Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) hat einen Bericht zum nachhaltigen Fondsmarkt in der ersten Jahreshälfte 2026 veröffentlicht. Demnach habe sich das Fondsvermögen der Spezialfonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen von 480 Milliarden Euro auf 509 Milliarden Euro erhöht. Den deutlichen Vermögensanstieg führt der BVI vor allem auf die positive Entwicklung an den Kapitalmärkten zurück. Das Netto-Mittelaufkommen blieb verhalten. Im ersten Halbjahr 2026 flossen Spezialfonds nach Artikel 8 bzw. 9 insgesamt 2,7 Milliarden Euro an Nettomitteln zu. Fonds ohne Nachhaltigkeitsmerkmale verzeichneten im ersten Halbjahr 2026 vergleichsweise Nettozuflüsse von insgesamt 75,4 Milliarden Euro.
Transformationsfonds spielen bisher keine signifikante Rolle im deutschen Markt
Die Europäische Kommission möchte im Rahmen der SFDR-Reform ein System klar definierter Nachhaltigkeitskategorien etablieren, das die bisherigen Transparenzvorschriften ergänzen soll. Besonders diskutiert wird die Kategorie „Transition“, welche Fonds umfassen soll, die in Unternehmen investieren, die sich im Übergang zu nachhaltigeren Geschäftsmodellen befinden.
Das würde zur Folge haben, dass Kapital nicht nur in bereits CO₂-arme Wirtschaftszweige fließt, sondern auch dorthin, wo Unternehmen auf dem Weg sind, ihren Treibhausgasausstoß zu verringern und glaubwürdige Transformationspfade verfolgen.
Eine Auswertung des BVI hat ergeben, dass solche Strategien bisher keine signifikante Rolle spielen. Die Analyse erfolgte anhand der Fondsnamenrichtlinie, die die European Securities and Markets Authority (ESMA) veröffentlicht hat. Diese definiert eine eigene Gruppe von transformationsbezogenen Begriffen. Dazu zählen unter anderem „Transition“ oder „Fortschritt“. Solche Namenszusätze sind nach dem ESMA-Konzept ausdrücklich mit Transformationsstrategien verknüpft.
ETFs dominieren Markt für Tansformationsfonds
Anhand dieser Kriterien hat der BVI rund 200 Fonds bzw. Anlageklassen als Transformationsfonds identifiziert. Diese kommen gemeinsam auf ein verwaltetes Vermögen von rund 9,2 Milliarden Euro, was einem Marktanteil von weniger als einem Prozent entspricht.
ETFs, die Climate-Transition-Benchmarks (CTB) oder Paris-Aligned-Benchmarks (PAB) nachbilden, machen mit einem verwalteten Vermögen von 5,7 Milliarden Euro mehr als die Hälfte des Marktes für Transformationsfonds aus. Die Anforderungen an die Referenzindizes, die die EU definiert hat, zielen auf Klimaneutralität bis 2050 ab. PABs sehen jedoch eine stärkere Mindestreduktion von Treibhausgasemissionen und strengere Ausschlüsse vor. Damit sieht der BVI geeignete Konzepte für Transformationsinvestitionen bereits vorhanden. Ihre Verbreitung im deutschen Fondsmarkt ist jedoch begrenzt.
BVI sieht Handlungsbedarf bei Ausschlusskriterien und regulatorischer Flexibilität
Der BVI sieht den Abbau von übermäßig restriktiven Ausschlusskriterien in der Kategorie Investitionen als notwendige Maßnahme, damit die SFDR-Reform tatsächlich die Schwächen des aktuellen Klassifizierungssystems adressieren kann. Ebenso notwendig ist dies, um die Transformationsstrategien als eigenständigen Ansatz nachhaltigen Investierens sichtbarer machen zu können und Anlegern damit eine bessere Orientierung geben zu können. Zudem plädiert der BVI dafür, „dass Transformationsinvestitionen auf globaler Basis möglich bleiben und der regulatorische Rahmen ausreichend Flexibilität für unterschiedliche Anlageklassen und Anlagestrategien bietet.“
Tonia Schöler ist Volontärin bei F.A.Z. Business Media und hat neben dpn – Deutsche Pensions- & Investmentnachrichten bereits für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, wie die Personalwirtschaft und F.A.Z. Konferenzen. Zuvor hat sie Ihr Masterstudium in Medienwissenschaften und Unternehmensführung an der Universität Siegen absolviert.
