Die Folie hat es in sich, die Dirk Lepelmeier auf der 13. Handelsblatt Jahrestagung Betriebliche Altersvorsorge 2012 Mitte April im Hotel Interconti in Berlin auflegte. Der Leiter Vermögensanlagen der Nordrheinischen Ärzteversorgung (NAEV) zeigt dem teils überraschten Publikum, wie er das Rentenportfolio seines Hauses umgekrempelt hat. Segmente fehlen im Vergleich zu Ende 2010 und was vorher einigermaßen übersichtlich in fünf Segmente aufgeteilt war, zersplittert sich jetzt in zwölf Teile. Lepelmeier, der auch an der Hochschule Osnabrück unterrichtet, erläutert wieso.
Mit „New Normal“ und „einer neuen Welt“ werden die Strukturveränderungen bezeichnet – doch die Umwälzung im Anleihenportfolio der NAEV hat mit den großen Trends nur indirekt zu tun. Innerhalb von zwölf Monaten wurden rund 60 Prozent des Bond-Portfolios umgeschichtet. Viele Teilnehmer auf der Tagung in Berlin waren verblüfft, wie rigoros die Nordrheinische Ärzteversorgung als mittelgroßer institutioneller Investor den Anleihen-Teil im Vermögen gedreht hat.
Das Bond-Portfolio macht rund ein Viertel aller Anlagen der Körperschaft aus. Die Versorgungseinrichtung ist eine Selbstverwaltungseinrichtung der Ärztekammer Nordrhein und ersetzt für mehr als 50.000 Ärzte der Regierungsbezirke Düsseldorf und Köln die gesetzliche Rentenversicherung. Insgesamt belaufen sich die Kapitalanlagen auf rund 10 Milliarden Euro. Die Einrichtung zählt damit zu den größten Versorgungswerken in Deutschland.
Vor der Neuausrichtung des Bond-Portfolios und dem Austausch der Positionen hatten Corporate Bonds rund zwei Drittel der Bonds ausgemacht. Heute sind es noch etwa 30 Prozent. Ebenfalls reduziert wurden geldmarktnahe Bonds, die der Investor von 18 auf 7 Prozent mehr als halbierte.
Im Gegenzug findet sich im Depot fast alles, was in der Bond-Welt vorkommt. Beispielsweise knapp neun Prozent inflationsindexierte Anleihen. Neu dabei auch dänische Pfandbriefe mit einem Anteil von gut zwölf Prozent, die eine höhere Rendite bringen als deutsche Papiere, weil die Kunden im Nachbarland jederzeit kündigen dürfen – und dafür mehr zahlen. Ebenfalls bisher nicht im Portfolio waren Anleihen aus Rohstoffländern, die jetzt vier Prozent ausmachen.
Ein neues Segment in der Struktur des Bonds-Portfolios der Nordrheinischen Ärzteversorgung bilden sogenannte Absolute Return Investments. „Das sind keine klassischen Mandate im Sinne von Balanced-Portfolios mit Aktien und Anleihen, sondern ausschließlich Strategien, die auf Bonds basieren. Dabei geht es zum Beispiel darum, Anleihen über Derivate darzustellen und das jeweilige Exposure in Duration, Credit und Währung isoliert zu nutzen.“ Aufgaben dieser Art werden für die Ärzteversorgung unter anderem von Pimco und WestAM als Asset Manager wahrgenommen. Ziel der Absolute-Return-Mandate ist eine möglichst geringe Beta-Abhängigkeit von Aktien- und Rentenmärkten.
Breit gestreut wie die einzelnen Teilsegmente des Bond-Portfolios hat die Ärzte-Versorgungseinrichtung auch die Adressen, die mit der Verwaltung der Mittel beauftragt wurden. Insgesamt 15 Asset Manager engagierte die NAEV bei Anleihen, Namen, mit denen sie zum Teil schon seit Jahren zusammenarbeitet. Bei den Corporate Bonds hat das Versorgungswerk beispielsweise HSBC Trinkaus, bei asiatischen Anleihen Normura beauftragt. Staatsanleihen sowie Unternehmensanleihen aus den Emerging Markets managt First State, während ein Mandat für Staatsanleihen aus den Rohstoffländern an DB Advisors vergeben wurde; im Segment der Inflation Linker engagierte man Normura sowie Amundi, bei den Dänischen Pfandbriefen sind Nordea und Danske im Boot.
Die Radikalkur im Bond-Portfolio der NAEV hat zwei Ursachen: Im Zeitraum 2009 bis 2010 hatte die Nordrheinische Ärzteversorgung unter dem Aspekt erwarteter Zinssteigerungen begonnen, ihr Bond-Portfolio weiter zu diversifizieren. „Wir können Zinsänderungen nicht ausweichen. Aber wir können unser Bondsportfolio so aufstellen, dass wir weniger verwundbar sind“, so Lepelmeier.
Vorausgegangen war diesen Umschichtungen eine historische Sondersituation im Rahmen der Finanzkrise 2008/2009, die sich die Ärzteversorgung zunutze gemacht hat. Damals kauften Lepelmeier und sein Team in großem Stil Unternehmensanleihen deutscher Adressen wie zum Beispiel BMW, Daimler und Siemens. Diese brachten zu diesem Zeitpunkt bei einer Laufzeit von drei Jahren Renditen von durchaus bis zu acht Prozent. Im Gefolge dieser Investments erhöhte sich der Anteil von Corporate Bonds am gesamten Bond-Portfolio der NAEV auf über 50 Prozent. Entsprechend musste mit dem Auslaufen der Papiere das Bond-Portfolio wieder breiter diversifiziert werden.
Mit dem Ergebnis der neuen Struktur sind Lepelmeier und Guido Nördershäuser, der den Bereich Risikomanagement Kapitalanlage leitet, bisher durchaus zufrieden. Die im Durchschnitt erzielte Bond-Rendite lag im vergangenen Jahr über vier Prozent, wobei die Spanne der Einzelwerte zwischen plus einem und über zehn Prozent variierte. „Das ist genau das, was wir beabsichtigt haben“, sagt Lepelmeier. Beispielsweise lag der Ergebnisbeitrag der Inflation Linker 2011 bei rund zehn Prozent. Dabei bewirkte nicht das Thema Inflation in diesem Teilsegment die hohe Rendite, sondern vielmehr die Laufzeit, die bei indexierten Anleihen typischerweise lang ist.
Auf Bundesanleihen verzichtet die Ärzteversorgung in ihrem diversifizierten Bond-Portfolio; Schuldscheine, Namenspapiere und Hypothekendarlehen machen jedoch zusammen über 50 Prozent der gesamten Kapitalanlagen aus. „Diese Positionen beinhalten zu 99 Prozent deutsche Adressen, so dass kein Bedarf für weitere deutsche Staatsanleihen besteht“, argumentieren Lepelmeier und Nördershäuser unisono. Ihrer Ansicht nach haben deutsche Bundesanleihen derzeit ohnehin ein hohes Ertragsrisiko: „Man kann viel verlieren, aber nicht viel gewinnen.“
