für den Buyout
Die Buyout-Lösung von WTW ist als Full-Service-Angebot konzipiert. Von der Strukturierung über die Administration bis hin zur Rentenzahlung werden alle Prozesse aus einer Hand gesteuert. Die Auslagerung erfolgt in die neu gegründete Rentnergesellschaft, die unter dem Dach der WTW Pensions Holding GmbH angesiedelt ist.
Unternehmen haben dabei zwei Optionen:
- Kapitalanlagemodell
Hier wird das übertragene Pensionsvermögen im Rahmen eines maßgeschneiderten Investmentportfolios angelegt. WTW bringt dabei seine globale Investment-Expertise ein: Weltweit betreut der Konzern ein Anlagevolumen von mehr als 4,3 Billionen Dollar (AuA) und verwaltet aktiv rund 167 Milliarden Dollar (AuM). Die Kapitalanlagen sind so strukturiert, dass sie auf den Rentnerbestand des jeweiligen Unternehmens zugeschnitten sind.
Das Portfolio setzt sich typischerweise aus alternativen Kredit- und Sachwertanlagen, Investment-Grade-Anleihen, globalen Aktien sowie Euro-Staatsanleihen und Swaps zusammen. Ziel ist eine stabile, inflationsgeschützte Ertragsbasis bei gleichzeitiger Risikostreuung. „Wir können das Kapitalanlageportfolio optimal auf den Bestand der Versorgungsberechtigten zuschneiden“, erklärt uns Johannes Heiniz, Geschäftsführer der WTW Pensions Holding GmbH.

- Rückdeckungsmodell mit Munich Re
Alternativ können Unternehmen auf eine versicherungsförmige Lösung setzen. Dabei übernimmt Munich Re im Rahmen einer Rückdeckungsversicherung die Risiken aus den Pensionsverpflichtungen. Der entscheidende Unterschied zu traditionellen Versicherungsprodukten liegt in der Kalkulation: Während klassische Tarife auf dem starren Höchstrechnungszins von derzeit 1 Prozent beruhen, erfolgt die Kalkulation hier auf Marktzinsbasis. Damit sind die Konditionen nach Einschätzung von WTW deutlich attraktiver, da der Marktzins seit einigen Jahren spürbar über dem HGB-Rechnungszins liegt. Für Unternehmen bedeutet das nicht nur einen vollständigen Risikotransfer, sondern auch ökonomische Vorteile. „Die Rückdeckungslösung mit Munich Re bietet einen vollen Risikotransfer auf Marktzinsbasis – und das zu Konditionen, die deutlich attraktiver sind als bisherige Versicherungslösungen“, so Borst.
Günstige Rahmenbedingungen
Der Zeitpunkt für die Einführung der Rentnergesellschaft ist laut WTW bewusst gewählt. Der aktuelle Ausfinanzierungsgrad der DAX-Unternehmen liegt bei 87,1 Prozent (MDAX: 79,9 Prozent), getrieben durch steigende Rechnungszinsen und stabile Kapitalmärkte. „Der hohe Ausfinanzierungsgrad und die aktuellen Kapitalmarktbedingungen begünstigen einen Buyout zum jetzigen Zeitpunkt in besonderem Maße“, betont Heiniz.
Die Kombination aus Stiftungskonstruktion, Kapitalanlage und Rückdeckung hebt die Lösung deutlich von bestehenden Angeboten ab. Wann es zum ersten Abschluss kommt, darüber machen die beiden WTW-Experten im Gespräch keine Angaben. Nur so viel sagt Borst: „Viele Unternehmen suchen nach Wegen, Komplexität und Administrationsaufwand zu reduzieren und Risiken auszulagern. Das Interesse an der WTW-Lösung ist hoch.“
Goran Culjak ist Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- & Investmentnachrichten. Davor arbeitete er bei PLATOW als Fachredakteur für Versicherung und Altersvorsorge und etablierte die Risikomanagementkonferenz. Der Diplom-Betriebswirt (FH) startete 2004 als Pressereferent bei Union Investment seine berufliche Laufbahn.

