S&P World Index war 2023 von aktiven Managern kaum zu schlagen

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Das Jahr 2023 hat die europäische aktive Fondsbranche im Hinblick auf die relative Performance im Aktiensegment gefordert. So schnitten 84 Prozent der aktiv gemanagten Aktienfonds in der Kategorie der auf Euro lautenden Global Equity-Fonds im Gesamtjahr schlechter ab als der S&P World Index. Die Kategorie Global Equity-Fonds weist die größte Anzahl verfügbarer Fonds auf. In den Kategorien Europa und Schwellenländer reichten die einjährigen Underperformance-Raten von 66 Prozent für Schwellenländer-Aktienfonds, die auf Pfund Sterling lauten, bis zu 83 Prozent für breite europäische Aktienfonds. Zu diesen Ergebnissen kommt S&P in der Analyse für S&P Indices Versus Active Funds (SPIVA) Europe Scorecard.

„2023 war ein schwieriges Jahr für aktive Manager“

„Die Performance-Werte, die wir ermittelt haben, sind hoch und belegen, wie herausfordernd das Marktumfeld auch für aktives Management im vergangenen Jahr war“, betont Tim Edwards, Global Head of Index Investment Strategy bei S&P Dow Jones Indices, bei einem Pressegespräch in Frankfurt. „Und in den einzelnen europäischen Ländern sieht man noch extremere Zahlen.“ So weisen aktiv verwaltete inländische Aktienfonds in Deutschland, Frankreich, Schweden, Spanien, Dänemark und Italien einjährige Underperformance-Raten von 87 Prozent, 90 Prozent, 95 Prozent, 97 Prozent, 97 Prozent bzw. 98 Prozent auf. „Auch wenn die Aktienmärkte in der Welt 2023 gut performten, war es ein schwieriges Jahr für aktive Manager“, so Edwards.

Als einen Grund für die hohen Underperformance-Raten sieht er das weiter gewachsene Gewicht von Blue Chips in Aktienindizes – in Deutschland ebenso wie global. Allein der S&P Germany BMI umfasst 200 Aktientitel. Innerhalb des Zeitraums von einem Jahr schnitten 87 Prozent der aktiv gemanagten deutschen Aktienfonds schlechter ab als der S&P Deutschland BMI. Im Zehnjahreszeitraum blieben 85 Prozent hinter der Benchmark zurück. Die Konzentration im Markt nimmt zu. So machen die zehn größten Aktien im S&P Deutschland BMI 52 Prozent des Index aus. Ende 2021 lag der Vergleichswert erst bei 46 Prozent. Die zehn größten Aktien im S&P Deutschland BMI steuerten im Jahr 2023 weit über die Hälfte der Gesamtrendite des Index mit 16 Prozent von 22,7 Prozent bei.

Heterogenes Bild bei festverzinslichen Wertpapieren

Anders entwickelten sich im vergangenen Jahr die Kategorien nur britische Aktien und Schweizer Aktien mit einer einjährigen Underperformance-Rate von 58 Prozent bzw. 49 Prozent. Zwischen diesen Extremen schnitten etwa zwei Drittel der aktiven US-Aktienfonds schlechter ab als der S&P 500® in den Kategorien Euro bzw. Pfund Sterling (66 Prozent bzw. 71 Prozent). Diese Werte bedeuten eine leichte Verbesserung gegenüber der Jahresmitte. Sie stehen im Einklang mit dem langfristigen Durchschnitt von 71 Prozent laut SPIVA.

Tim Edwards ist Managing Director und Global Head of Index Investment Strategy at S&P Dow Jones Indices. Foto: S&P
Tim Edwards ist Managing Director und Global Head of Index Investment Strategy at S&P Dow Jones Indices. Foto: S&P

Bei den festverzinslichen Wertpapieren fielen die Ergebnisse weniger einheitlich aus. In der größten Kategorie, gemessen an der Anzahl der Fonds, nämlich den auf Euro lautenden Unternehmensanleihen, konnten nur 53 Prozent der aktiv verwalteten Fonds im Jahr 2023 nicht mit den iBoxx EUR Corporates mithalten. Bei High-Yield-Anleihen (EUR) und Staatsanleihen (EUR) schnitten 67 Prozent bzw. 82 Prozent der Fonds schlechter ab als der iBoxx EUR Liquid High Yield Index bzw. der iBoxx EUR Sovereigns. In den auf Pfund Sterling und US-Dollar basierenden Anleihenkategorien gab es eine große Bandbreite an kurzfristigen Ergebnissen. Nur 24 Prozent der aktiv gemanagten Unternehmensanleihenfonds (GBP) schnitten 2023 an der Spitze der Rententabellen ab, während 79 Prozent der globalen Unternehmensanleihenfonds (USD) hinter ihrer zugewiesenen Benchmark zurückblieben.

Dr. Guido Birkner ist Chefredakteur von dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seit dem Jahr 2000 ist er für die F.A.Z.-Gruppe tätig. Zunächst schrieb er für das Magazin „FINANCE“, wechselte dann als Studienautor 2002 innerhalb des F.A.Z.-Instituts zu den Branchen- und Managementdiensten, später zu Studien und Marktforschung. Von 2014 bis 2020 verantwortete er redaktionell den Bereich Human Resources in der F.A.Z. BUSINESS MEDIA GmbH. Seit Juli 2019 gehört er der dpn-Redaktion an.

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