Beim dpn-Roundtable „Real Assets“ diskutieren Markus Bannwart, Director bei Universal Investment, Verena Kempe, Leiterin Investment Management beim KENFO, Joachim Fröhlich, Vorstandsmitglied der Evangelischen Bank, und Jens Kummer, Senior Investment Manager der Frankfurter Leben-Gruppe über die Relevanz illiquider Anlageklassen im aktuellen Marktumfeld.

dpn: Wie definieren Sie den Begriff Real Assets für Ihre Institution? Was fällt darunter und wie sind Sie allokiert?

Verena Kempe: Wir beim KENFO fassen die Asset-Klassen Private Equity, Private Debt, Infrastruktur und Real Estate darunter zusammen. Wir planen, 30 Prozent unserer Assets bis zum Jahr 2028 dort anzulegen. Der KENFO ist relativ neu am Markt, hat in diesem Jahr sein fünfjähriges Bestehen gefeiert. Wir sind also noch in der Aufbauphase.

Markus Bannwart: Wir definieren Real Assets etwas breiter. Die Hauptklassen sind sicherlich Private Equity, Infrastructure und Renewables. Für uns gehören auch Project Bonds, Finanzierungen, Infrastructure Debt und Hedgefonds dazu, zusammengefasst unter dem Begriff „Alternative Investments“. In diesen Strukturen haben wir Stand 30. September 2022 etwa 90 Milliarden Euro verwaltet, die sich auf 220 Fonds verteilen.

Jens Kummer: Real Assets sind ein Teilbereich der Private Markets. Darunter fallen zum Beispiel Immobilien und Infrastruktur – also Produktionsmittel, die für die Herstellung von Produkten benötigt werden. Eine wichtige interne Bedingung für Real Assets bei uns ist, dass das Asset einen Bewertungsmechanismus haben muss, der aus sich heraus den Wert beschreibt. Das können der Bitcoin oder Rohstoffe zum Beispiel nicht. Da sind höchstens relative Vergleiche möglich. Eine zweite Nebenbedingung ist, dass ein ordentlicher und regelmäßiger Ertrag generiert werden sollte.

Joachim Fröhlich: Alles, was „real“ ist, was man anfassen kann, was aus sich heraus einen Cashflow-Stream generiert, würde ich als Real Assets bezeichnen. Bei uns sind es im überwiegenden Teil Immobilien und (Energie-)Infrastruktur. Wir haben auch ein bisschen Private Debt, was aber für uns nicht zu Real Assets gehört. Das würden wir eher als Teil der Private Markets bezeichnen, wie Real Assets auch. Der Anteil in unserer Eigenanlage macht etwa 20 Prozent der Asset Allocation aus. Ein Großteil unserer Eigenanlagen ist aufgrund der aufsichtsrechtlichen Liquiditätsvorgaben in liquiden Rentenanlagen und Cash gebunden, das ist keine strategische Positionierung im Sinne der Asset Allocation. Das machen wir nur, weil die aufsichtsrechtlichen Anforderungen zu erfüllen sind. Würden wir das nicht machen, wäre die Quote wohl viel höher.

Frau Kempe, der KENFO ist sehr stark über liquide Anlagen – etwa im Aktienbereich – gestartet. Alles Illiquide sollte später kommen. Hat Ihr Haus jetzt den Vorteil, eine Asset Allocation im liquiden Bereich am Reißbrett idealtypisch aufzubauen?

Verena Kempe: Das ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite fehlen uns natürlich der langjährige Track Record und die Stabilität in den Portfolios, die institutionelle Investoren haben, die seit zehn oder 20 Jahren in diese Asset-Klassen investieren. Wir müssen erst einmal die Aufbauphase hinter uns bringen. Aber natürlich bauen wir auf vielen Erfahrungen auf, die in den Private Markets in den letzten Jahrzehnten gemacht wurden. Das ist ein Vorteil. Zum Beispiel haben wir nicht verschiedene Regulierungszyklen durchlaufen, sondern nutzen ein relativ einfaches Set-up mit einer deutschen Master-KVG, in der wir unser komplettes Portfolio abbilden können. Das war sicherlich für Investoren schwieriger, die über 20 Jahre in die Anlageklassen reingewachsen sind, weil vieles einfach erst über die Zeit zu einem „Best Practice“ entwickelt wurde.

Wir bewegen uns in einer Welt mit Rezession, Krieg, steigenden Zinsen, hoher Inflation. Wie beurteilen Sie das derzeitige makroökonomische Umfeld für Real Assets?

Jens Kummer: Ich bin froh über jeden Euro, der in diesem Jahr in den Private Markets investiert ist, denn auf der liquiden Seite steht ein dickes Minus. Die Zinsen sind gestiegen, die Spreads auch. Die Private Markets haben nicht diese Sensitivität gezeigt. Sie bleiben ein strukturell interessantes Thema für alle institutionellen Anleger. Etwas kritisch sehe ich nur den Bereich Immobilien.

Joachim Fröhlich: Das kann ich unterschreiben. Immobilien sind schwierig. Vieles, was im Bau ist, dürfte Probleme haben, weil die Fremdkapitalseite die Rendite auffrisst, wenn sie nicht gefixt wurde. Ganz interessant finde ich Energieinfrastruktur, vor allem wegen der strategischen Seite mit Blick auf Energiesicherheit beziehungsweise die Herausforderung, überhaupt Energie zu bekommen. In dem Bereich tummeln sich viele strategische Käufer. Zudem bietet diese Asset-Klasse auch einen gewissen Inflationshedge, wofür sie auch von vielen größeren Managern genutzt wird.

Markus Bannwart: Vor allem die lang andauernde Niedrigzinsphase hat ermöglicht, dass die Real Assets salonfähig wurden und sich etabliert haben. Trotz der Krisen im ersten Halbjahr 2022 haben wir gesehen, dass Projekte fortgeführt wurden. Wir sehen allerdings auch, dass die Unsicherheit zunimmt und es den sicheren Hafen so nicht mehr gibt: Gründe, warum sich Bewertungsmechanismen, Reporting-Anforderungen, Daten oder Nachhaltigkeitsaspekte verändern. Daneben werden wir einen hohen Kapitalbedarf in der Asset-Klasse sehen. Ich bin gespannt, wie die Private Markets darauf reagieren. Die Asset-Klasse ist eine Erfolgsstory. Jetzt muss sie sich beweisen. Davon gehe ich aus.

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