Lebensversicherer haben Private Markets im Blick

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Das Interesse an sogenannten „Private-Markets-Policen“ hat seitens fondsgebundener Lebensversicherungen in Deutschland zugenommen. Das geht aus den Antworten von elf Vorständen und Produktverantwortlichen aus der Branche hervor, welche die französische Großbank BNP Paribas befragt hat. Die Teilnehmer decken laut BNP Paribas 45 Prozent des Marktes ab. Das gestiegene Interesse geht vor allem auf die gewachsenen Unsicherheiten bei den klassischen liquiden Asset-Klassen zurück.

So sehen die befragten Lebensversicherer in der geringen Korrelation zu traditionellen Anlageklassen einen zentralen Vorteil der Private Markets. Der gestiegenen Marktvolatilität an den Kapitalmärkten könnte so ein Stück weit die Stirn geboten werden. Mehrheitlich beurteilen die Befragten auch die Renditechancen als attraktiv.

Liquiditätsrisiko und regulatorische Bedenken

Mit Blick auf die Subsegmente hat Private Equity die Nase vorn. Neun von elf Anbietern bewerten die Unternehmensbeteiligungen positiv. Private Debt und Infrastrukturinvestitionen finden immerhin noch sechs Antwortgeber attraktiv. Für Christian Eck, Leiter Versicherungen Aktien bei BNP Paribas Corporate & Institutional Banking in Deutschland, ist auch der Einfluss des neuen Zinsumfelds weiterhin ein kritischer Faktor in der Bewertung der Private-Markets-Nischen: „Dort gilt es in der aktuellen Situation zu prüfen, welche Auswirkungen das erhöhte Zinsumfeld auf die teils starke Fremdkapitalisierung der Zielinvestments hat.“ Doch knapp drei Jahre nach der Zinswende sieht Eck viele Kapitalisierungsstrukturen inzwischen auf das neue Marktumfeld angepasst.

Anbieter von Lebensversicherungen sehen unterdessen das Liquiditätsrisiko von Private-Market-Lösungen als eine zentrale Herausforderung. Hinzukommen Sorgen rund um regulatorische Risiken. Eck nimmt hier die Gesetzgeber in die Nachbesserungspflicht: „Hier ist auch die Politik gefordert, stabile und verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen.“ Was Zweifel an der eigenen Expertise im Umgang mit Private-Market-Policen seitens der Lebensversicherungen anbelangt, plädiert BNP Paribas für eine engere Kooperation mit Partnern auf der Investmentseite.

Die Wettbewerbsfähigkeit der Produkte wird auch durch die Kostenstruktur beeinflusst. Eine moderate bis hohe Kostenbelastung der aktuellen Angebote kritisiert eine Mehrheit der Befragten. Die Anbieter von Private-Market-Fonds seien hier gefordert, eine Balance zwischen attraktiven Renditen und fairen Kosten zu finden, um im Wettbewerb bestehen zu können, so die Großbank.

Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

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