Wie sichern Milliardäre generationenübergreifend ihren Wohlstand? Worauf achten sie? Eine neue Studie von J.P. Morgan bringt Insights.

In einer großangelegten Studie befragte J.P. Morgan 77 Principles von Family Offices aus 18 Industrien, mit einem totalen Net Worth von 374 Milliarden US-Dollar. Neben den grundlegenden Anlegestrategien der vermögendsten Familien, ging J.P. Morgan insbesondere der Rolle eines übergeordneten Zusammenhalts- und Gemeinschaftscharakters – also dem Family Governance – auf den Grund.

Konfliktmanagement

“Zusammenhalt ist langfristig mehr Wert als einzelne spezifische Geschäfte”

Gerade in Familien mit vielen Mitglieder aus mehreren Generationen und großen Altersunterschieden können schnell Konflikte entstehen, die sich negativ auf das Investmentmanagement auswirken. Deshalb rieten viele Interviewte dazu, früh an der Kommunikation und dem internen Zusammenschluss zu arbeiten. Neben guter Kommunikation ist hierfür eine klare Rollenverteilung wichtig, in der jeder – insbesondere die jüngsten Mitglieder –  Aufgaben übernehmen dürfen und in Entscheidungen miteinbezogen werden.

Hierzu machten die 77 interviewten unter anderem folgende Angaben:

Quelle: J.P. Morgan

Quelle: J.P. Morgan

 

Wenn auch nur von 15 Prozent der Befragten umgesetzt, erscheint außerdem die Verabschiedung einer Family Charter besonders hilfreich. In dieser werden die grundlegenden Werte, Ansichten und Werdegang niedergeschrieben werden. Zusätzlich können in einer „Familienverfassung“ Lösungsansätze für Konflikte und eine Art der Familienkultur festgehalten werden, die so einfacher an jüngere Generationen weitergegeben werden können. „If they inherit a Rolls Royce, we must teach them how to drive“ zitiert J.P. Morgen einen Principal mit Verweis auf die Notwendigkeit, der nachfolgende Generation bestmöglich den Umgang mit Vermögen beizubringen. Hierfür gaben 48 Prozent an, die Nachfolgegeneration fortbilden zu lassen. Jeder Dritte verlangte berufliche Praxis außerhalb des eigenen Family Offices.

Quelle: J.P. Morgan

Quelle: J.P. Morgan

Kommt es trotz vorherig getroffener Maßnahmen wie einer Family Constitution zu Spannungen, folgen laut J.P. Morgans Studie die meisten in Puncto Family Governance einer der drei Strategien:

  • Sie folgen der Entscheidung eines endgültigen Entscheiders
  • Sie entscheiden per Wahl, deren Ergebnis nicht angefochten wird
  • Sie suchen eine gemeinsame Lösung

Dieses Konfliktmangement kann außerdem von klar festgehaltenen Entschädigungsregelungen begleitet werden. So sprachen sich 17 der Principles für klar festgelegte Schritte im Falle eines Shareholder Exits und knapp jeder Fünfte für verlässliche Kompensationsregelungen aus.

 

Philanthropie

“Wenn du kannst, gebe etwas zurück”

Auch Philanthropie und nachhaltiges investieren bleibt für Family Offices ein wichtiges Thema, wenngleich die Beweggründe hier stark divergieren. So gab rund drei Viertel der Befragten an, Philanthropie zu betreiben, um innerhalb der lokalen oder sogar globalem Community Impact zu generieren. Das steht im starken Kontrast zu nur 7 Prozent, die aus Glaubensüberzeugungen philanthropisch agieren.

Quelle: J.P. Morgan

Quelle: J.P. Morgan

 

Ebenso unterschiedlich ausgeprägt wie die Beweggründe, sind außerdem die Felder, in denen Family Offices hier aktiv sind. Die große Mehrheit, nämlich zwei von drei Principles engagieren sich nach eigenen Aussagen in Sachen Bildung. Dies schließt jedoch nicht nur Spenden an öffentliche Einrichtungen ein, sondern auch Zahlungen an die Alma Mater – die eigene (Ex-)Universität – und Schulen der eigenen Kinder ein. Neben dem neoliberalen Narrativ der „Hilfe zur Selbsthilfe“ werden derartige Zuwendungen außerdem als „good cause with exponential benefits“ verordnet.

Dass oft Schnittpunkte mit der eigenen Lebenschronologie ausschlaggebend für das eigene menschenfreundliche Verhalten ist, lässt sich mit Blick auf die 44 Prozent der Principles erklären, die angaben, im Bereich des Gesundheitswesen zu spenden. Oft entstehen derartige Engagements im Zuge eines Krankheitsfalls innerhalb der Familie oder werden in Gedenken an ein Familienmitglied ins Leben gerufen. Eben jene persönliche Verbindung zu Themen spiegelt sich auch in Engagements in Glaubensfragen, oder im Fall von Family Offices mit Migrationsgeschichte, in der Unterstützung des ehemaligen Heimatlandes.

