Der Credit Suisse CFA Society Switzerland Indikator ist im September 2022 erneut markant zurückgegangen – dies von einem bereits sehr niedrigen Niveau aus. Mit -69.2 Punkten notiert er 12.9 Zähler unter dem Vormonatsniveau und den siebten Monat in Folge im Kontraktionsbereich. Drei Viertel der Analysten prognostizieren eine weitere Eintrübung der Schweizer Konjunktur. Das Stimmungsbarometer befand sich nur während der Finanzkrise von 2008/2009 und der Eurokrise im Jahr 2011 über derart lange Zeit auf einem solch negativen Level.
Erwartungen für die Exportdynamik sind tief
Auch die Erwartungen für die Exportdynamik haben seit Februar einen deutlichen Einbruch erlitten. Praktisch kein Umfrageteilnehmer erwartet, dass sich die Aussichten für den Schweizer Exportsektor im kommenden halben Jahr bessern könnten. Dazu trägt womöglich auch bei, dass die Mehrheit der Umfrageteilnehmer nicht damit rechnet, dass sich die Lieferkettenproblematik vollständig entspannen wird, spekulieren die Umfrageteilnehmer. Rund 60 Prozent erwarten dauerhafte Einschränkungen, wie in einer Sonderfrage evaluiert wurde. Auch die Erwartung eines weiter aufwertenden Schweizer Frankens hilft dem Exportsektor kaum.
Erwartungen für den Arbeitsmarkt sind intakt
Der Arbeitsmarkt scheint der Exportschwäche aber zu trotzen. Die von den Analysten erwarteten Auswirkungen auf die Beschäftigung sind nach wie vor verhalten und haben sich seit April nicht wesentlich verschlechtert. Dies wäre ein gutes Signal für den Privatkonsum und würde das Ausmass der konjunkturellen Abkühlung begrenzen.
Rezessionsrisiko ist weltweit gestiegen
Dennoch ist das Rezessionsrisiko in den Augen der Analysten in allen Weltregionen gestiegen. Erwartete im Mai nur jeder dritte Umfrageteilnehmer eine Rezession in der Schweiz im nächsten Jahr, ist dieser Anteil mittlerweile auf 40% gestiegen. Im internationalen Vergleich steht die Schweiz damit aber noch gut da: Selbst für China und die USA schätzen die Analysten das Rezessionsrisiko höher ein (48 beziehungsweise 50 Prozent). In der Eurozone scheint eine Rezession mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit schon fast ausgemachte Sache zu sein.
Am Aktienmarkt herrscht grosser Pessimismus
So überrascht es auch nicht, dass die Analysten für den europäischen Aktienmarkt besonders pessimistisch sind. Zwar erwarten sie für alle grossen Aktienindizes im kommenden halben Jahr erneute Kursverluste, aber für den EuroStoxx 50 ist der Teil der Umfrageteilnehmer, der mit fallenden Kursen rechnet, am grössten. Insgesamt sind die Finanzanalysten für die Aktienmärkte so negativ gestimmt wie in der gesamten Geschichte der Finanzmarktumfrage nicht. Allerdings kam es bislang auch nicht vor, dass die Analysten gleichzeitig eine konjunkturelle Abkühlung und steigende Kurzfristzinsen erwarteten, wie sie es momentan tun.
Unsicherheit über kurzfristige Inflationsentwicklung nimmt zu
Die kurzfristigen Inflationserwartungen der Analysten haben sich nach dem abrupten Absturz des letzten Monats etwas stabilisiert. Die Umfrageteilnehmer sind sich jedoch äusserst uneins über die weitere Entwicklung: Rund ein Drittel rechnet mit einem weiteren Anstieg in den nächsten sechs Monaten – dieser Wert ist so niedrig wie seit Beginn des Ukrainekriegs nicht mehr, während 23 Prozent einen Rückgang erwarten und 41 Prozent davon ausgehen, dass die Inflation auf ihrem aktuellen Niveau ausserhalb des Zielbands der Schweizerischen Nationalbank (SNB) verharren wird.
Langfristige Inflationserwartungen stabilisieren sich
Etwas mehr Einigkeit herrscht unter den Analysten bei den langfristigen Inflationserwartungen. Die Streuung der Antworten hat im Vergleich zur letzten Erhebung im Juni leicht abgenommen. Zwei Drittel der Umfrageteilnehmer erwarten, dass die Inflation in fünf Jahren im Zielband der SNB liegen wird. Die durchschnittliche Inflationsprognose für diesen Zeitraum ist ebenfalls leicht zurückgegangen: In fünf Jahren erwarten die Analysten im Durchschnitt eine jährliche Inflationsrate von 1,73 Prozent, nach 1,87 Prozent im Juni.
Langfristige Wachstumserwartungen von der Energiekrise unberührt
Kaum Veränderungen gab es dagegen bei den Erwartungen der Analysten zum langfristigen Wachstum in der Schweiz. Sowohl die Verteilung der Antworten als auch die Punktprognose sind im Vergleich zur letzten vierteljährlichen Erhebung im Juni grob unverändert. Durchschnittlich prognostizieren die Teilnehmer für die nächsten fünf Jahre ein jährliches Wirtschaftswachstum der Schweiz von 1,50 Prozent, nach 1.55 Prozent im Juni. Dies ist in etwa im langfristigen Durchschnitt und damit von der aktuellen Energiekrise unberührt.
Die CFA Society Switzerland und die Credit Suisse führen seit Januar 2017 die Finanzmarkt-Umfrage Schweiz, eine monatliche Befragung von Finanzanalysten, durch. Die detaillierten Ergebnisse der zwischen dem 15.09.2022 und 22.09.2022 durchgeführten Umfrage, an der sich 39 Analysten aus der Schweizer Finanzbranche beteiligt haben, werden hier veröffentlicht.
