Die Allianz Lebensversicherung (Allianz Leben) befragte 1.000 Frauen in Deutschland zum Gender Pension Gap. Diese zweite Umfrage innerhalb von vier Jahren zeigt, dass das Bewusstsein für die geschlechtsspezifische Lücke im Alterseinkommen zwar wächst. Die Unsicherheit bleibt unterdessen weiterhin groß. Insbesondere junge Frauen sehen Handlungsbedarf und beschäftigen sich zunehmend mit ihrer Altersvorsorge.
Wachsende Sensibilisierung, anhaltende Wissenslücken
Im Vergleich zur letzten Befragung 2020 hat sich das Wissen über den Gender Pension Gap verbessert: Während damals 80 Prozent der Frauen der Unterschied im Alterseinkommen von Männern und Frauen nicht bekannt war, liegt dieser Anteil 2024 bei 75 Prozent. Katja de la Viña, Vorstandsvorsitzende der Allianz Lebensversicherung, kommentiert: „Ihnen ist bewusst, dass sie sich nicht allein auf die gesetzliche Rente verlassen können und dass sie handeln müssen.“
Die meisten Frauen unterschätzen jedoch die tatsächliche Größe des Gender Pension Gap. Während sie die Lücke im Durchschnitt auf 27 Prozent schätzen, liegt diese laut Statistischem Bundesamt (Destatis) tatsächlich bei über 40 Prozent. Selbst unter Berücksichtigung der Hinterbliebenenrente beträgt die Lücke immer noch 30 Prozent.
Frauen erhielten 2022 durchschnittlich 890 Euro gesetzliche Rente pro Monat, während Männer 1.373 Euro bekamen. Zusätzlich müssen Frauen aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung länger mit weniger Geld auskommen.
Pessimistische Zukunftsperspektiven
Der wachsende Pessimismus unter Frauen bezüglich ihrer Altersvorsorge ist besorgniserregend. 95 Prozent der befragten Frauen glauben, vom Gender Pension Gap betroffen zu sein. Rund zwei Drittel der Frauen rechnen im Alter mit einem gesunkenen Lebensstandard, 2020 waren es nur 43 Prozent.
Interessanterweise zeigt die Studie, dass sich jüngere Frauen im Alter von 20 bis 30 Jahren stärker mit ihrer Altersvorsorge beschäftigen. Während 2020 noch 45 Prozent der jungen Frauen angaben, sich noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben, waren es 2024 nur noch 15 Prozent. Dennoch fühlen sich 58 Prozent der jungen Frauen überfordert, wenn es um Altersvorsorge geht. Laut der Allianz-Erhebung ergreifen letztendlich erwerbstätige Frauen im Alter von 51-60 Jahren am häufigsten Maßnahmen für ihre Altersvorsorge.
Gender Pension Gap folgt auf Gender Pay Gap
Katja de la Viña betont die gesellschaftliche Relevanz des Gender Pension Gap: „Der signifikante Unterschied in der Vorsorge von Männern und Frauen betrifft uns als Gesellschaft. Wenn strukturell bedingt die Hälfte der Menschen kein ausreichendes lebenslanges Einkommen hat, kann uns das nicht egal sein.“
Zurückzuführen sind die Unterschiede in der Altersvorsorge schlussendlich auch auf die Unterschiede im Arbeitsleben. Hier lag der Gender Pay Gap, also der Unterschied im Gehalt, 2023 laut Destatis bei 18 Prozent. Zurückzuführen ist dies zu zwei Dritteln darauf, dass Frauen immer noch öfter in schlecht bezahlten Branchen und Berufen arbeiten. Außerdem gehen Frauen durchschnittlich weniger Stunden einer bezahlten Beschäftigung nach. Gleichzeitig leisteten sie 2022 jedoch rund 44 Prozent mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer – etwa 30 Stunden die Woche. Sechs Prozent des Einkommensunterschiedes können statistisch weder anhand der Berufswahl oder der Arbeitszeit erklärt werden.
Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

