Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel erhöhen den Druck auf Unternehmen, sich über die betriebliche Altersvorsorge (bAV) als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Doch deutsche Firmen setzen dabei andere Schwerpunkte als ihre europäischen Nachbarn. Während in vielen Ländern die Verbesserung der „Employee Experience“ im Vordergrund steht, beschäftigen sich Unternehmen hierzulande vorrangig mit der Reduzierung des administrativen Aufwands.
Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Beratungshauses WTW, das im Sommer 466 europäische Unternehmen mit Verantwortung für über 900.000 Beschäftigte befragte. Darunter 65 deutsche, die 270.000 Mitarbeitende repräsentieren. Europaweit betrachten 70 Prozent der Befragten die bAV inzwischen als „strategisches Instrument zur Gewinnung und Bindung von Talenten“.
Zwischen Anspruch und Komplexität
Trotz dieser hohen strategischen Bedeutung sieht rund die Hälfte der deutschen Unternehmen die praktische Umsetzung der bAV als große Herausforderung. „Gerade in Deutschland sind die Strukturen der bAV durch die Vielzahl der Durchführungswege komplex“, erläutert Ira Guttenberg, Director Retirement bei WTW. Entsprechend hoch sei der Wunsch, Prozesse zu verschlanken und den Verwaltungsaufwand zu verringern. Parallel dazu bleibt das Risikomanagement zentral: Mehr als die Hälfte der deutschen Firmen strebt eine Reduktion von Bilanz- und Kostentreibern an. Dazu prüfen viele neue Modelle, etwa von Opting-out-Systemen oder flexiblere Investmentstrategien. „Auch eine stärkere Ausfinanzierung bestehender Verpflichtungen und eine gezieltere Steuerung der Kapitalanlage stehen weit oben auf der Agenda“, heißt es in der Studie.
Digitalisierung und individuelle Beratung
Ein entscheidender Hebel, um Komplexität zu verringern und die Reichweite der bAV zu erhöhen, liegt in der Digitalisierung. 55 Prozent der deutschen Unternehmen wollen den Einsatz von Online-Portalen und digitalen Tools ausbauen, fast jeder zweite Arbeitgeber in Deutschland plant zudem individuelle Beratungsgespräche zur Ruhestandsplanung. Europaweit ist der Trend noch ausgeprägter: Der Anteil der Unternehmen, die hier personalisierte Beratung anbieten, soll in den kommenden drei Jahren von 37 auf 61 Prozent steigen.
Trotz dieser Initiativen bleibt die finanzielle Bildung der Beschäftigten ein Schwachpunkt. Nur 17 Prozent der deutschen Unternehmen gehen davon aus, dass ihre Mitarbeitenden wissen, wie groß ihre Rentenlücke tatsächlich ist. Im europäischen Schnitt sind es immerhin 23 Prozent.
Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

