Zinsanstieg führt zu Verbesserung der Solvency-II-Positionen. Schäden durch den Ukraine-Krieg bleiben begrenzt.

Die europäischen Versicherer gehen gestärkt aus Pandemie, Inflation und Konflikten hervor. Zu diesem Ergebnis kommt Plenum Investments, ein auf Versicherungsrisiken spezialisierter Investmentmanager, nach Analyse der von den Gesellschaftenn veröffentlichten Halbjahresberichte 2022. So habe die Mehrheit der Emittenten die Analystenerwartungen übertroffen und die Kapitalisierung ausbauen können.

Spürbares Prämienwachstum

Inflation ist größtenteils kaum ein Problem für den Sektor. Im Gegenteil: Neben höheren Tarifen und einer sich erholenden Wirtschaftstätigkeit seien auch Inflationseffekte dafür verantwortlich gewesen, dass die meisten Versicherer im Bereich Property & Casualty ein Prämienwachstum im oberen einstelligen Bereich verzeichnen konnten. Branchenweit hätten sich die höheren Tarife leicht positiv auf die versicherungstechnischen Ergebnisse ausgewirkt. Die höhere Schadenshäufigkeit habe dies jedoch teilweise wieder neutralisiert, vor allem die wetterbedingten Schäden blieben relativ hoch. Zusätzliche Reservepuffer, die viele Versicherer während der Pandemie aufbauten, würden nun schrittweise aufgelöst und tragen damit zur Glättung der Ergebnisse bei.

Schwächere Combined Ratios bei Rückversicherern

Bei den Rückversicherern konnten Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück dank steigender Prämien ergebnisseitig die Konsenswerte übertreffen, während Scor den Markt enttäuschte. Aufgrund höher als erwarteter Katastrophen- und Großschäden in Europa haben sich die Combined Ratios der Rückversicherer aber tendenziell verschlechtert. Einzig Munich Re verzeichnete Katastrophenschäden, die innerhalb des dafür vorgesehenen Budgets lagen.

Combined Ratios im Halbjahresvergleich

Quelle: Plenum Investments

Die Schäden im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine blieben begrenzt, auch wenn die Schätzungen für das erste Quartal im zweiten Quartal nach oben korrigiert wurden. Das Ausmaß der Branchenverluste werde inzwischen eher am unteren Rand der Spanne von zehn Milliarden bis 20 Milliarden US-Dollar eingeschätzt.

Mit den Zinsen steigt auch die Kapitalisierung

Die nach wie vor als sehr stark eingeschätzten Solvency-II-Positionen hätten sich bei drei Vierteln der Versicherer durch die steigenden Zinsen sogar weiter verbessert. „Fast ein Drittel der Versicherer in unserem Anlageuniversum meldete im ersten Halbjahr Solvency-II-Quoten über ihren jeweiligen Zielbandbreiten, was den Handlungsspielraum des Kapitalmanagements im Hinblick einer möglichen Eintrübung des gesamtwirtschaftlichen Umfeldes erhöht“, sagt Rötger Franz, Portfoliomanager bei Plenum Investments. Bei der Allianz lag die Quote sogar trotz des Aktienrückkaufprogramms mit 200 Prozent deutlich über dem Mindestziel von 180 Prozent.

Veränderung der Solvency-II-Quoten im ersten Halbjahr

Quelle: Plenum Investments

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