Die neue Realität des langen Lebens

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
LinkedIn
URL kopieren
E-Mail
Drucken

Die Lebenserwartung steigt, doch die finanzielle und auch mentale Vorbereitung hält nicht Schritt. Laut einer Erhebung von Fidelity International zusammen mit dem National Innovation Centre for Ageing (NICA) hinken weltweit zwei von fünf Menschen im Alter über 50 um mindestens zehn Jahre hinter ihrer Ruhestandsfinanzierung her. In Deutschland sind es sogar mehr als die Hälfte. Ein Drittel der insgesamt 11.800 Befragten aus 13 Ländern hat keinerlei Vorsorgeplanung betrieben, nur 15 Prozent suchen professionellen Rat.

Zahlen der Studie „Alterssicherung in Deutschland“ (ASID) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) aus diesem April bestätigen das Bild einer konservativen Rücklagenplanung auch für Deutschland. Demnach stammen mehr als die Hälfte der Alterseinkommen der heute 65-Jährigen und Älteren aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Pensionen oder Leistungen berufsständischer Versorgungswerke machen 17 Prozent der Altersvorsorge aus, und die Mittel aus der betrieblichen Altersversorgung kommen auf gerade einmal 7 Prozent. Laut der Deutschen Rentenversicherung lag die durchschnittliche Rentenleistung 2023 bei 1.152 Euro. Die durchschnittlichen Bruttobetriebsrenten betrugen laut BMAS im selben Jahr für westdeutsche Männer 730 Euro (365 Euro im Osten) und für westdeutsche Frauen rund 390 Euro (235 Euro im Osten).

Mit der finanziellen Planung kommt die Zuversicht

70 Prozent der über 50-Jährigen gehen laut Fidelity bereits davon aus, länger zu arbeiten. Sie rechnen jedoch zu 38 Prozent damit, dies „aus Freude an der Aktivität“ zu tun – und nicht aus finanzieller Not (26 Prozent). Laut dem Statistischen Bundesamt waren 2024 bereits 38 Prozent der Menschen jenseits des Renteneintrittsalters erwerbstätig; zudem ist inzwischen fast jeder Fünfte in dieser Alterskohorte armutsgefährdet.

83 Prozent der Befragten von Fidelity, die bereits einen konkreten Plan für ihre Altersvorsorge haben, fühlen sich emotional und physisch auf den letzten Lebensabschnitt vorbereitet – ohne Plan sinkt dieser Wert auf 65 Prozent. „Wenn die Finanzen gesichert sind, können Menschen in ihre Gesundheit investieren, soziale Kontakte pflegen und dem Ruhestand mit Zuversicht begegnen“, kommentiert Susanna Wooders, Country Head Germany bei Fidelity International.

Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

LinkedIn
URL kopieren
E-Mail
Drucken