Corona-Krise: Der DAX hat im internationalen Vergleich bisher die größten Verluste erlitten. Welche Auswirkung hat das auf defensive Stiftungsfonds?

Die großen Aktienindizes befinden sich seit Wochen im freien Fall und haben im Zeitraum vom 24. Februar bis zum 15. März deutliche Verluste hinnehmen müssen. Der DAX und der Eurostoxx 50P verloren jeweils ungefähr 32 Prozent, der S&P 500 lag bei  minus 19 Prozent und der MSCI World GRTR musste Verluste in Höhe von 23 Prozent verbuchen. Auch an den vermögensverwaltenden (VV-)Fonds ging die Coronakrise bisher nicht spurlos vorbei und sorgte auch dort für Korrekturen, das zeigt der aktuelle Stiftungsreport von Standard Asset und MMD Analyse & Advisory.

Im Betrachtungszeitraum konnten die defensiv ausgerichteten VV-Fonds, gemessen am MMD-Index Defensiv und MMD-Index Stiftung, die Verluste im einstelligen Bereich bei circa minus 8 Prozent begrenzen. Die VV-Fonds mit höheren Aktienquoten verloren hingegen zweistellig und lagen in dem beobachteten Zeitraum bei den ausgewogenen Strategien bei minus 13 Prozent, bei den flexiblen Strategien bei minus 16 Prozent und bei den offensiven bei minus 18 Prozent.

Enorme Herausforderungen auch für defensive Stiftungsfonds

Insbesondere die defensiven Stiftungsfonds sollen aufgrund ihrer Konstruktion und der verfolgten sicherheitsorientierten Strategie in unruhigen Zeiten dem Anleger einen Mehrwert bieten. In den vergangenen Jahren ließ sich diese Kernkompetenz der Stiftungsfonds nur selten über einen längeren Zeitraum hinweg überprüfen, da die Märkte meist nur die Richtung nach oben kannten. Doch durch das Coronavirus kam es in kürzester Zeit zu einem Richtungswechsel, der auch die defensiven Stiftungsfonds vor enorme Herausforderungen stellt.

Die defensiven Stiftungsfonds konnten die Verluste der Aktienmärkte flächendeckend abfedern. Dennoch gab es innerhalb dieser Peergroup gravierende Unterschiede. So lagen die Performancewerte zwischen minus 1,3 Prozent und minus 13,7 Prozent bei einem Median von minus 8,4 Prozent. Dieser spezielle Mittelwert, der die Messwerte „in der Mitte“ teilt (50 Prozent der Fonds haben eine höhere Wertentwicklung und 50 Prozent eine niedrigere Wertentwicklung), bietet gegenüber dem Durchschnitswert den Vorteil, dass die absoluten Werte von Ausreißern nicht bei der Berechnung ins Gewicht fallen. Dadurch ist die Aussagekraft dieses Mittelwertes robuster.

Böses Erwachen aus langjährigem Aufwärtstrend

Ein Verlust von über 8 Prozent im Mittel werde für viele Stiftungen ein böses Erwachen aus dem langjährigen Aufwärtstrend sein, so die MMD-Experten. Als Alternative zu negativ verzinsten Staatsanleihen erhalten die Stiftungsfonds dadurch einen empfindlichen Dämpfer. Auch das Argument, dass in den letzten Jahren regelmäßig positive Erträge (mit Ausnahme von 2018) generiert wurden, sei zwar richtig, aber in der Summe mit den aktuellen Verlusten sind die Gewinne aus den letzten Jahren schnell ins Negative umgekehrt worden, stellen die Experten fest. Nur wenige defensive Stiftungsfonds weisen aktuell auf Ein-, Drei- und Fünfjahressicht eine positive Performance aus.

Hervorzuheben seien dabei der Rheinische Kirchenfonds und der Warburg Pax Substanz Fonds, so die Analysten von MMD. Beide defensiven Stiftungsfonds schafften es, die bisherigen Verluste in der Coronakrise zu begrenzen und zusätzlich in den vergangenen drei Jahren positive Erträge zu generieren. Ein weiteres Indiz für deren Leistungen liefert das MMD-Ranking. Beide gehören im Hinblick auf das drei Jahresranking zu dem Top-Quintil in diesem Segment.

„Bei dem MMD-Ranking fließen neben den Performanceleistungen auch Risikokomponenten zu 50 Prozent mit in die Bewertung ein.“ erklärt Nicolai Bräutigam von der MMD Analyse & Advisory GmbH. „So kann mit einem Blick erfasst werden, welche Stiftungsfonds ein angemessenes Chance-Risiko-Profil aufweisen. Und vor allem kann man auch abgleichen, ob Kursgewinne, die kurzfristig erzielt wurden, auch auf lange Sicht bestätigt werden.“

Regelmäßige Ausschüttungen spielen eine wichtige Rolle

Neben der Wertentwicklung spielen für Stiftungen auch die regelmäßigen Ausschüttungen eine wichtige Rolle. Da diese in der Regel aus den ordentlichen Erträgen generiert werden, bleibt abzuwarten, ob die Fondsgesellschaften die Ausschüttungen stabil halten können. Bernhard Matthes, Portfoliomanager des BKC Treuhand Portfolios ist es dabei wichtig den Grundsatz beizubehalten, „dass Ausschüttungen nur aus ordentlichen Nettoerträgen und niemals aus der Substanz heraus generiert werden. Daran ändert auch die aktuelle Situation nichts. Zudem ist das BKC Treuhand Portfolio durch die langfristige Ausrichtung des Rentenportfolios mit positiver Verzinsung und krisenbewährter Aktientitel gut für eine länger andauernde Baisse aufgestellt.“

Wichtig für die Kontinuität kann darüber hinaus sein, dass in den erfolgreichen vergangenen Jahren Gewinnrücklagen gebildet wurden, welche Einnahmeeinbußen in schwächeren Jahren ausgleichen können. Dadurch kann der Stiftungszweck weiterhin – trotz fallender Kurse – erfüllt werden.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN