Der Markt für nachhaltige Fonds in Deutschland hat im zweiten Halbjahr 2025 deutlich an Dynamik verloren. Zwar verwalteten Artikel-8- und Artikel-9-Fonds per Ende Dezember insgesamt rund 1,25 Billionen Euro, doch das Wachstum fiel moderat aus und wurde vor allem von positiven Marktentwicklungen getragen. Während Spezialfonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen noch Nettozuflüsse von 7,8 Milliarden Euro verzeichneten, mussten Publikumsfonds Abflüsse in Höhe von 6,2 Milliarden Euro hinnehmen. Im Vergleich dazu erzielten konventionelle Fonds deutliche Mittelzuflüsse von jeweils rund 45 Milliarden Euro.
Für institutionelle Investoren bleibt nachhaltiges Investieren dennoch relevant: Fonds nach Artikel 8 und 9 weisen im Durchschnitt geringere ESG-Risiken auf als konventionelle Produkte. Laut Morningstar-Daten verfügen insbesondere Artikel-9-Fonds über ein klar verbessertes Risikoprofil, während ESG-orientierte Strategien insgesamt zur Stabilität von Portfolios beitragen können.
Gleichzeitig sorgt die aktuelle Regulierung der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) für Unsicherheiten im Markt. Die bisherigen Kategorien werden häufig als Produktlabels interpretiert, obwohl sie ursprünglich nur Transparenzanforderungen definieren sollten. Unterschiede in der Auslegung zwischen Ländern und Aufsichtsbehörden verstärken die Komplexität zusätzlich.
Die geplante SFDR-Reform soll hier ansetzen. Künftig sind klar definierte Produktkategorien mit Mindeststandards vorgesehen. Ziel ist ein einheitlicher europäischer Rahmen für nachhaltige und transformierende Investments, der insbesondere institutionellen Anlegern mehr Orientierung und Vergleichbarkeit bietet.
Goran Culjak ist Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- & Investmentnachrichten. Davor arbeitete er bei PLATOW als Fachredakteur für Versicherung und Altersvorsorge und etablierte die Risikomanagementkonferenz. Der Diplom-Betriebswirt (FH) startete 2004 als Pressereferent bei Union Investment seine berufliche Laufbahn.

