MetallRente will die Zukunft der bAV gestalten

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
LinkedIn
URL kopieren
E-Mail
Drucken

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) steht in Deutschland am Beginn einer neuen Ära. Nie zuvor prägten so viele Herausforderungen – politische Umbrüche, Kapitalmarktturbulenzen, Nachhaltigkeitsanforderungen und der demografische Wandel – das Thema Vorsorge. Im Zentrum der Entwicklung steht die MetallRente, eines der größten branchenübergreifenden Versorgungswerke des Landes.

Die Ampelkoalition hat mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz II (BRSG II) nach Meinung vieler Experten sinnvolle Reformen angestoßen. Zur Umsetzung ist das Regelwerk aber nie gekommen. Von der neuen Bundesregierung war bislang über das weitere Vorgehen noch wenig zu hören. „Das BRSG II sollte nun zügig verabschiedet werden. Wir haben hier bereits zu viel Zeit verloren“, sagt Kerstin Schminke. Sie wirbt insbesondere für die Chancen der verbesserten Geringverdienerförderung bei Arbeitgebern und Beschäftigten. Gerade die anstehenden gesetzlichen Anpassungen gelten als essentiell, um mehr Beschäftigten Zugang zur bAV zu verschaffen und insbesondere sozial schwächeren Gruppen den Einstieg zu erleichtern.

Kurz vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe Ende Juli wurde bekannt, dass Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas das BRSG II in seiner letzten Form fast unverändert wieder auf die Tagesordnung gesetzt hat. Alle relevanten Verbände erhalten vom Bundesarbeitsministerium einen neuen Referentenentwurf zum BRSG II zur Anhörung. Ein großer Wurf war das Gesetzesvorhaben für viele jedoch nicht. Bleibt abzuwarten, ob die neue Anhörungsrunde nunmehr weitere deutliche Verbesserungen für die bAV mit sich bringt.

Info

Key Facts
1 Million Verträge: MetallRente verwaltet rund 1.000.000 Verträge zur kapitalgedeckten Altersvorsorge und Arbeitskraftabsicherung und ist damit das größte Branchenversorgungswerk Deutschlands.


50.000 Unternehmen: Die Angebote der MetallRente stehen Beschäftigten aus etwa 50.000 Unternehmen zur Verfügung.


Durchschnittliche monatliche Metallrente: Im Jahr 2025 lag die durchschnittliche monatliche Altersrente aus der MetallRente (Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds) bei 140 Euro (2021: 106 Euro).


Anzahl der Metallrentner: Zum 30. Juni 2020 erhielten nach Angaben von Vorunruhestand.de bereits 72.420 Menschen ihre Altersversorgung aus der MetallRente. Aktuell wird die Zahl der Bezieher auf rund 100.000 geschätzt. Bestätigt sind die Angaben zur Anzahl der Bezieher von MetallRente nicht.

Hansjörg Müllerleile geht sogar eine Ebene höher und verweist auf die europäische Dimension: „Ein sehr wichtiger Beitrag der Bundesregierung muss auch eine markante Positionierung im europäischen Kontext sein: Es ist wichtig, der Rolle der bAV im Rahmen der Kapitalmarktunion eine kraftvolle Stimme zu verleihen.“ Er hebt hervor, wie entscheidend es ist, sozialpolitische Ziele nicht zugunsten kurzfristiger finanzieller Mobilisierung aus dem Blick zu verlieren.

MetallRente solide gewachsen

Das Gesamtversorgungswerk verantwortet derzeit circa 980.000 Verträge in der betrieblichen und privaten Altersvorsorge für über 50.000 Kundenunternehmen und ist im vergangenen Jahr um 3,32 Prozent gewachsen. „Damit lagen wir auch 2024 über dem Marktschnitt“, hebt Schminke hervor. Besonders stolz ist sie darauf, dass die durchschnittlichen Jahresbeiträge zur bAV mit 1.236 Euro auf „erfreulich hohem Niveau“ liegen und jährlich steigen.

Auch in diesem Jahr setzt sich das Wachstum der MetallRente fort. Mit fast einer Million Verträgen zählt das Versorgungswerk zu den führenden Anbietern in Deutschland. Allein 2024 sind über 60.000 Neuverträge hinzugekommen, was vor dem Hintergrund einer insgesamt zurückhaltenden Marktentwicklung als Erfolg gewertet werden muss. Die Verzinsung der Vorsorgebeiträge bleibt mit 3,35 Prozent auf stabilem Niveau.

Im Vergleich mit anderen Branchen ist der Verbreitungsgrad der bAV in der Metall- und Elektroindustrie hoch. Allerdings sieht Müllerleile darin keinen Grund zur Selbstzufriedenheit: „Der Verbreitungsgrad ist im Branchenvergleich ordentlich, hat aber aus sozialpolitischer Perspektive auch noch Luft nach oben.“ Neben der Metall- und Elektroindustrie sind mittlerweile auch über 200 weitere Branchen bereits in der MetallRente organisiert – darunter Handwerksbranchen und wichtige Zukunftsberufe aus der Informationstechnologie. Die Modellhaftigkeit von der MetallRente liegt gerade in ihrer Offenheit für neue Branchen. Die sozialpartnerschaftliche Begleitung der bAV, also das Miteinander von Arbeitgebern und Gewerkschaften, sieht Müllerleile als tragende Säule des Erfolgs.

Reformen, Förderungen und Rahmenbedingungen

Seit Jahresbeginn greifen im Bereich der bAV weitreichende Neuerungen. Die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) auf 8.050 Euro monatlich erleichtert es Arbeitnehmern, größere Beträge steuerfrei für das Alter zurückzulegen. Für die bAV bedeutet dies: Bis zu 8 Prozent der BBG, also 7.728 Euro pro Jahr, können steuerfrei eingezahlt werden. Davon sind 4 Prozent, also 3.864 Euro, zudem sozialabgabenfrei. Besonders für Geringverdiener erhöht sich die Attraktivität der bAV dank gezielter staatlicher Förderung weiter. Auch das BRSG II sieht in seiner neuen Gesetzesinitiative eine Förderung der Geringverdiener weiter vor. Als Meilenstein ist die bAV-Initiative zu sehen, die
Arbeitgebern und Arbeitnehmern nochmals erhöhte Fördermöglichkeiten eröffnet und insbesondere Kleinbetriebe adressiert. Die Dynamisierung der Freibeträge für Krankenversicherungsbeiträge – 2025 liegt der Wert bei 187,25 Euro monatlich – entlastet viele Rentner merklich. In der Folge gewinnen insbesondere Direktversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds weiter an Bedeutung.

Geopolitik und Kapitalmarkt

Weltweite Krisenherde, ein unsicheres Zinsumfeld und hohe Kapitalmarktschwankungen stellen die Altersvorsorge auf die Probe. Als Gesamtversorgungswerk ist die MetallRente jedoch breit aufgestellt. „Wir verteilen Risiken über die Konsortialstruktur auf starke Schultern der führenden Lebensversicherer“, erläutert Müllerleile. Die Herausforderungen durch die aktuelle Marktsituation seien allerdings beachtlich, aber in der langfristigen Perspektive der Altersvorsorge auch nicht ungewöhnlich. Schminke ergänzt: „Für uns bestätigt sich gerade in der aktuellen Situation, dass in der bAV keine Schönwetterprodukte gefragt sind, sondern Produkte, die einen angemessenen Ausgleich zwischen Sicherheit und Ertrag über die Zeit und das starke Kollektiv ermöglichen.“ Beeindruckend ist: Trotz sinkender Marktzinsen hält MetallRente die Gesamtverzinsung für das Jahr 2025 bei 3,35 Prozent, während der Marktdurchschnitt vielerorts Rückgänge verzeichnet.

Nachhaltigkeit als Leitmotiv der Anlagepolitik

Fragen der Nachhaltigkeit spielen für die MetallRente eine zentrale Rolle: „Nachhaltigkeit ist seit Gründung der MetallRente in unseren Werten tief verankert. Nachhaltiges Investieren und die Berücksichtigung wesentlicher ESG-Standards haben bei MetallRente eine lange Tradition“, unterstreicht Müllerleile. Das kapitalgedeckte Fondsportfolio wurde bereits 2003 mit Nachhaltigkeitsstrategie aufgelegt und wird an den UN-Prinzipien für verantwortungsvolle Investments (UNPRI) ausgerichtet überwacht.

Gesetzliche Anforderungen und neue Richtlinien wie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verstärken 2025 den Trend zu nachhaltigen Portfolioausrichtungen. Die MetallRente positioniert sich hier als Vorreiter, heißt es.

Garantiemodelle und neue Wege der bAV

Auch die Frage nach Garantien bewegt viele Unternehmen. Gerade das sozialpartnerschaftliche Modell der bAV, das auch reine Beitragszusagen ermöglicht, war zuletzt in aller Munde. „Es ist Sache der Tarifvertragsparteien, den richtigen Weg für ihre jeweilige Branche zu prüfen. Wir begleiten als MetallRente diesen Prozess, aber kommentieren ihn nicht“, betont das Leitungsteam. Hier will sich das Versorgungswerk als neutraler Dienstleister begreifen, der die passenden Rahmenbedingungen bereitstellt.

Neben der Altersvorsorge bietet die MetallRente auch Produkte zur Arbeitskraftabsicherung an, insbesondere Risikolebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen. Schminke schildert: „MetallRente verantwortet neben den Verträgen zur betrieblichen und privaten Altersvorsorge derzeit auch Produkte zur Arbeitskraftabsicherung mit etwa 140.000 Verträgen.“ In den vergangenen Jahren sei die Nachfrage am Gesamtmarkt rückläufig gewesen, doch die jüngste Sortimentserneuerung habe die MetallRente wieder auf Wachstumskurs gebracht: „Die bereits leicht ansteigende Nachfrage zeigt uns, dass wir hier auf dem richtigen Weg, wenn auch noch nicht am Ziel sind.“

Transformation der Kernindustrien und Folgen für die bAV

Die Transformation traditioneller Schlüsselindustrien wie der Automobil- und Maschinenbaubranche ist in vollem Gange. „Die Herausforderungen in unseren Kernindustrien sind beachtlich, aber auch völlig unterschiedlich“, entwarnt Müllerleile. Die Tarifvertragsparteien haben es jedoch bisher stets verstanden, den wichtigen Ausgleich von Transformationseffekten, Beschäftigung und Arbeitsbedingungen zu organisieren. Er sieht in der bAV ein starkes Instrument, um dem wachsenden demografischen Fachkräftemangel zu begegnen: „Die bAV ist ein geeignetes Instrument für die Mitarbeitergewinnung und -bindung. Unternehmen haben diesen Vorteil verstanden, was wir an unseren Wachstumszahlen in der bAV auch sehen.“

Die bAV entwickelt sich angesichts neuer gesetzlicher Förderrahmen, wachsender Kapitalmarktanforderungen und gesellschaftlicher Transformationen rapide weiter. MetallRente macht vor, wie es gelingen kann, sowohl wirtschaftlich erfolgreich als auch sozialpolitisch relevant zu agieren – partnerschaftlich organisiert, wachsend und innovationsbereit. „Unser maßgebliches Ziel ist es auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten, den Menschen ein Zeichen von Stabilität und Verlässlichkeit zu geben“, bringt Schminke den Anspruch auf den Punkt. Die bAV bleibt damit ein zentrales Instrument zur Schließung der Rentenlücke. Das setzt voraus, dass gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen weiterhin aktiv gestaltet und an die Herausforderungen der Zukunft angepasst werden.

Goran Culjak ist Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- & Investmentnachrichten. Davor arbeitete er bei PLATOW als Fachredakteur für Versicherung und Altersvorsorge und etablierte die Risikomanagementkonferenz. Der Diplom-Betriebswirt (FH) startete 2004 als Pressereferent bei Union Investment seine berufliche Laufbahn.

LinkedIn
URL kopieren
E-Mail
Drucken