„Wir liefern Cash plus Alpha“

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dpn: Herr Dunlap, welche Strategie verbirgt sich hinter dem „Pacific G10 Macro Rates“-Fonds?

Shayne Dunlap: Wir suchen Preisanomalien in den Zinsmärkten der G10-Staaten, der zehn größten Volkswirtschaften westlicher Prägung inklusive Japan. In der Zinswelt sind dies die liquidesten Märkte, und Liquidität ist für uns enorm wichtig. Der Investitionsprozess ist analytisch und basiert auf sieben verschiedenen Trade-Typen, die wir in fünf verschiedenen Wirtschaftszonen handeln, den Liquiditätspools: Nordamerika mit Kanada und den USA, Großbritannien, Europa mit der Euro-Zone sowie Schweden, Norwegen und der Schweiz, Japan und schließlich Australien und Neuseeland – Australasien. Japan ist die einzige Region, die untergewichtet ist, denn die Bank of Japan hat viel zu lange die Füße stillgehalten. Jetzt gab es den ersten kleinen Zinsschritt seit 17 Jahren. Die anderen vier Liquiditätspools sind mit jeweils 20 bis 30 Prozent gewichtet. Wir suchen nach Fehlbewertungen im Markt, die sich wieder korrigieren sollten. Und wir versuchen, diese Trades so im Portfolio zu gewichten, dass jeder einen ähnlich großen Anteil hat. Dadurch ergibt sich ein sehr stark diversifiziertes und glattes Renditeprofil, das sich deutlich von anderen makroorientierten Fonds unterscheidet. Das ist das Geheimnis unseres Erfolgs. Wir wollen keine starken Ausschläge.

Was sind das für Trades?

Viele dieser „Long/Short“-Trades sind Curve Trades, aber auch Spread Trades zwischen verschiedenen Anlageprodukten einer bestimmten Währung – zum Beispiel eine deutsche und italienische Staatsanleihe. Solch eine Anleihe kann aber auch gegen den zugrunde liegenden Swap-Markt gehandelt werden. Eine untergeordnete Rolle spielen Durations-Trades. Damit differenzieren wir uns von Wettbewerbern, die Durations-Exposure haben und dadurch ein anderes Renditeprofil anbieten. Auch Wechselkurs-Trades machen nur einen kleinen Teil unseres Geschäfts aus. Dann gibt es noch Cross-Currency-Zins-Trades mit einem längeren Laufzeitenspektrum, Volatilitäts-Trades über Optionen und Inflations-Trades, die wir vorzugsweise nur auf den liquiden Inflationsmärkten USA, Europa und Großbritannien eingehen.

Info

Shayne Dunlap

ist Gründungsportfoliomanager des G10 Macro Rates Teams von Pacific Asset Management. Er verwaltet seit 1999 aktiv Portfolios für G10-Staatsanleihen, Zinssätze und Devisen.

Sind Zinsänderungen Chance oder Risiko?

Definitiv Chance. Die Zentralbanken haben in den vergangenen Jahren an der Zinsschraube gedreht und werden das aller Voraussicht nach zum Teil wieder zurückfahren. Wir suchen die unterschiedlichen Erwartungen, die in den Märkten eingepreist sind, gemessen an der wirtschaftlichen Realität. Deshalb sind wir aktuell in einem exzellenten Umfeld für unser Portfolio. In den USA stieg die Inflation zuletzt zudem wieder an, die Markterwartungen für die Preisgestaltung in diesem Jahr haben sich also erneut verändert. Diese vielseitigen Gelegenheiten erzeugen mehr Zinsströme, und in unserem Fall sorgen mehr instabile Prognosen für mehr Gelegenheiten für das Portfolio.

Welche Renditeziele verfolgen Sie?

