Die US-Währung erfährt zurzeit reichlich Gegenwind. Das hohe Handelsbilanzdefizit und das schuldenfinanzierte Wachstum gehören zu den Faktoren, die zur Schwäche des US-Dollars beitragen, so Schroders.

Nach der kurzen Erholung im ersten Quartal 2021 spricht nun vieles dafür, dass der US-Dollar gegenüber anderen Leitwährungen eher schwach bleibt. Denn der strukturelle Gegenwind, den der Greenback im vergangenen Jahr zu spüren bekommen hat, lässt nicht nach, betont die Fondsgesellschaft Schroders.  „Dies betrifft vor allem die negative US-Leistungsbilanz und hier insbesondere das Handelsbilanzdefizit“, wie Ingmar Przewlocka, Portfoliomanager bei Schroders, ausführt.

Grund für das hohe Handelsbilanzdefizit ist, dass sich die US-Importe schneller erholt haben als in anderen Ländern. Der private Konsum zog zuletzt rasant an, nicht zuletzt wegen der umfangreichen fiskalpolitischen Maßnahmen, die Washington zur Eindämmung der Folgen der Corona-Krise lanciert hatte. Tendenziell könnte der private Konsum dafür sorgen, dass das Leistungsbilanzdefizit noch weiter anschwillt.

Um dies auszugleichen, müsse die Nachfrage der institutionellen Investoren nach US-Vermögenswerten deutlich anziehen. Dies sei angesichts von verschiedenen Faktoren, wie beispielsweise der Rotation von Growth- hinein in Value-Aktien, aber erst einmal nicht zu erwarten, prognostiziert Przewlocka.

Schuldenfinanziertes Wachstum schwächt US-Dollar

Außerdem schwächt schuldenfinanziertes Wachstum – wie zurzeit in den USA zu sehen – in Industrieländern eher die eigene Währung. Dies belegen historische Daten. „Insofern gehen wir von einem erkennbar schwächeren US-Dollar aus und erwarten einen Euro-Kurs von deutlich über 1,25 Dollar in den kommenden Monaten”, wie Przewlocka betont. Anders sieht das in Schwellenländern aus: dort sei diese Korrelation tendenziell umgekehrt. In Schwellenländern verhalte es sich tendenziell umgekehrt. Schuldenfinanziertes Wachstum sei momentan in den USA der Fall.

Grund für die Erholung der US-Währung im ersten Quartal war unter anderem, dass die USA die Corona-Pandemie schneller überwunden haben als andere Länder. Zudem habe eine gewisse Short-Überpositionierung der US-Währung bestanden. „Manche Investoren haben diese abgebaut und Gewinne mitgenommen“, sagt Przewlocka.

Auch der Portfoliomanager hat die Short-Positionen auf die US-Währung nochmals erhöht. Der Blick richtet sich dabei auf das Währungspaar Dollar-Euro. „Denn dort wirken neben der strukturellen Dollar-Schwäche weitere Treiber – unter anderem die bereits erwähnte Rotation in Value-Aktien sowie zyklisches Wachstum – die sich vor allem am europäischen Aktienmarkt finden”, so Przewlocka.

Natürlich beeinflusst die Dollarschwäche auch andere Märkte. So korrelieren in US-Dollar denominierte Rohstoffe etwa in der Regel negativ mit der US-Währung. Edelmetall- und Rohstoffpreise kletterten schon seit Monaten höher, was Inflationsängste schürt. Zudem stützt die Entwicklung ausgewählte Schwellenländer-Währungen.

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