TRUMPF: Beitragszusage im Lebenszyklus

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Das Familienunternehmen TRUMPF mit Sitz in Ditzingen bei Stuttgart bietet seinen Beschäftigten in Deutschland bereits seit Jahrzehnten eine Betriebsrente an. 2021 hat der Anbieter von Produktionstechnik einen neuen Pensionsplan eingeführt. Der verfolgt eine Lebenszyklusstrategie über die Anspar- und die Rentenphase. Im Durchführungsweg der Direktzusage baut er auf einem Spezialfonds auf und stützt sich in der Kapitalanlage auf ETFs.

Stephen Schmid – seit vielen Jahren Head of Group Treasury & Insurance bei TRUMPF – verantwortet auch die Kapitalanlage für das Pensionsvermögen. Er kennt noch die alte TRUMPF Pensionskasse und hat vor rund 20 Jahren den Wechsel zu einem benefitorientierten Modell mit Renditegarantie erlebt. „Dieser Vorsorgeplan hat sich erstmals an den geleisteten Arbeitsstunden orientiert“, erklärt Schmid. „Wir hatten aber in den vergangenen Jahren das Zinsänderungsrisiko im Fokus, und deshalb haben Treasury und HR in Abstimmung mit dem Betriebsrat 2021 auf eine beitragsorientierte bAV umgesattelt.“

„Ein einfach strukturiertes Modell“

Von Corona und Lockdowns ließen sich die Verantwortlichen bei TRUMPF 2021 nicht aufhalten, sondern entwickelten und implementierten den neuen Plan innerhalb eines halben Jahres. „Uns war ein klar und einfach strukturiertes Modell ohne zusätzliches Beiwerk und verzichtbare Kosten wichtig – ein Modell, mit dem wir unseren Beschäftigten etwas Gutes tun können“, betont Stephen Schmid. Zudem umfasst die bAV eine Hinterbliebenenversorgung.

Stephen Schmid

Teilnahmeberechtigt sind alle unbefristet beschäftigten Tarifmitarbeiterinnen und -mitarbeiter an den deutschen Standorten Ditzingen, Hettingen und Gerlingen. Das sind aktuell rund 6.000 Beschäftigte. Dazu zählen Neuzugänge, aber auch Personen, die noch am alten Plan partizipieren. Die bisherige bAV hat das Unternehmen zum 31. Dezember 2020 geschlossen. „Natürlich bleiben die bislang erbrachten Beiträge weiter bestehen“, sagt der Head of Group Treasury & Insurance.

Im neuen Plan haben die Beschäftigten die Möglichkeit, über ihre vereinbarte Wochenarbeitszeit hinaus einzelne Stunden pro Woche zusätzlich zu erbringen. Die Wochenarbeitszeit legt der Arbeitgeber jährlich neu mit den einzelnen Beschäftigten fest. Die Stunden, die eine Person wöchentlich zusätzlich erbringt, rechnet das Unternehmen anhand eines Stundensatzes um und überträgt sie in die bAV. „Unsere Tarifbeschäftigten können zusätzlich ihre Gewinnbeteiligung oder Teile ihres Dezemberentgelts am Jahresende in Altersvorsorgebausteine umwandeln“, so Schmid.

Beitragsorientierung mit Mindestleistung

Auch die außertariflich bezahlten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben die Möglichkeit, Entgelt für die Altersversorgung umzuwandeln. Das bezieht sich insbesondere auf Bonuszahlungen und das Dezembergehalt. Für alle Beschäftigten, die am neuen bAV-Plan teilnehmen, – ob Tarifmitarbeiter oder AT-Beschäftigte –

gilt also: Jeder leistet einen individuellen Beitrag zu seiner Altersvorsorge, den der Arbeitgeber in Abhängigkeit von der individuellen Entgeltgruppe fördert. „Dadurch wollen wir bewusst Beschäftigte aus den unteren Tarifgruppen an die bAV heranführen“, betont Stephen Schmid. „Dem Vorstand um die Vorsitzende Nicola Leibinger-Kammüller ist es wichtig, dass möglichst viele Beschäftigte über die bAV zusätzlich für das Alter vorsorgen.“

