Insgesamt gehören sieben Tochtergesellschaften der Stuttgarter VPV Holding Aktiengesellschaft an. Unterhalb der Holding betreiben die VPV Lebensversicherungs-AG und die VPV Allgemeine Versicherungs-AG das aktive Geschäft. Beide veröffentlichten nun ihre Geschäftsberichte, wobei sich die Töchter hinsichtlich ihrer Kapitalanlage und ihres Geschäftsmodells deutlich unterscheiden.
Das zeigt bereits der Blick auf die wichtigsten Kennzahlen der Kapitalanlage. Insgesamt listet die VPV Lebensversicherungs-AG der VPV-Gruppe für 2023 Vermögenswerte in Höhe von rund 5,7 Milliarden Euro auf. Dies entspricht einem Rückgang von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Stuttgarter führen dies auf das weiterhin rückläufige Geschäft mit klassischen Lebensversicherungen zurück. Diese machten im vergangenen Jahr mit 112 Millionen Euro rund 41 Prozent der laufenden Beiträge aus. In ähnlicher Größe fallen Beiträge aus Kapitalversicherungen ins Gewicht. Rentenversicherungen brachten mit 38 Millionen Euro nur etwa 14 Prozent der laufenden Beiträge ein. Die verbliebenen etwa 5 Prozent teilen sich Kollektiv- und Risikoversicherungen auf.
Die VPV setzt auf festverzinsliche Kapitalanlagen
Die 5,7 Milliarden Euro aus der Kapitalanlage investierte die VPV Lebensversicherungs-AG zum Großteil in Form von Inhaberschuldverschreibungen in den Bereich Fixed Income. Aktien und ähnliche nicht festverzinsliche Wertpapiere machen lediglich 29 Prozent aus. Laut der VPV ist diese Strategie direkt an den Auszahlungsverpflichtungen ausgerichtet, sodass fällige Mittel nur „in geringem Umfang langfristig wiederangelegt werden müssen“. Insgesamt verfolgt die VPV Lebensversicherungs-AG laut eigenen Angaben einen auf „Risikotragfähigkeit“ ausgerichteten Ansatz.
So ergab ein Stresstest, dass im Falle einer simulierten Erhöhung der Zinsstrukturkurve um 100 Basispunkte, einem Anstieg der Risikoprämien für Unternehmensanleihen und einem gleichzeitigen Aktienkursrückgang um 20 Prozent, die Wertminderung der Kapitalanlagen 307,9 Millionen Euro betragen würde. Laut eigenen Einschätzungen ist dies ein verkraftbares Ergebnis, das nur zu unwesentlichen Abschreibungen führen würde.
Die Erträge aus der Kapitalanlage nahmen 2023 für die VPV Lebensversicherungs-AG ab. Während die Mittel aus Grundstücken sich stabil zeigten, waren es vor allem die „Erträge aus anderen Kapitalanlagen“, die zu Wertverlusten führten. Diese sanken von 166 Millionen Euro auf 155 Millionen Euro. Auch die Gewinne aus dem Abgang von Kapitalanlagen waren rückläufig. Sie fielen im Vergleich zum Vorjahr um etwa zwei Drittel auf 11,5 Millionen Euro, womit die Gesamterträge um fast ein Drittel auf insgesamt rund 137 Millionen Euro einbrachen.
Verringerte Aufwendungen puffern Ertragsrückgänge ab.
Doch wie entwickelten sich die Aufwendungen für die Kapitalanlage? Diese konnten insgesamt im Vorjahresvergleich um 38 Prozent auf rund 31 Millionen Euro gesenkt werden. Zwar stiegen die Kosten für die Verwaltung leicht an und auch die Abschreibungen nahmen zu, doch weil die Verluste aus dem Abgang von Kapitalanlagen von etwa 35,3 Millionen Euro auf nur noch 7,4 Millionen Euro reduziert werden konnten, fielen 2023 die Gesamtaufwendungen für die Kapitalanlage um rund 19 Millionen Euro auf 30,6 Millionen Euro.
Am Ende stand bei der Kapitalanlage der Lebensversicherungs-Tochter der VPV-Gruppe ein Nettoergebnis von rund 106 Millionen Euro in den Büchern. Ein Rückgang von rund 30 Prozent zum Vorjahr und ein Rückgang um fast die Hälfte gegenüber dem Jahr 2021. Bezogen auf das operative Geschäft konnte die VPV Lebensversicherungs-AG 2023 auf ein gesunkenes, aber stabiles Ergebnis zurückblicken. Bei einem Rohüberschuss von 33 Millionen Euro blieben nach Rückstellungen und Steuern ein Gewinn von 5,5 Millionen Euro – nur 200.000 Euro weniger als noch 2022.
VPV-Vorstand: Zinsanstieg ermöglicht „auskömmliche Renditen“
Deutlich kleinere – wenn auch in Sachen Kapitalanlage leckere Brötchen – backt die VPV-Allgemeinversicherungen-AG. Zwar legt sie – wie auch die Lebensversicherungs-Schwester – den Großteil seiner Kapitalanlagen im Bereich Fixed Income an. Mit einer Gesamthöhe von gerade mal 102,7 Millionen Euro ist der Kapitalstock jedoch um ein Vielfaches kleiner als bei den Lebensversicherungen. Der Anteil der Rentenanlagen macht etwa drei Viertel der Gesamtkapitalanlage aus. Weniger als ein Viertel ist unterdessen in Aktien und anderen nicht verzinslichen Wertpapieren angelegt. „Aufgrund des starken Zinsanstiegs sind wir wieder in der Lage, bei Neuanlagen auskömmliche Renditen bei Investments in sichere Anlagen wie zum Beispiel Staatsanleihen und Pfandbriefe zu erwirtschaften“, kommentierte der Vorstand rund um den Vorsitzenden Klaus Brenner den Geschäftsbericht.
Hier konnte die VPV das Nettoergebnis der Kapitalanlage 2023 erhöhen. Die Kapitalanlage wuchs um 57 Prozent auf 2,2 Millionen Euro. Infolgedessen nahm auch die Nettoverzinsung von 1,7 Prozent auf 2,3 Prozent zu. Das Nettoergebnis der Kapitalanlagen ist damit laut eigenen Angaben deutlich besser ausgefallen als zunächst erwartet.
Geschäft mit Allgemeinversicherungen schreibt rote Zahlen
Für 2024 prognostiziert die VPV für das Geschäft mit allgemeinen Versicherungen unterdessen einen deutlichen Rückgang im Nettoergebnis der Kapitalanlagen. Wie die meisten Akteure in der Finanzwelt rechnen auch die Stuttgarter mit „sukzessiven“ Leitzinssenkungen im weiteren Jahresverlauf. Darauf möchten sie mit weiterer Diversifikation des Portfolios reagieren. Ausstehende Kapitalabrufe bereits bestehender Investments in den Bereichen Infrastruktur, Private Equity und Private Debt werden bedient.
Doch abseits der Kapitalanlage zeichnet sich bei den Allgemeinversicherungen ein weniger schmeichelhaftes Bild. Das Ergebnis nach Steuern fällt aufgrund steuerlicher Effekte – so die Versicherungsgruppe – deutlich schlechter aus als prognostiziert. Konkret stehen bei der VPV Allgemeine Versicherungs-AG 2023 Verluste in Höhe von 656.000 Euro in den Büchern, nachdem die AG 2022 noch ein kleines Plus in Höhe von einer Million Euro verzeichnet hatte.
Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

