Was erwarten institutionelle Investoren von der Custody-Branche? dpn hat bei der Société Générale Securities Services (SGSS) GmbH nachgefragt.

Christian Wutz, Geschäftsführer der SGSS, und Harold Keller, Head of Sales & Relationship Management bei SGSS Deutschland, sprechen über Front-to-Back-Asset-Management-Systeme, Risikodiversifizierung und Effizienzdruck für Asset Manager und institutionelle Investoren.

Was beschäftigt institutionelle Investoren aktuell im Wertpapierdepotgeschäft?

Christian Wutz: Der Trend geht nach wie vor zur effizienten Gestaltung der Geschäftsmodelle. Die Asset Owner und Asset Manager müssen sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können, deshalb spielt Outsourcing eine große Rolle.

Harold Keller: Der Druck auf Asset Manager und Asset Owner nimmt immer weiter zu, insbesondere in Hinblick auf Professionalisierung, Regulierung und Kosten.

Themen, die die Branche schon länger beschäftigen. Wie werden Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren trotzdem noch effizienter?

Custody

Christian Wutz, Geschäftsführer der SGSS Bildquelle: SGSS

Wutz: Die strikte Trennung des reinen Master-KVG-Angebots von anderen Services ist für Tier-2 und Tier-3 Asset Owner nicht mehr von Vorteil. Mithilfe einer Plattformstrategie kann man zum Beispiel die Verwahrstelle miteinbeziehen und eben auch Direktanlagen. Durch eine Kombination der Angebote hat der Kunde zahlreiche Vorteile.

Keller: Zum einen mit unserem Data-Warehouse, allerdings arbeiten wir zur Produkterstellung mit Partnern zusammen. Unsere europäische Plattformstrategie sieht generell Partnerschaften mit unterschiedlichen Dienstleistern vor. Jeder Partner kann sich so auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und wir bündeln die Angebote über sogenannte API-Schnittstellen miteinander. Globale Services können hochflexibel kombiniert werden und dabei noch von der Expertise einer internationalen Fondsplattform wie beispielsweise unseres Partners Mutual Funds Exchange AB (MFEX) profitieren.

Ist bei den großen Tier-1 Asset Ownern das Zusammenlegen der Prozesse auch gewünscht?

Wutz: Bei Tier-1 Asset Ownern war eine Prozesszentralisierung vor zehn Jahren zu beobachten. Damals ging es hauptsächlich um Einheitlichkeit der Daten und Transparenz, die eben aufgrund der Datenvielfalt Global Custodians am effektivsten abbilden konnten. Heute brechen diese zentralisierten Global-Custody-Strukturen zum Teil auf, da mehr und mehr Kunden über globale Data-Warehouse-Strukturen verfügen, die Daten aus unterschiedlichen Rechtsräumen bündeln können – bei gleicher Einheitlichkeit und Transparenz des Reportings.

Während die großen Asset Owner Prozesse dezentralisieren, setzen die mittleren alles auf eine Karte. Wie passt das zusammen?

Custody

Harold Keller, Head of Sales & Relationship Management bei SGSS Deutschland Bildquelle: SGSS

Keller: Wir sehen hier keinen Widerspruch, denn beide Ansätze bringen Vorteile für unterschiedliche Bedürfnisse. Der Effizienzdruck, den die großen Player schon seit zehn Jahren spüren, ist jetzt auch bei den Tier-2- und Tier-3-Investoren angelangt. Das sind unterschiedliche Evolutionsstufen.

Wutz: Die Frage ist auch immer, worauf die Custodians spezialisiert sind. Europäische Custodians sind in der Regel mit auf den europäischen Markt zugeschnittenen Angeboten stärker, amerikanische entsprechend für den amerikanischen Markt. US-Investoren, die auf den EMEA-Markt wollen, suchen sich dann vielleicht noch eine zweite, europäische Verwahrstelle. Teilweise gibt es ja auch unterschiedliche gesetzliche Anforderungen in den jeweiligen Regionen, die starke regionale Expertise erfordern.

Wie verbinden Sie Front-, Middle- und Backoffice-Bereiche für Asset Manager?

Wutz: Wir bieten für den Asset-Manager-Markt bereits sehr erfolgreich ein Front-to-Back-Produkt an, das alle Prozesse im Fondsmanagement abdeckt – vom Trade-Processing über Reporting bis hin zu Verwahrstellen-Services.

Keller: Auch die Digitalisierung der Prozesse ist sehr wichtig. Einige Asset Manager verwenden Programme, die nicht State of the Art sind. Bei diesem Kundenbedürfnis setzen wir an und bilden Services „Front-to-back“ stimmig über unser Produkt Crosswise ab. Front-, Middle- und Back- Office Dienstleistungen basieren auf derselben Technologie, sodass jegliche Datenbrüche vermieden werden. Hier arbeiten wir mit dem Software-Dienstleister SimCorp® zusammen.

Stichwort Regulierung: Was kommt auf institutionelle Investoren und Asset Manager zu?

Wutz: Wir erwarten diesbezüglich weitere Entwicklungen. Früher ging es bei ESG um eine reine Nachbetrachtung, jetzt können Asset Manager eigene Kriterien für ihre Portfolios erstellen, es wird zunehmend von einem Post-Trade- zu einem Pre-Trade-Thema. Hier stellt sich die Frage, ob diese Kriterien in Zukunft noch gesetzlich untermauert werden. In Frankreich gibt es zum Beispiel bereits seit 2015 einen Artikel im Energiewendegesetz, der Institutionelle Investoren dazu verpflichtet, ihre Klimabilanz zu veröffentlichen. Daher verfügen gerade wir als europäisches Haus mit Stammsitz in Frankreich bereits über ein großes Erfahrungspotential, was ESG im Allgemeinen angeht.

Keller: Wir denken auch, dass ESG-Kriterien weiter ausdifferenziert werden. Gerade sind es vor allem die Umweltthemen, die im Fokus stehen. In Zukunft werden aber sicherlich auch soziale Themen an Bedeutung gewinnen. Der Rahmen ist da noch ergebnisoffen.

Welche Produkte sind denn momentan bei institutionellen Investoren und Asset Managern besonders gefragt?

Wutz: Neben der Kombination aus Master-KVG- und Verwahrstellenservices ist auch Liquiditätsmanagement bei Asset Ownern gefragt. Im Niedrigzinsumfeld suchen Investoren immer mehr Alpha, daher steigt außerdem die Nachfrage nach Wertpapierleihe wieder. Tier-2- und Tier-3-Asset-Manager sprechen sich für unser Crosswise-Angebot aus.

Und wie entwickeln sich Real Assets?

Keller: Der Anteil am Gesamtportfolio steigt: Die Allokation am Markt betrug vorher fünf Prozent und liegt jetzt bei zehn bis fünfzehn Prozent. Wir sehen zudem einen erstarkenden Trend von der Direktanlage hin zu Fondsprodukten.

Wutz: Bei Real Assets ist allerdings die Technik noch nicht so weit fortgeschritten wie bei Wertpapieren. Es gibt viele verstreute Systeme und es sind noch nicht so viele Prozesse ausgegliedert. Zudem gibt es, auch wenn die Liquidität da ist, bei Real Assets nun mal eine natürliche Grenze. Das ist momentan auf dem Immobilienmarkt zu beobachten: Irgendwann gibt es keine Objekte mehr, oder die Preise sind einfach zu hoch.

Keller: Auch wenn Real Assets an Bedeutung gewinnen, ist und bleibt der Wertpapierbereich deutlich größer.

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