TRUMPF fördert jeden umgewandelten Euro mit mindestens 50 Cent und maximal 100 Cent – je nach Entgeltgruppe. Im Durchschnitt matcht das Unternehmen die Altersvorsorge zu rund 60 Prozent. Dabei erhalten die unteren Entgeltgruppen eine Förderung von bis zu 100 Prozent. Hierzu gehören auch Auszubildende, Studierende an Dualen Hochschulen und Trainees. Die besserverdienenden AT-Beschäftigten erhalten entsprechend geringere Förderungen.

Das eingesammelte Vorsorgevermögen investiert TRUMPF über einen Treuhänder mittels einer CTA-Lösung am Kapitalmarkt. Dabei arbeitet das Unternehmen mit Amundi zusammen. „Wir geben Amundi vor, wie unser Kapital zu investieren ist“, sagt der Head of Treasury & Insurance. „Es muss breit und global über sämtliche Märkte gestreut werden.“ Zudem ist die Kapitalanlage des Großteils des Vorsorgevermögens sehr langfristig ausgerichtet. Der Grund: TRUMPF hat mit einem Durchschnittsalter von knapp unter 40 Jahren eine relativ junge Belegschaft. Entsprechend haben die meisten Beschäftigten einen Anlagehorizont von 20 bis 25 Jahren. „Den langen Zeithorizont berücksichtigen wir natürlich in der Anlagestrategie“, so Schmid. „Zugleich sind uns ein nachhaltiges Investment und ein kostengünstiges Management wichtig, weshalb wir eine passive Anlagestrategie über ETFs fahren.“ Das Unternehmen berücksichtigt in der Anlage des Pensionsvermögens auch nachhaltige oder grüne Investments.

Bislang beteiligen sich 63 Prozent der berechtigten TRUMPF-Beschäftigten am neuen bAV-Plan. „Damit sind wir insgesamt sehr zufrieden, für uns ist das ein Erfolgsmodell“, betont Schmid. „Ich gehe davon aus, dass die Teilnahmequote weiter steigen wird.“ Tatsächlich brauche ein neuer bAV-Plan eine klare Kommunikationsstrategie. „Wir müssen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei dem Thema mitnehmen, ihnen ein Stück Finanzwissen vermitteln, die Ängste vor der Kapitalanlage nehmen und ihnen zeigen, wo Chancen und wo Risiken sind.“ Entsprechend hat TRUMPF vor der Einführung des neuen bAV-Plans mit Plakaten, mit Nachrichten im Intranet, mit digitalen Infoevents per Teams und mit Flyern in der Entgeltabrechnung auf die Initiative hingewiesen.

Viele Beschäftigte lassen sich davon überzeugen, dass der neue Plan ihnen Chancen auf auskömmliche Renditen am Kapitalmarkt eröffnet. Dabei besteht für die umgewandelten Entgeltbestandteile kein Risiko, weil das Unternehmen die eingebrachten Beiträge der Beschäftigten, aber auch die TRUMPF-Förderung zum Zeitpunkt des Renteneintritts garantiert.

Zwei Auszahlungsvarianten

Ein weiterer Erfolgsfaktor des neuen bAV-Plans ist für Stephen Schmid die lebensphasenorientierte Kapitalanlage. „Für unsere Beschäftigten in jungen Jahren lassen wir stark renditeorientiert anlegen, und je näher der Renteneintritt rückt, desto sicherheitsbetonter wird die Kapitalanlage.“ Im Detail ist das Lebenszyklusmodell alterskohortenspezifisch. Während der Ansparphase ist die Kapitalanlage für die jungen Generationen chancenorientiert mit einem Aktienanteil von rund 70 Prozent und einem Rentenanteil von circa 30 Prozent ausgerichtet. Zwölf Jahre vor Renteneintritt rückt die Senkung des Risikos für das akkumulierte Kapital in den Fokus. Dabei sinkt der Aktienanteil deutlich, während die Anteile von Anleihen und vor allem Geldmarktfonds zunehmen.