Wir wollen über dem Interbankenzins der jeweilig gekauften Währungsklasse eine Mehrrendite (Alpha) von 4 Prozent erzielen. Weil wir die Anleiheposition im Rahmen des Trades finanzieren und die anderen Investments vielfach margenorientierte Produkte sind, haben wir eine recht hohe Cash-Position. Etwa 85 Prozent des Portfolios sind in Cash, die anderen 15 Prozent sind auf dem Margenkonto, das den Bargeldkurs verdient. Und dieser Bargeldkurs ist im Prinzip auch die Benchmark, die wir um 4 Prozent schlagen wollen.

Für wen eignet sich der Fonds?

Wir wollen Investoren ein differenziertes Profil vor allem für die Anleiheseite bieten. Der Fonds soll eine andere Art der Einkommensgenerierung bieten. Seit seiner Auflegung 2019 hat er eine sehr niedrige Korrelation mit Aktien, Bonds und Indizes wie dem MSCI World und dem US Treasury Index gezeigt. Zudem waren die vergangenen fünf Jahre für die Märkte sehr volatil. Wir hatten also viele Möglichkeiten, unser Risikocontrolling und unsere Philosophie einem Realitätstest zu unterziehen. Und das haben wir ziemlich gut gemacht. Wir konnten den Investoren nicht nur zeigen, dass wir unsere Risiken kontrollieren können, sondern auch, dass unser Renditeprofil dazu in der Lage ist, Geld zu verdienen, wenn andere Teile des Portfolios leiden. Wir haben über fünf Jahre in einem UCITS-Rahmen demonstriert, dass die Strategie in einem negativen Zinsumfeld performen kann, sich aber auch in einem Umfeld steigender Zinsen gut schlägt. Durch sein unkorreliertes Verhalten kann der Fonds für jede Wetterlage ein Anker im Portfolio sein.

Wer sind Ihre Kunden?

Derzeit arbeiten wir in erster Linie mit Versicherern und Pensionseinrichtungen zusammen. Interesse gibt es auch aus Deutschland – vor allem von Consultants. Besonders für das Liability Matching im Falle eines Soft Landings bei den Zinsen wird der Fonds derzeit nachgefragt. Aber auch im liquiden Alternative-Segment besteht Interesse. Die Strategie bietet einen hohen Nutzen für die Diversifikation von Portfolios.

Was unterscheidet Ihre Strategie von der Ihrer Wettbewerber?

Wir sind spezialisiert darauf, günstige und teure Werte in den Zinsmärkten zu finden und haben ein erfahrenes Team. Die meisten Wettbewerber sind makroorientierter mit höherer Markt- und Durationsvolatilität und haben dadurch eine höhere Volatilität. Ich habe bisher keinen gefunden, der genau dasselbe macht wie wir. Die, die uns am nächsten kommen, neigen dazu, sich auf Kredite oder Schwellenländer zu konzentrieren. Dadurch haben sie einen höheren Anteil an Wechselkurs-Trades als wir. Ich würde nicht sagen, dass wir besser als alle anderen sind, aber wir sind anders als alle anderen. Es kommt natürlich immer darauf an, welches Risiko der Investor bereit ist, einzugehen. Wer ein volatileres Risiko möchte, der ist bei anderen Strategien sicherlich gut aufgehoben. Wir machen unsere Arbeit schon seit längerer Zeit und haben einen sehr zuverlässigen Prozess. In den vergangenen fünf Jahren mussten wir uns damit abfinden, dass die Inflation so stark gestiegen ist wie seit 20 Jahren nicht mehr, die Wirtschaft wurde zudem mit massiven fiskalischen Ausgaben unterstützt. Dynamiken haben sich verschoben. Zu lernen, wie diese einzelnen Puzzlestücke zusammengesetzt werden müssen, um Auswirkungen auf den Markt zu haben, macht sehr viel Freude. Und wir können uns anpassen und trotzdem ein hochwertiges Produkt liefern.

Patrick Daum ist Chef vom Dienst bei dpn-online. Er berichtet über alle Themen rund um das institutionelle Asset Management.

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