Zum sechsten Mal beleuchtet das Versorgungswerk von IG Metall und Gesamtmetall, „MetallRente“, die Haltung junger Menschen in puncto Altersvorsorge. Unter dem Titel „Jugend, Vorsorge, Finanzen“ befragte die Einrichtung rund 2.500 Menschen zwischen 17 und 27 Jahren zu dem Thema. Das Ergebnis: Die berechtigte Sorge vor der Altersarmut wächst, und noch immer muss viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.
Drei Viertel der jungen Menschen haben Angst
Bereits der Blick auf die finanzielle Situation vor dem Ruhestand ist kein optimistischer: Waren 2016 noch 85 Prozent der Befragten optimistisch, dass sie „einen guten Lebensstandard haben werden und sich leisten können“, so waren es neun Jahre später nur noch 62 Prozent, die dieser These zustimmen. Diese Einschätzung hat direkte Auswirkungen auf die Vorstellungen der jungen Menschen über die eigene Lebensplanung. Vier von zehn Befragten hegen Zweifel daran, sich eine eigene Familie überhaupt einmal leisten zu können. Das entspricht einem Zuwachs von 25 Prozentpunkten seit 2016.

Der pessimistische Blick auf die mittelfristige Zukunft hellt sich mit Blick auf die Zeit nach dem Arbeitsleben nicht auf. Die jungen Menschen gaben zu drei Vierteln an, Angst vor der Altersarmut zu haben. Unter den jungen Frauen war der Anteil noch größer.
Doch wenngleich die Notwendigkeit zur Altersvorsorge bewusst ist, fehlt es doch an Wissen, wie die repräsentative Umfrage zeigt: Nur jeder Dritte gibt an, sich gut mit dem Thema auszukennen. Da überrascht es nicht, dass sich eine überwältigende Mehrheit dafür ausspricht, die Rücklage für den Ruhestand innerhalb eines eigenen Schulfachs zum Thema Wirtschaft und Finanzen zu implementieren.
Pensionskassen wird bei der Altersvorsorge vertraut
Trotz des Wissensdefizits zeigten die jungen Menschen eine bemerkenswerte Bereitschaft zur Selbstverantwortung. 54 Prozent der Befragten geben an, bereits aktiv für ihre Altersvorsorge zu sparen. Weitere 34 Prozent gaben außerdem an, für anderes Geld beiseitezulegen.
Das Mittel der Wahl sind dabei Aktien und Fonds, die vor allem durch intuitive und app-basierte Lösungen große Verbreitung unter jungen Menschen finden. Dank der Zinswende werden auch Sparbuch, Festgeldkonto und Fixed-Income-Produkte beliebter. Die bAV landet zwar bei der Wahl der Kapitalanlage nur auf dem dritten Platz. Doch gelten Angebote zur Altersvorsorge aus dem Umfeld des eigenen Arbeitgebers, wie zum Beispiel der betrieblichen Pensionskassen, unter den Befragten als besonders vertrauenswürdig. Der Glaube an die erste Säule nimmt unterdessen ab. Nicht einmal mehr die Hälfte der Befragten vertraut noch auf die gesetzliche Rentenversicherung. 96 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Altersvorsorge lebenslang ausgezahlt werden sollte.

Doch trotz dieser klaren Vorstellungen bleibt die Unsicherheit groß, wenn es um die genaue Handhabung von Finanzanlagen geht. Nur etwa 54 Prozent der jungen Menschen wissen, dass Investitionen in einzelne Unternehmen typischerweise riskanter sind als breit gestreute Fonds. Ebenso fehlt es vielen an Verständnis für die Funktionsweise der gesetzlichen Rentenversicherung. Die Zeit für ein eigenes Schulfach „Finanzen und Wirtschaft“ scheint reif.
Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