Ab der Rentenphase bietet TRUMPF zwei Auszahlungsvarianten an: einen Einmalbetrag oder bis zu zehn Ratenzahlungen. Dabei lassen sich die Zeitabstände zwischen den einzelnen Ratenzahlungen nach dem individuellen Wunsch der Beschäftigten flexibel als Deferred Payment festlegen. Eine lebenslange Rente ist derzeit nicht vorgesehen.

Amundi hat für TRUMPF im Rahmen der Kapitalanlage des neuen Lebenszyklusmodells einen Spezialfonds aufgelegt. Um die strategische Asset-Allokation effizient zu steuern, führt die Kapitalanlagegesellschaft ein kontinuierliches Risikomanagement durch. So lässt sich das Gesamtrisiko des Lebenszyklusmodells über die Spezialfondsstruktur ganzheitlich überwachen. „Der hohe Aktienanteil kann unter Risikoaspekten eine gewisse Wirkung auf die Rückstellung und die Saldierung über das CTA im Rahmen der Direktzusage haben, so dass ein kontinuierliches Risikomanagement einen klaren Vorteil bietet“, erläutert Torsten Isecke von Amundi.

Torsten Isecke

Die Kapitalanlagegesellschaft definiert im Rahmen der Gesamtrisikosteuerung ein Risikobudget unter der Maßgabe „Value at Risk“. Die Lebenszyklusstrategie soll in der Anwartschaftsphase eine möglichst attraktive Rendite bei hoher Wahrscheinlichkeit des Kapitalerhalts erzielen. „Hier unterscheiden sich die prognostizierten Renditen je nach Anlagehorizont“, sagt Isecke. Für ältere Beschäftigte stehe der Kapitalerhalt im Vordergrund, für jüngere die Rendite. Während die Beiträge in der Ansparphase gesetzlich garantiert sind, besteht keine Garantieverzinsung. „Aber das Modell strebt eine möglichst hohe Verzinsung unter Berücksichtigung der Risikovorgaben an.“

Im Anlageuniversum sind die Investments breit diversifiziert über Anlageklassen und Regionen. „Wir schließen grundsätzlich keine Anlageklassen aus, fokussieren uns aber zunächst auf liquide Anlagen und werden zu einem späteren Zeitpunkt schauen, welche illiquiden Assets wir hinzunehmen werden“, so Isecke.

Amundi entwickelt das Lebenszyklusmodell für TRUMPF in drei Schritten. Im ersten Schritt wird ein Gleitpfad für das Risikobudget berechnet. „Dabei verwenden wir sehr langfristige Annahmen für die Makroklassen Cash, Anleihen und Aktien“, so Isecke. Im zweiten Schritt wandelt Amundi die Vermögenswerte der Ma-kroklasse in eine langfristige Strategische Asset-Allokation und in Anlageinstrumente um. Dafür unterteilt der Asset Manager die generischen Anlageklassen in Subanlageklassen. „Dabei geht es um eine optimale Diversifikation unter Berücksichtigung der aktuellen Kapitalmarktannahmen, hierbei werden neben den Asset-Klassen auch Regionen, Sektoren, Größe, Währungen in der Umsetzung durch die Wahl der Instrumente miteinbezogen.“

Im dritten Schritt unterzieht Amundi den abgeleiteten Lebenszykluspfad verschiedenen Stressszenarien. Dabei stehen Projektionen und Stresstests der Kombination der ersten beiden Stufen durch Monte-Carlo-Simulationen im Mittelpunkt. „Das machen wir für die Ansparphase und die Rentenphase, aber auch für die unterschiedlichen Optionen innerhalb der Rentenphase“, sagt Isecke. „Wir stellen diese Simulationen immer in Relation zu den gestellten Anforderungen, beispielsweise mal mehr zur Renditeorientierung, mal mehr zur Kapitalsicherung.“