J.P. Morgan sieht außerdem in den stetig stärker werdenden Auswüchsen des Klimawandels eine Erklärung für die wachsenden Engagements in Sachen Klimaschutz. Noch machen sie jedoch nur 20 Prozent aus, wie ein Blick auf die Studie verrät.

Quelle: J.P. Morgan

Organisiert wird die Philanthropie dabei oft von einer zentralen Familienstiftung, die wiederum mehrere Stiftungen unter sich vereint. So wird ein Roter Faden im Engagement der Familie bewahrt, während einzelne Familienmitglieder ihre ganz persönliche Expertise und Können in eigene Projekte, unterstützt von der Hauptstiftung, fließen lassen können.

 

Nachhaltige Investitionen

“Auf der Suche nach wahrhaftiger Nachhaltigkeit”

Quelle: J.P. Morgan

Dass nachhaltiges investieren bereits jetzt für Family Offices eine dominierende Rolle spielt, davon kann laut der Daten von J.P. Morgan noch keine Rede sein. Lediglich 11 Prozent gaben an, dass nachhaltiges Investieren für sie aktuell von zentraler Wichtigkeit sei. Der selbe Prozentsatz gab an, einen kleinen Teil des eigenen Portfolios für nachhaltige Assets zu reservieren.

Quelle: J.P. Morgan

Langfristig wird sich die Allokation in nachhaltige Assetklassen nicht vermeiden lassen – und so gaben 52 Prozent an, dass sie zumindest für die Zukunft in Betracht ziehen, sich derartig (neu) zu positionieren. Nicht desto trotz bleiben die Beweggründe hierfür auch in erster Linie Rendite getrieben, denn „these investment are driven solely by the attractive economis of megatrends that happen to be sustainable and environmentally friendly rather than by values alignment“, so J.P. Morgan. Und so spielt besonders für die älteren Generationen in Family Offices nachhaltiges Investieren bisher nur eine untergeordnete Rolle, auch weil das Konzept der ESG als solches teilweise mit Argwohn betrachtet wird. „ESG can be a marketing technique“, zitiert die Studie exemplarisch einen Family Office Principle.

 

Investment Strategien

“Es geht darum, Investitionen weiter zu professionalisieren”

Quelle: J.P. Morgan

Wie die vermögendsten Familien ihr Family Office organisieren, kann dabei sehr variieren. Fast zwei Drittel setzen dabei auf die Trennung von CEO und CIO. Ein Anstieg seit einer 2016 von J.P. Morgan durchgeführten Studie, bei der noch nur 37 Prozent auf eine derartige Rollentrennung setzten. Je komplexer das eigene Portfolio ist, desto häufiger setzten Family Offices außerdem auf verschiedene CIOs, die sich jeweils um eine Asset-Klasse kümmern. Im Gegensatz dazu lässt sich festhalten, dass je kleiner und überschaubarer die Cash Flows eines Family Office ist, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass der CEO auch als CIO in Erscheinung tritt. Oft ist die Struktur derartig aufgebaut, dass neben dem CEO die einzelnen Familienmitglieder in Form eines Investmentkomitees Zustimmungsprivilegien genießen und so in wichtigen Fragen von Asset Allokationen und Transaktionen eingebunden werden müssen.

Bezogen auf den Investmentstil lässt sich eine klare Präferenz für einen aktiven Investmentstil ausfindig machen:

Quelle: J.P. Morgan

 

  • 52 Prozent der Principles gab danach an, weniger als 10 Prozent in passive Investmentstrategien fließen zu lassen.
  • Lediglich jeder vierte investiert währenddessen 50 Prozent oder mehr passiv
  • Passive Investments fließen meist in hoch liquide Private Equity Märkte

Zusätzlich konnte J.P. Morgan eine verstärkte Fokussierung aus Privatinvestitionen ausmachen. Rund die Hälfte der Principles gab an, 50 Prozent und mehr der Family Asset Allokation auf Private Investitionen zu verwenden. Seit 2016 ist der Wert an getätigten Direktinvestitionen von Family Offices stark gestiegen. Waren es 2016 bei einer Anzahl von 134 Deals eine Summe von 33 Milliarden US-Dollar, waren es 2021 bereits 167 Milliarden US-Dollar bei 924 Deals.

Die Goals, die allgemein mit Direktinvestitionen erreicht werden sollen, lassen sich dabei mit Fokussierung oder Diversifikation des eigenen Businessbereichs umschreiben. So gab ein Principle, dessen Family Office in der Landwirtschaft und Lebensmittelherstellung aktiv ist, an, in eine Lebensmittelverpackungsfirma investiert zu haben. Im Gegensatz dazu, investierte ein im Öl- und Gasgeschäft agierendes Family Office in Firmen aus dem Gesundheitssektor, mit dem Ziel der Diversifizierung. Besonders beliebt bei Investition außerhalb des Kerngeschäfts der Familien: Der Technologiesektor, gefolgt vom Gesundheitssektor und Grundeigentum:

Quelle: J.P.Morgan

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