Das Lebenszyklusmodell baut auf mehreren Modellierungen der Asset-Allokation im Spezialfonds auf, die aufeinanderfolgen und je nach Phase verschieden allokiert sind. Die Exposures von Aktien, Anleihen und Geldmarktfonds werden im Laufe des Lebenszyklusmodells umgeschichtet. Paral-lel sinkt das erwartete Risiko von Phase 1 bis Phase 3. In der Phase 1, der Kapitalakkumulation rund 30 Jahre vor dem Renteneintritt, setzt sich der Spezialfonds aus 70 Prozent Aktien und 30 Prozent Anleihen zusammen. Die Phase 2 beginnt etwa zwölf Jahre vor dem Renteneintritt und sieht in Jahresschritten mehrere Umschichtungen vor. So schrumpft der Aktienanteil bis zwei Jahre vor Renteneintritt auf 10 Prozent, während der Anleiheanteil auf 42 Prozent steigt. Neu hinzu kommt in Phase 2 ein Geldmarktanteil, der sich zwei Jahre vor Renteneintritt auf 48 Prozent beläuft. Diese Allokation des Spezialfonds bleibt auch in Phase 3, dem Renteneintritt, bestehen.

Ein weiterer Schritt in der Konstruktion des Lebenszyklusmodells ist die Struktur der Subanlageklassen. „Wir schauen, wie wir in der Phase der Kapitalakkumulation die 70 Prozent Aktien regional möglichst optimal aufteilen“, erläutert Torsten Isecke. „Hier steckt alles drin von Emerging-Markets-Aktien bis zu US-Aktien.“ Ebenso geht Amundi auf der Bond-Seite vor. „Dort schauen wir nach dem Bonitätslevel bei Staats- und bei Unternehmensanleihen.“ Die De-Risking-Phase endet zwei Jahre, bevor der finale Anlagehorizont und die Rentenphase erreicht sind.

Renditen in der Ansparphase

In der Ansparphase vor dem voraussichtlichen Eintritt in den Ruhestand beläuft sich die durchschnittliche, langfristig orientierte Rendite als interner Zinsfuß (IRR) über 20 Jahre im Lebenszyklusplan auf circa 5 Prozent, über 15 Jahre auf circa 4,5 Prozent und über zehn Jahre auf circa 4,25 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit des Kapitalerhalts beträgt in allen drei Szenarien jeweils rund 99 Prozent.

Die strategische Asset-Allokation lässt sich dank der kosteneffizienten Strategien einfach und flexibel implementieren. Amundi wendet bei TRUMPF eine Multi-Asset-Lösung aus ETFs an. Dabei setzt die Kapitalanlagegesellschaft die vereinbarte Lebenszyklusstrategie passiv um. Sie überprüft das Raster in regelmäßigen Abständen und führt ein systematisches Rebalancing durch. Amundi konzentriert sich weiter auf die Analyse und Selektion geeigneter ETFs. Am Ende steht TRUMPF ein Lebenszyklusplan mit einem breit und global diversifizierten Portfolio in einem austarierten Chance-Risiko-Verhältnis zur Verfügung.

Dr. Guido Birkner ist Chefredakteur von dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seit dem Jahr 2000 ist er für die F.A.Z.-Gruppe tätig. Zunächst schrieb er für das Magazin „FINANCE“, wechselte dann als Studienautor 2002 innerhalb des F.A.Z.-Instituts zu den Branchen- und Managementdiensten, später zu Studien und Marktforschung. Von 2014 bis 2020 verantwortete er redaktionell den Bereich Human Resources in der F.A.Z. BUSINESS MEDIA GmbH. Seit Juli 2019 gehört er der dpn-Redaktion an.

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